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Train the Trainer | ISO 17024: Sinnhaftigkeit und Alternativen

Train the Trainer-Ausbildungen schließen oft mit einer Zertifizierung ab, vorzugsweise der ISO 17024. Mit Recht. Denn diese Zertifizierung … ja was denn? Wozu diese Zertifizierung, welchen Stellenwert hat sie und welche Alternativen gibt es?

Eine Experten-Runde, die sich aus Train the Trainer-Anbietern zusammensetzt, gibt mir im Interview unterschiedliche Blickwinkel zur ISO 17024 und möglichen Alternativen:

 

Fragen dieses Interviews: Muss es unbedingt eine ISO-Zertifizierung (ISO 17024) sein? Was kann sie, was zertifiziert sie, welches Ziel verfolgt sie? 

Welche Zertifizierungen neben ISO sind möglich und sinnvoll?

INTERVIEW-PARTNER

 



Muss es unbedingt eine ISO-Zertifizierung (ISO 17024) sein? Was kann sie, was zertifiziert sie, welches Ziel verfolgt sie?

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre internen Trainer nach ISO 17024 zertifizieren lassen. Auch in diesem Jahr hält dieser Trend an. Das ist ein eindeutiges Signal in Richtung Trainerqualität und zeigt, dass diese Zertifizierung in der Wirtschaft ein anerkanntes Gütezeichen für Trainer darstellt.
Als Teil der Steuerungsgruppe war ich an der Weiterentwicklung des Zertifizierungsprogramms beteiligt. Es wurde darauf geachtet, dass die Kriterien an die modernen Qualitätskriterien im Training angepasst sind. Folgende Kompetenzen sind im Zertifizierungsprozess nachzuweisen:

  • Präsentationsfähigkeit und professioneller Medieneinsatz
  • Persönliche Stärken und Methodenvielfalt
  • Transferwirksame Kurs- und Seminargestaltung
  • prägnante Aufbereitung und Vermittlung von Inhalten

Im Sinne der Qualitätssicherung müssen Kompetenzzertifikate zeitlich befristet ausgestellt werden. Nach drei Jahren erfolgt bei der ISO Zertifizierung die Rezertifizierung. Zur Verlängerung  muss eine Fortbildung im Trainingsbereich von zumindest 16 UE und die berufliche Praxis als Fachtrainer in einem Ausmaß von 120 Unterrichtseinheiten (zB: 15 Seminartage) nachgewiesen werden. Damit zeigen ISO zertifizierte Trainer ein wichtiges Qualitätskriterium, nämlich kontinuierliche eigene Weiterbildung und regelmäßige praktische Trainingserfahrung.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Momentan ist am Markt die ISO 17024 in der Trainerbranche nachgefragt – sie zertifiziert Trainerkompetenz und die Tatsache, dass die Ausbildung bei einem zertifizierten Institut absolviert wurde. Dabei werden sowohl auf die Inhalte als auch auf die Qualität der Ausbildung und die Qualität des Institutes evaluiert und das laufend. Eine ISO Zertifizierung gilt ist nur für eine bestimmte Zeit (meist 3 Jahre) gültig und muss immer wieder erneuert werden. Das bewirkt, dass man quasi gezwungen ist, immer am Puls der Zeit zu bleiben und sich weiterzubilden. Ich kenne einige Trainer, die keine Zertifizierung haben und seit Jahren keine Weiterbildung mehr absolviert haben – das wirkt sich negativ auf die Trainerqualität aus.

Mag. Peter Wiltsche (il Aus- und Weiterbildung): Es muss nicht unbedingt eine ISO-Zertifizierung sein. Sie ist eine Möglichkeit, um seine Kompetenzen von einer unabhängigen Stelle zertifizieren zu lassen. Sie zertifiziert einen sehr klar definierten Kompetenzkatalog, der auch öffentlich einsehbar ist.

