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Die Entscheidung für den ersten Job | Die besten Fragen

Der erste Job ist vielleicht nur irgendein (Ferial-/Neben-)Job. Doch der erste WIRKLICHE Job sollte gut überlegt sein. Conrad Pramböck hat einige fundamentale Fragen zusammengestellt – die für den Jobsuchenden und somit auch für die Recruiter relevant sind:

 

 

Das Einstiegsgehalt mag für einen jungen Kandidaten wichtig sein, doch es gibt eine Reihe anderer Faktoren, die für die Berufswahl eine größere Bedeutung spielen sollten. Personalabteilungen sollten daher das Hauptaugenmerk nicht auf eine hohe Anfangsvergütung, sondern auf die wesentlicheren Einflussfaktoren richten.

Zum Thema Gehalt beim Karrierestart gebe ich jungen Menschen gerne einen außergewöhnlichen Rat: Arbeiten Sie nicht für das höchste Einstiegsgehalt. Ich habe immer wieder erlebt, dass sich junge Menschen von einem besonders attraktiven Gehalt zu Beginn ihrer Karriere blenden lassen und sich automatisch für das höchste Angebot entscheiden. Dies halte ich für einen Fehler in der Karriereplanung. Der Beginn der Laufbahn ist noch nicht der Zeitpunkt der Ernte. Eine Entscheidung für ein hohes Einstiegsgehalt kann sie in eine falsche berufliche Richtung führen, da sie nur dem Weg des schnellen Geldes folgen und Geld zu ihrem einzigen Entscheidungskriterium erheben.

Nicht die finanziellen Fragen sollten den Berufsstart entscheiden

Viel Geld zu Beginn der Karriere kann dazu verleiten, nur auf die monetären Aspekte des Jobs zu achten und alle weiteren Rahmenbedingungen weitgehend zu ignorieren. Wenn Ihr Traumjob auch am besten bezahlt ist, spricht nichts dagegen, ihn anzunehmen. Doch ich habe schon etliche Menschen in Karrierefragen begleitet, die nach zehn Berufsjahren unglücklich sind, weil sie sich im Job nicht wohlfühlen und sich auch ihr Gehalt nicht maßgeblich erhöht hat. Vielen von ihnen fällt nach einer so langen Laufbahn der Richtungswechsel in der Karriere schwer. Ein Neuanfang kommt für viele nicht infrage, weil sie sich an ein hohes Gehaltsniveau gewöhnt haben, ihren Lebensstil daran angepasst haben und mit Aufwendungen für Familie und Wohnen bereits erhebliche finanzielle Verpflichtungen eingegangen sind. Diese Menschen sind gefangen in einem Hamsterrad, das sie unglücklich und krank macht und überdies keine Befriedigung verschafft. Kein Wunder, dass so viele Menschen in der Midlife-Crisis im Alter von Ende 30, Anfang 40 in ein Burn Out rutschen.

Ich empfehle jungen Menschen daher, nicht unbedingt für das höchste Einstiegsgehalt zu arbeiten, sondern für die beste Perspektive. Personalabteilungen sind daher gut beraten, zwar ein marktkonformes, aber nicht übermäßiges Einstiegsgehalt zu zahlen, um die Einstellung der Kandidaten nicht zu korrumpieren.

Die besten Fragen für die erste Berufsentscheidung

Folgende Fragen sollten meiner Erfahrung nach anstelle eines hohen Gehalts für den Berufseinstieg im Vordergrund stehen:

  • Wie sieht meine weitere berufliche Entwicklung aus?
  • Inwiefern fördert mich mein Arbeitgeber, etwa durch weitere Ausbildungen oder Training on the job?
  • Welches Gehalt werde ich in Zukunft verdienen können, wenn ich mich für diesen Job bewerbe?
  • Wie könnte mein Karriereplan und mein weiterer beruflicher Aufstieg nach diesem ersten Job aussehen? Welche Chancen habe ich anschließend am Arbeitsmarkt?
  • Kann ich viel von meinem Chef und meinen Kollegen lernen, um wertvolle Kompetenzen für meine weitere Karriere aufzubauen?
  • Inwiefern kann ich mein Netzwerk in der angestrebten Position aufbauen? Inwiefern werde ich durch diesen Job daran gehindert?
  • Inwiefern ist dieser Job geeignet, meine Gesundheit und mein Wohlbefinden zu stärken oder eher zu gefährden, etwa durch übermäßige Arbeitszeiten oder Reisetätigkeit?
  • Inwiefern ist die Arbeit in dieser Karrierelaufbahn auch über längere Frist geeignet, meinen mittel- bis langfristigen Lebensstil zu unterstützen, der auch Platz für meine anderen Lebensziele lässt, wie etwa Familiengründung, Wohnort, Freunde und Hobbys?

Nicht das finanzielle Ergebnis zählt zu Karrierebeginn, sondern das Erlebnis

Das Einstiegsgehalt mag auf den ersten Blick das einfachste Unterscheidungskriterium für die Jobwahl beim Berufseinstieg sein. In vielen Fällen habe ich erlebt, dass die einseitige Fixierung auf ein hohes Einstiegsgehalt zu Entscheidungen führt, die nicht nur in die falsche Richtung leiten, sondern in späteren Jahren auch schwer zu korrigieren sind. Sie verstehen mich sicherlich richtig: Ich finde es jedenfalls erstrebenswert, viel zu verdienen. Doch die Höhe des Einstiegsgehalts ist einer der letzten Indikatoren, um eine langfristige Karriereplanung darauf aufzubauen. Gerade für die ersten Monate im Job sollte nicht das erste Gehalt, sondern die Möglichkeiten, die die neue Position für den jungen Kandidaten und seinen weiteren Berufsweg bietet, im Vordergrund stehen. Nicht das erste Ergebnis, sondern das Erlebnis zählt zu Karrierebeginn.

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