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Krisenjahre | Times are changing

Krisenjahre

Noch sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Krise nicht vorbei, erleben wir seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise bereits die nächsten Verwerfungen auf den internationalen Märkten.

Explodierende Inflationsraten, drohende Energieknappheit und damit verbunden die Sorge, im kommenden Winter in kalten Häusern und Wohnungen sitzen zu müssen – mit diesen Negativ-Schlagzeilen werden wir seit Monaten quer durch die Medienlandschaft beschallt.

Solche Entwicklungen sind gefährlich, denn sie haben das Potential für große Wirtschaftseinbrüche. Und damit auch für gravierende Veränderungen in der Gesellschaft.

Wohin wird die Reise gehen?

Eine eigenartige Stimmung liegt in der Luft. Man hat das Gefühl, alle warten darauf, was nun in den nächsten Monaten passieren wird. „Es ist, wie wenn wir wüssten, dass demnächst die Erde beben wird. Aber wir wissen nicht, wann genau und wie stark. Und wir wissen auch nicht, ob es dann besser ist, drinnen oder draußen zu sein.“ Mit diesem Bildnis hat ein sehr geschätzter Berater-Kollege dieses Gefühl der Ungewissheit ausgedrückt.

Nach Jahren im permanentem Krisenmodus sehnen sich viele wieder nach Orientierung und Stabilität. „Ein planbares Leben so wie früher“ steht vielfach als Wunsch hinter dieser Sehnsucht. Aber gleichzeitig setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass sich unser Leben gerade grundlegend und für immer verändert. Wir wissen, dass es anders wird, aber wir wissen nicht, wohin uns diese Reise führen wird.

Wenn es nach unseren Politikern und den Medien geht, wird es kein Wohlfühl-Erlebnis werden. Wohlstandsverlust und andere Negativ-Szenarien beherrschen die öffentlichen Diskussionen. Kein Wort der Zuversicht, keine Vorwärts-Strategien, bestenfalls Durchhalte-Parolen á la „Zähne zusammenbeißen“. Seit Monaten werden wir auf harte Zeiten eingeschworen. Kein Wunder, dass sich zunehmend ein Klima der Unsicherheit und Sorge unter den Menschen breit macht.

Hilfreich ist das nicht. Im Gegenteil: Je schlechter die Stimmung, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Die alten Systeme funktionieren nicht mehr

„The times they are a-changin‘.“ In seinem Welthit aus dem Jahr 1964 reflektiert Bob Dylan die sich ändernde Welt Jugendlicher, die weder Lehrer noch Eltern zu verstehen im Stande sind. Dieser Song wurde damit zum Inbegriff einer Zeit, in der die junge Generation begann, die bisherigen Systeme und Werthaltungen in Frage zu stellen. Unter dem Hintergrund des Vietnam-Krieges kam es in der Folge zu massiven Protestbewegungen, die in den sozialen Revolten der späten 60er-Jahre gipfelten. Und die die Welt veränderten.

Dieses Lied beinhaltet unter anderem folgende Textzeile „…die bisherige Ordnung löst sich rasch auf….“ und beschreibt damit vielleicht auch unser aktuelles Lebensgefühl. Gut möglich, dass wir nun wieder vor einer Zeitenwende stehen. Dieses Mal ausgelöst durch COVID19 und den Ukraine-Konflikt. Diese Ereignisse sind zum Katalysator geworden. Denn wie immer in Krisenzeiten, wird dann besonders gut sichtbar, was noch gut funktioniert und welche Systeme eigentlich schon innerlich erodiert sind. Stück für Stück bröckelt gerade der Lack von den langjährig gepflegten Fassaden ab.

Bildung-, Pflege- und Gesundheitssysteme – diese Baustellen waren schon lange vor Corona bekannt. Dazu kommt ein globalisiertes Wirtschaftssystem, dessen Fragilität und Anfälligkeit uns gerade vor Augen geführt wird. Und auch die Lösungsansätze der Politik scheinen nicht mehr zu funktionieren. Permanente Ausfallszahlungen und Gutscheinaktionen mögen kurzfristig Linderung bringen.  Wenn allerdings durch dieses Helikoptergeld der Euro zunehmend an Wert verliert, richten diese Hilfsmaßnahmen langfristig mehr Schaden an, als sie Nutzen stiften.

Eine lange Ära der Scheinsicherheit geht zu Ende

Wir sollten uns daher möglichst schnell vom Irrglauben verabschieden, dass der Staat für jedes Problem eine Lösung hat. Viel zu lange wurden wir mit dieser Scheinsicherheit bespielt. Aber wir waren auch ein dankbares Publikum. Denn diese Botschaften haben wir gerne gehört: Wachstum ohne Ende, eine Medizin, die alles heilt, Sozialsysteme, die jeden auffangen. Kurz gesagt, niemand muss Not leiden und allen geht es gut. Wer will das nicht?

Dass es schon seit Jahrzehnten knirscht im Wirtschafts-Gebälk, weil auch das Wachstum in der Natur nicht unendlich ist – diese Logik haben wir verdrängt. Schlimmer – wir haben wider besseren Wissens versucht, die Konsumspirale mittels immer neuer Schulden ins Unendliche zu steigern. Und damit die Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Die COVID-19 Krise und der Ukraine-Konflikt zeigen uns nun die Grenzen dieses Handelns auf.

Der Umgang mit Unsicherheit wird in den kommenden Jahren der bestimmende Faktor in unserem Leben sein. Diese Fähigkeit kann man sich aber nur aneignen, wenn man unsichere Zeiten auch erlebt. Angststeuerung von außen wird uns dabei nicht weiterbringen, sondern nur zögerlich, unselbstständig und letztendlich abhängig machen.

Mut, Zuversicht, Vertrauen in die eigenen Stärken und vor allem das Lernen aus Fehlern werden uns helfen, auch neue und unbekannte Situationen zu meistern. Aber der erste Schritt, den es in Krisenzeiten immer braucht, ist die Akzeptanz, dass sich die Dinge nun ändern werden.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.“
(Mahatma Ghandi)

Harald Schmid | Teil unseres fixen Autoren-Teams

Mag. Harald Schmid ist Berater und hat sich auf firmeninterne schwierige Situationen wie Konflikt- und Trennungsmanagement, Personalkostenoptimierung und Outplacement spezialisiert. Er kann dabei auf seine langjährige Erfahrung als Personalleiter in namhaften Unternehmen zurückgreifen. Seit 2012 agiert er mit seinem Unternehmen klaglos.at erfolgreich am Markt.

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