Michaela Baumgartner (GROUP AUSTRIA): Die Personenzertifizierung ISO 17024 ist national & international anerkannt und ein genormter Kompetenznachweis seiner eigenen Trainingskompetenzen. Zertifiziert werden die Kompetenzen: Aufbereitung und Vermittlung, Kurs- und Seminargestaltung von Inhalten, Trainingsverhalten und Methodenvielfalt, Präsentations- und Medieneinsatz. Das Ziel der ISO Norm ist es ein Mindestniveau und -gehalt an Kompetenzen zu gewährleisten.

Irina Simone Fischelmaier (HeartBeat): Es werden sowohl theoretische Kenntnisse als auch praktische Fähigkeiten geprüft. Die Zertifizierung ist mit Vorgaben wie der Absolvierung einer namhaften Trainerausbildung, Praxistagen in der Arbeit mit Gruppen und der Erstellung eines Seminarkonzepts inklusive Seminardesign verbunden, was eine gewisse Transparenz und „Objektivität“ in der Vergabe der Zertifizierung und somit einen Standard gewährleistet, auf den sich potenzielle Auftraggeber verlassen können. Dass die Zertifizierung über die Jahre auch immer wieder erneuert werden muss, führt dazu, dass die Trainer (zwangsläufig) am Puls der Zeit bleiben und sich regelmäßig weiterbilden.

Welche Zertifizierungen neben ISO sind möglich und sinnvoll?

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Wir bieten eine eigene Zertifizierung an – diese folgt auf die Ausbildung und bestätigt, dass die Teilnehmer das Gelernte auch in der Praxis umsetzen können.

Mag. Peter Wiltsche (il Aus- und Weiterbildung): Das kommt darauf an, in welchen Bereichen ich tätig sein möchte und wofür man die Zertifizierungen tatsächlich braucht. Neben ISO gibt es beispielsweise auch die Möglichkeit sich als Erwachsenenbildner von der wba zertifizieren zu lassen. Hier kommt aus meiner Sicht wieder der Aspekt ins Spiel, welches Grundverständnis der Profession hinter einer Zertifizierung steht, weil es in gewissen Bereichen Unterschiede zwischen einer Zertifizierung als Trainer und einer Zertifizierung als Erwachsenenbildner gibt. Eine weitere Variante ist es sich Zertifizierungen spezieller Dachverbände zu sichern.

Ina Biechl (Institut ina biechl): Für mich sind bei Trainern nicht so sehr die Zertifizierungen ausschlaggebend als vielmehr die praktische Umsetzung in der Arbeit mit Gruppen. Es geht ja nicht darum, vorgefertigte Programme abzuspulen, sondern darum, die vorgegebenen Themen für die spezielle Gruppe so aufzubereiten, dass für jede Person eine individuelle Entwicklung möglich ist. Um Gruppenprozesse gut gestalten zu können, braucht es absolute Aufmerksamkeit und Konzentration. Diese Fähigkeiten werden bei den meisten Zertifizierungen nicht dargestellt.

 



Die Gesprächspartner

 

Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin & Inhaberin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

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Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

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Michaela Baumgartner
Geschäftsführung

GROUP AUSTRIA – besser leben mit Bildung

www.group-austria.at

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Irina Simone Fischelmaier
Trainerin

HeartBeat GmbH

www.HeartBeat.co.at

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Ina Biechl
Leiterin

Institut ina biechl

www.ina-biechl.at

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Mag. Peter Wiltsche
Lehrtrainer Train the Trainer

il Aus- und Weiterbildung GmbH

www.il-institut.at


selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


Ich danke sowohl für Ihre Expertise als auch für Ihre Geduld!
Mein persönlicher Luxus ist es, mitunter auch kontroverse Aussagen im Interview präsentieren zu können. Über den Tellerrand sehen und letztendlich dadurch den Mehrwert generieren. Besonderen Spaß macht es mir, darüber hinaus freche, unerwartete, provokante Blickwinkel dabei zu haben.
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