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Online-Outplacement-Beratung | Fluch und Segen von Online-Beratung

Virtuell kann eh alles abgebildet werden. Auch zutiefst menschliche Beratung. Wenn es sein muss. 2020 hat uns auch das gelehrt. Sehen wir uns die Möglichkeiten und Effekte an – am Beispiel von Outplacement-Beratung.

Outplacement eignet sich gut als Beispiel, da es zum Großteil Menschen betrifft, die mit beiden Beinen im Leben standen und mehrheitlich sehr PC-erfahren sind. Eine gute Voraussetzung für Distance-Meetings. Gleichzeitig betrifft Outplacement Menschen, denen oft der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und die den persönlichen Kontakt dringend benötigen. Sie müssen mit der neuen Lebenssituation fertig werden, oft Frustration, Unsicherheit und Rückschläge überwinden und sich auf neuem Terrain zurechtfinden. Das ist rein online oder am Telefon nicht so einfach einzufangen, wie es im persönlichen Gespräch der Fall wäre.

Daher nehme ich die Outplacement-Beratung als Beispiel und wende mich direkt an die Berater und freue mich sehr auf ihre Erfahrungen

 

 

Eine Aussage möchte ich – Achtung Spoiler! – vorziehen, da sie die große Chance dieser außergewöhnlichen Zeit herrlich einfängt (Mag. Harald Schmid, klaglos.at): „Dieses erste, wichtige Kennenlernen [zwischen Berater und Klient] kann auch als Spaziergang im Freien stattfinden. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Die frische Luft macht den Kopf frei und animiert zum Reden.“

Bevor ich alles im Vorfeld verrate, tauchen wir gleich ein ins Interview:

 



 

Wie online war Outplacement-Beratung im letzten Jahr?

Im Detail frage ich: Betreuten Sie Ihre Kandidaten während  der Covid-Zeit ausschließlich virtuell? In welchen Phasen ist das persönliche Gespräch besonders wichtig? Welche Tools eignen sich besonders gut für die virtuelle Beratung?

Mag. Ulrike Kriener (Aumaier Coaching & Aumaier Coaching & Partner): Auf Grund der Maßnahmen betreuten wir unsere Kunden überwiegend virtuell. Lediglich, wenn eine Präsenzmethode notwendig war, zum Beispiel für wing wave (geführte Augenbewegungen, um negative Emotionen, wie zum Beispiel Ängste keine neue Stelle zu finden, zu neutralisieren) vereinbarten wir Präsenztermine unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften.
Grundsätzlich handeln wir bis heute nach dem Grundsatz, dass der Coachee sich wohl fühlen soll. Wenn also jemand Online bevorzugt, dann akzeptieren wir es, wenn jemand Präsenz möchte, dann bieten wir aktuell Selbstschnelltests zusätzlich zu den Hygienevorschriften an.

Mag. Martina Chvalina-Kohlbach (2blickwinkel.at): Wir führen Beratungsgespräche mit unseren Kandidaten face2face als auch über online Kommunikationstools.

Michaela Buttazzoni (BDO Consulting): Wir haben nicht nur virtuell gearbeitet. BDO hat ein umfangreiches Hygiene- und Sicherheitskonzept erstellt, das z.B. Maskenpflicht umfasst, ebenso wie große Meetingräume, um genügend Abstand halten zu können und regelmäßiges Lüften. Unter Einhaltung dieser Vorsichtsmaßnahmen konnten wir auch persönliche Termine anbieten.
Unsere Dienstleistung lebt von der Begegnung. Gerade zu Beginn der Beratung, wenn Schock und Frustration über die Trennung noch sehr groß sind, ist das persönliche Gespräch besonders wichtig. Daher haben wir auch während der Covid-Zeiten beide Optionen virtuell/persönlich der Beratung genutzt.

Barbara Schopper (HR Consulting | Karriereberatung | Outplacement): Die Beratung und Betreuung meiner Klienten erfolgten in der Covid Zeit sowohl virtuell als auch persönlich. Mein Beratungsangebot wird es auch in Zukunft in beiden Varianten, persönlich und/oder virtuell geben.

