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Ramadan 2021 | Was Arbeitgeber wissen und berücksichtigen sollten

In wenigen Tagen, am 12april2021, beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. Von den in Österreich rund 700.000 lebenden Muslimen fasten nach Befragungen mindestens zwei Drittel. Auch für das Personalmanagement kann das bedeutsam sein. Den gesamten Tag ohne Essen und Trinken wirkt sich möglicherweise spürbar auf die Arbeitsleistung aus. Führungskräfte und Unternehmen sollten daher sensibel sein und entsprechend agieren können.

 

 

Ein Dilemma für Arbeitgeber

Wenn Beschäftigte den ganzen Tag über nicht essen oder trinken und dadurch die Arbeitsleistung beeinträchtigt wird, entsteht gewissermaßen ein Dilemma zwischen der Arbeitsverpflichtung und der Religionsfreiheit. Einerseits ist es die Hauptpflicht des Arbeitnehmers,  die mit dem Arbeitgeber vereinbarte Arbeit zu verrichten. A andererseits herrscht in Österreich Religionsfreiheit, wonach jeder Mensch seine Religion frei ausüben darf.

Grundsätzlich dürfen Arbeitgeber muslimischen Beschäftigten nicht verbieten zu fasten. Durch ein derartiges Verbot würde gegen die Religionsfreiheit verstoßen werden. Der muslimische Glaube sieht vor, dass wenn ein Gläubiger aus bestimmten Gründen nicht während des Ramadan fasten kann, die Fasttage zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können. Arbeitgeber können das Fasten zwar nicht verbieten, aber ihre Beschäftigten in besonders arbeitsintensiven Phasen darum bitten, das Fasten zu verschieben.

Personalplanung mit Weitsicht erforderlich

Um Konflikte oder Probleme im Vorfeld zu vermeidern, ist eine weitsichtige Personalplanung daher umso wichtiger. Bereits vorab kann in der Personalplanung einiges berücksichtigt werden, um unangenehmen Überraschungen und unangekündigten Personalausfällen vorzubeugen.

Zunächst ist es wichtig, sich rechtzeitig zu informieren, wann der Ramadan stattfindet und in die Jahres- und Urlaubsplanung einzubeziehen.

Ramadan 2021 13. April – 12. Mai 2021
Ramadan 2022 2. April – 1. Mai 2022
Ramadan 2023 22. März – 20. April 2023
Ramadan 2024 10. März – 8. April 2024

 

Zudem kann es hilfreich sein, muslimische Beschäftigte bereits vorab – im Optimalfall in einem persönlichen Gespräch – zu befragen, wer überhaupt plant im Ramadan, zu fasten. Daraufhin kann individuell geklärt werden, ob in dieser Zeit z.B. eventuelle Überstunden abgebaut oder Urlaub genommen werden kann.

Zum besseren Verständnis innerhalb der Belegschaft hilft ebenfalls Sensibilisierung und gegenseitiger Respekt. Arbeitgeber könnten Informationen zum Ramadan beispielsweise im Intranet oder in Form eines Interkulturellen Kalenders, mit Fest- und Feiertagen sämtlicher Religionen und Kulturen, bereitstellen. Auch gemeinsame Feiern, zu denen Beschäftigte aller Religionen eingeladen werden, fördern den interkulturellen und interreligiösen Austausch.

Unterstützung für fastende Beschäftigte

Arbeitgeber haben ihren Beschäftigten gegenüber eine Sorgfalts- und Fürsorgepflicht und müssen daher berücksichtigen, dass es im Ramadan zu Konzentrationsschwierigkeiten, Ermüdungserscheinungen und einem höheren Risiko für Arbeitsunfälle kommen kann.

Folgende Tipps helfen, fastende Beschäftigte zu unterstützen:

  • Sensibilität: Kollegen und Führungskräfte sollten die Bedeutung des Ramadans verstehen und respektieren.
  • Schonung: Da das Fasten – insbesondere die mangelnde Flüssigkeitszufuhr – bei hohen Temperaturen körperlich sehr anstrengend sein kann, wird empfohlen, fastende Muslime körperlich weniger zu beanspruchen.
  • Flexible Arbeitszeiten: Je nach Möglichkeit der Arbeitsorganisation kann durch flexible Arbeitszeiten auf fastende Kollegen Rücksicht genommen werden. So kann es Muslimen beispielsweise ermöglicht werden, die Gebetszeiten morgens und abends in der Moschee wahrzunehmen und das Fastenbrechen am Abend gemeinsam mit der Familie zu begehen.
  • Urlaub: Bei der Urlaubsplanung sollte berücksichtigt werden, dass die Feiertage zum Ende des Ramadan für Muslime so wichtig sind, wie für Christen Weihnachten und Ostern. Daher sollte muslimischen Beschäftigten ermöglicht werden, die Feiertage mit der Familie zu verbringen und Urlaub zu nehmen. Im Gegenzug können die muslimischen Beschäftigten beispielsweise rund um Weihnachten und Ostern arbeiten.

Neben der aktiven Unterstützung der fastenden Beschäftigten sollte aber vor allem den Beschäftigten und ihren geschätzten religiösen Bräuchen der entsprechende Respekt entgegengebracht werden. Ein nettes „Ramadan kareem“, was übersetzt etwa „Ramadan ist großzügig“ bedeutet und ein netter Glückwunsch – ählich wie Frohe Weihnachten – ist, zaubert vielfach ein Lächeln, gepaart mit dem Gefühl der Wertschätzung, auf die Lippen.

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