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Mitarbeiterbeteiligung | Erfolgsbeteiligung versus Kapitalbeteiligung

Erfolgsbeteiligung & Kapitalbeteiligung

Die erfolgreichsten Mitarbeiterbeteiligungsmodelle vermitteln den betroffenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das Gefühl von Wertschätzung, Respekt und Fairness. Es geht nicht darum, das unrealistische Versprechen zu geben, alle Mitarbeiter mit ihrer Beteiligung reich zu machen. Sondern es geht darum, die finanzielle Wertschätzung des Beitrags jedes Einzelnen am Erfolg aller. Wir sehen uns die Varianten Erfolgsbeteiligung und Kapitalbeteiligung genauer an.

INHALT

Wenn es dem Unternehmen gut geht, sollen auch die Mitarbeiter davon profitieren, auch wenn ihr Beitrag nicht individuell messbar war.

Erfolgsbeteiligung

In der Praxis ist die häufigste Variante der Mitarbeiterbeteiligung ein Anteil des Unternehmensgewinns, den man an die Mitarbeiter ausgeschütten kann. Diese Erfolgsbeteiligung ist deutlich einfacher und flexibler umzusetzen als eine Kapitalbeteiligung, etwa in Form von Aktien oder GmbH-Anteilen. Auch Klein- und Mittelbetriebe beteiligen in vielen Fällen ihre Mitarbeiterinnen am finanziellen Unternehmenserfolg.

Das Grundprinzip dieser Form der Mitarbeiterbeteiligung ist recht einfach: Ein Teil des Jahresgewinns wird an die Mitarbeitenden ausgeschüttet. Im Detail ergeben sich manche Unterschiede der einzelnen Modelle bei der Festlegung und Ausschüttung der Erfolgsbeteiligung:

  • Manche Unternehmen definieren vorab einen fixen Prozentsatz des Jahresgewinns, der an die Belegschaft ausgeschüttet werden soll.
  • Andere Unternehmen legen erst im Nachhinein aufgrund eines Beschlusses der Geschäftsleitung bzw. der Eigentümer fest, welcher Gesamtbetrag für die Beteiligung zur Verfügung steht.

3 Varianten

Bei der Ausschüttung gibt es drei vorherrschende Varianten, wobei jedes Unternehmen die Lösung wählt, die seiner Vorstellung von Fairness am ehesten entspricht.

  1. Jede Mitarbeiterin erhält unabhängig von Gehalt und Rang den selben Euro-Betrag. Der individuelle Bonusbetrag ergibt sich aus der Division des Gesamtbonusbetrags durch die Anzahl der Mitarbeitenden bzw. Vollzeitäquivalente. Beispiel: Der Gesamtbetrag von 100.000 Euro soll man auf 500 Mitarbeitende verteilen. Jede erhält daher 200 Euro.
  2. Jeder Mitarbeiter erhält den selben Prozentsatz des Gehalts. Der Bonusbetrag kann man errechnen durch die Division des Gesamtbetrags durch die Gehaltssumme. Dieser Prozentsatz wird mit dem tatsächlichen Gehalt des Mitarbeiters multipliziert. Wer mehr verdient, erhält somit auch eine höhere Erfolgsbeteiligung. Beispiel: Der Gesamtbetrag von 100.000 Euro soll in einem Unternehmen mit einer Gehaltssumme von 20 Millionen Euro verteilt werden: Ein Mitarbeiter mit einem Gehalt von 50.000 Euro erhält daher 250 Euro.
  3. Der Gesamtbetrag wird auf die Führungskräfte verteilt, die wiederum die einzelnen Geldbeträge ihren Mitarbeitenden individuell zuweisen. In manchen Unternehmen sind die Führungskräfte dazu angehalten, die Beträge nicht nur nach Gutdünken, sondern auch nach bestimmten Kriterien zu vergeben.

Kapitalbeteiligung

Deutlich seltener als eine Erfolgsbeteiligung sind Modelle der Kapitalbeteiligung. In Österreich sind nur rund 6 Prozent der Mitarbeitenden am Unternehmen ihres Arbeitgebers kapitalmäßig beteiligt. Insbesondere große börsennotierte Gesellschaften bieten ihren Mitarbeitenden diese Modelle an. Die Einführung von Beteiligungsmodellen ist in der Praxis sehr komplex, da man sowohl steuerrechtliche als auch gesellschaftsrechtliche und arbeitsrechtliche Aspekte berücksichtigen muss.