Dr. Peter Holzmüller (LHH/OTM Karriereberatung): Blended Learning – also die Verwendung von virtueller und persönlicher Beratung – gehören bei uns seit mehr als einem Jahrzehnt zum Alltag. Die persönliche Beratung (jetzt nicht nur mit FFP2 Masken, sondern auch mit speziell für unsere Beratungen designtem Plexiglas) ist dabei für das Auffang- od. Erstgespräch zu bevorzugen, aber wir haben selbstverständlich auch erfolgreiche Zoom Sessions.
Von Videokonferenzen zwischen Kandidaten und Beratern bis hin zu unserem interaktiven Webcenter mit Assessements, Mustervorlagen, Webinaren und der internationalen Firmendatenbank D&B Hoovers. Unser gesamtes Berater-Team arbeitet via online-tools, um z.B. Lebenslaufchecks und Social Media Trainings oder auch FK Schulungen für Trennungsgespräche durchzuführen. Die Webinare umfassen das Netzwerken, Marketingpläne, Personal Branding, aber auch spezifisches zu Bewerbungsgesprächen, sowie Selbständigkeit / Interim Management.
Die Grundprämisse ist, je nach dem Wunsch unseres Gesprächspartners zu agieren. Ängstlichere Kandidaten bekommen mehr virtuell, weniger ängstliche mehr face to face.
Last, but not least gibt es unser neues Service Aktive Placement Digital: Hier werden Lebensläufe von Nicht FK mit tausenden Jobangeboten maschinell auf Passung untersucht.

Mag. Harald Schmid (klaglos.at): Das Erstgespräch findet nach Möglichkeit immer im Präsenzmodus statt. Gerade zu Beginn einer Outplacement-Begleitung geht es um Vertrauensaufbau. Und dafür eignet sich ein persönliches Gespräch viel besser, als ein virtueller Termin. Dieses erste, wichtige Kennenlernen kann auch als Spaziergang im Freien stattfinden. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Die frische Luft macht den Kopf frei und animiert zum Reden…😉.
Alle anderen Termine lassen sich im Outplacement gut über virtuelle Medien abhalten. Wenn die Vertrauensbasis passt, macht das qualitativ kaum einen Unterschied zu einem persönlichen Gespräch. Aber nach so vielen Wochen in einer virtuellen Arbeitswelt, wollen zunehmend mehr Klienten wieder persönliche Termine.

Worin liegen die Vorteile von virtueller Beratung?

Michaela Buttazzoni (BDO Consulting): Der Vorteil der virtuellen Beratung ist natürlich die Ortsunabhängigkeit – sie ist jederzeit, von wo auch immer möglich und das auch kurzfristig. Auch wenn es bei unserer Beratung nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt sei es erwähnt: Auf der praktischen Ebene funktioniert das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten bei einem online Termin natürlich viel selbstverständlicher.

Oliver Heun-Lechner (Outplacement.house): Aus unserem Beratungsblickwinkel heraus betrachtet liegt der entscheidende Vorteil für Klienten im virtuellen Training. Wir konnten im Jahr 2020 rund 100 Kandidaten in ihrem Arbeitssuchprozess begleiten und können heute in einem 12-Monats-Rückblick bestätigen, dass  fast 90% aller Erstgespräche im Bewerbungsprozess virtuell stattfinden. Die virtuelle Zusammenarbeit in der Beratung bzw. Betreuung gibt Bewerbern ein hohes Maß an Sicherheit in virtuellen Vorstellungsgesprächen.
Wirklich große Augen haben wir im 4ten Quartal 2020 bekommen. Wir konnten einen Kandidaten in eine Senior-Entwickler Position begleiten. 3 Gesprächsrunden, alle virtuell. Vertragsverhandlungen per Mail. Das Unternehmen hat den hochdotierten Bewerber eingestellt – ohne ihn jemals persönlich gesehen zu haben. Im übrigen: Home Office auf Wunsch!
Ein weiter Vorteil: Unternehmen scheinen in der Lage zu sein, deutlich schneller als in der Vergangenheit Erstgesprächstermine realisieren zu können. Es ist nicht mehr die Ausnahme, dass Unternehmen innerhalb weniger Tage nach dem Versand der Bewerbungsunterlagen Gesprächstermine vereinbaren. Vermehrt auch in der selben Woche.

Mag. Martina Chvalina-Kohlbach (2blickwinkel.at): Der Vorteil? Unsere Kunden wählen abhängig von Entfernung, Mobilität, Flexibilität und persönlicher Präferenz zwischen persönlichem und virtuellem Arbeiten im Rahmen unserer 6 Steps of Career Transition. Virtuelles Arbeiten ermöglicht zudem kurzfristige Termine. Digitale Kompetenzen und virtuelles Arbeiten werden wichtiger Teil des beruflichen Alltags bleiben. Wir bereiten unsere Outplacement-Klienten bereits in unserer Zusammenarbeit gut darauf vor.

Mag. Peter Marsch (Jobsbutler): Es gelang bei allen Gesprächen trotz räumlicher Trennung auch eine gute Beziehung aufzubauen. Erstaunlich war, wie schnell wir vergessen haben, dass wir nicht im gleichen Raum sitzen.

Was aus dieser virtuellen Beratung werden Sie künftig beibehalten?

Dr. Peter Holzmüller (LHH/OTM Karriereberatung): Zoom, Skype etc. werden sicher auch nach der Pandemie einen bestimmten Umfang haben. Das interaktive Webcenter mit persönlichen Zugangsdaten war vor Covid ein wichtiges Werkzeug und wird es auch nach Covid sein.

Oliver Heun-Lechner (Outplacement.house): Das Learning aus den vergangenen Monaten hat uns dazu veranlasst, spezielle Guidelines für remote Erstgespräche zu entwickeln.  Entscheidend ist es für Kandidaten, mit dem Verzicht wichtiger persönlicher Werkzeuge umgehen zu lernen. Klienten mit einem überaus positiven bzw. charismatischen Auftreten leiden beispielsweise stark darunter. Hier gilt es gemeinsam Alternativen zu entwickeln, um Charisma und Ausstrahlung transportieren zu können. So gewinnen gut vorbereitete Fragen, Framing, bewusste Sprechpausen, länger ausatmen als einatmen und das bewusste Gestikulieren in virtuellen Bewerbungsprozessen an Bedeutung und tragen zum Erfolg bei.
Wir gehen heute davon aus, dass uns virtuelle Bewerbungsrunden erhalten bleiben und sehen es als zielführend an, Kandidaten weiterführend und gezielt darauf vorzubereiten.

Mag. Peter Marsch (Jobsbutler): Wir haben fast alle Beratungen in der Covid-Zeit virtuell durchgeführt, und wir werden dies auch so beibehalten, wenn es jedoch das Anliegen eines Bewerbers ist, ein persönliches Gespräch zu führen, dann werden wir das gerne immer durchführen.

Mag. Ulrike Kriener (Aumaier Coaching & Aumaier Coaching & Partner): Virtuelles Coaching hat für unsere Kunden den Vorteil, auch über große Distanzen rasch Coaching möglich zu machen. Zum Beispiel kann die Jobsuche oder das Onboarding eines Outplacementkunden auch bei einem Dienstantritt an einem weiter entfernten Ort weitergeführt werden. Grundsätzlich aber ist zu betonen, dass Präsenztermine ein empathisches Eingehen auf den Coachee bestmöglich unterstützen und eine größere Vielzahl von Methoden, die gemeinsame Bewegungen im Raum vorsehen, zur Anwendung kommen können.

 



Die Gesprächspartner


Dr. Peter Holzmüller
Geschäftsführer

LHH/OTM Karriereberatung GmbH

www.LHHaustria.at

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Michaela Buttazzoni
Director New Placement/Prokuristin

BDO Consulting GmbH

www.bdo.at

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Mag. Ulrike Kriener
Business Coach

Aumaier Coaching & Partner GembH

www.aumaier-coaching.com

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Oliver Heun-Lechner
Gründer & Executive Director

Outplacement.house

www.outplacement.house

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Mag. Peter Marsch
Geschäftsführer

jobsbutler GmbH

www.jobsbutler.com

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Mag. Martina Chvalina-Kohlbach
Eigentümerin

Chvalina & Kolbesen – 2blickwinkel.at

www.2blickwinkel.at

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Mag. Barbara Schopper
Geschäftsführung

HR Consulting | Karriereberatung | Outplacement

www.schopper.at


Harald Schmid
Inhaber

klaglos.at

www.klaglos.at


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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