Mögliche Formen der Kapitalbeteiligung

Die Kapitalbeteiligung kann insbesondere in folgenden Formen stattfinden:

  • Aktien
  • GmbH-Anteile
  • Stock Options / Stock Appreciation Rights und ähnliche Modelle
  • Echte oder atypische Stille Gesellschaft
  • Partiarische Darlehen
  • Genussrechte

Aktien

Die großen börsenotierten Gesellschaften bieten in Österreich häufig ihren Mitarbeitenden vergünstigte Konditionen beim Kauf von eigenen Aktien des Unternehmens an. Meist gibt es einen Rabatt, wie etwa „4 plus 1 gratis“. Mit Ausnahme der voestalpine und des Flughafen Wiens, die seit vielen Jahren über die Konstruktion einer Stiftung rund 10 % der Aktien halten, ist der Anteil der Mitarbeiteraktien und damit der Einfluss der Beschäftigten auf die Führung des Unternehmens in fast allen anderen Firmen verschwindend gering. Es bleiben der finanzielle Vorteil und eine gewisse emotionale Bindung an den Arbeitgeber als größte Vorteile.

In der Start-Up-Szene werden Aktienpakete an früh einsteigende Mitarbeiter ausgegeben, da die Cash-Situation der jungen Unternehmen zu Beginn ihrer Tätigkeit meist noch zu schwach ist. Von den Millionenbeträgen im Silicon Valley, die man bei Verkauf des Unternehmens erzielen kann, sind die österreichischen Verhältnisse jedoch weit entfernt. Für viele Mitarbeiterinnen in Start-Ups ist daher die Arbeit im aufstrebenden Unternehmen statt im etablierten Konzern eher eine Frage des Lifestyles als eines hohen Einkommens.

GbH-Anteile

GmbH-Anteile sind nur selten zu finden, da sie rechtlich schwer zu konstruieren sind und erhebliche offene Fragen erzeugen, wenn man die Anteile wieder verkaufen möchte. Angefangen von der finanziellen Bewertung der Anteile über rechtliche Hürden, wie etwa die notwendige Eintragung ins Firmenbuch, bis hin zur Frage eines möglichen Käufers sprechen massive rechtliche und faktische Probleme gegen diese Konstruktion. Wenn sich alle Parteien gut verstehen, bietet dieses Modell eine langfristig gute und sichere Grundlage. Sobald Streitigkeiten auftreten, entstehen bei einer GmbH-Beteiligung beinahe unlösbare Probleme.

Erfolgsbeteiligung versus KapitalbeteiligungStock Options

Stock Options und ähnliche Konstruktionen sind als Long Term Incentives (LTI) vor allem für Vorstände ein beliebtes Instrument, um das langfristige Commitment des Managements sicherzustellen. Anders als etwa in den USA ist es jedoch in Österreich unüblich, dass auch Spezialisten in den Genuss von Stock Options kommen. Selbst beim oberen Management unterhalb des Vorstands sind Stock Options nur in der Hälfte der Unternehmen verbreitet. Bei entsprechender Entwicklung des Börsenkurses können diese Beteiligungen auch finanziell interessant sein. In Europa erzielen die Topverdienerinnen einen sechs- bis siebenstelligen Betrag mit Stock Options. In den USA können die CEOs der größten Konzerne selbst zwei- bis dreistellige Millionenbeträge damit verdienen.

Fazit: Erfolgsbeteiligung versus Kapitalbeteiligung

In der Praxis entscheiden sich die meisten Unternehmen für eine einfache, flexible und unbürokratische Variante der Mitarbeiterbeteiligung. Eine Erfolgsbeteiligung am Jahresgewinn des Unternehmens lässt sich auch in Kleinstunternehmen leicht umsetzen. Schließlich soll das gewählte Modell allen Beteiligten Freude machen, die Erfolge der Vergangenheit gemeinsam zu feiern und miteinander fair zu teilen

Dr. Conrad Pramböck | Teil unseres fixen Autoren-Teams

Dr. Conrad Pramböck ist CEO bei Upstyle Consulting und Experte für Gehalts- und Karrierefragen. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Compensation und Human Resource Management. Er ist Autor mehrerer Bücher über Gehalt und Karriere, unter anderem des Bestsellers "Die Kunst der Gehaltsverhandlung".

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