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Wollen vor Können | Raus aus dem Fachkräftemangel (Österreich im Bereich IT)

Fachkräftemangel Österreich

Interview

Interview-Partner

Alexander Hochmeier, Vice President IT und Security der FACC AG (Aerospace-Industrie, tätig in Design, Entwicklung und Fertigung von fortschrittlichen Komponenten und Systemen) und Top CIO des Jahres 2023 nutzte die Krise als Chance für echte Transformation mit starkem Fokus auf die Erneuerung der IT-Strategie und innovative HR- und Leadership-Ansätze. Als Male Ally und WOMENinICT Botschafterin setzt er sich für Themen wie Diversity, Equity, Inclusion und Women in Tech ein und kümmert sich als People Manager mit Vorliebe um Menschen und deren Bedürfnisse.

Alexander Hochmeier, Fachkräftemangel Österreich

Bitte beschreibe kurz dein Projekt zum Fachkräftemangel Österreich in der IT

In der IT & Security-Branche sind wir schon lange mit dem Fachkräftemangel konfrontiert. Daher ist es für mich zur Normalität geworden, unkonventionelle Wege zu gehen. Diese Herangehensweise war und ist auch bei der FACC AG von Vorteil. Denn auch hier standen wir vor der Herausforderung, wie wir die Abwanderung verhindern und neue Crew-Mitglieder gewinnen können, die angeblich nicht existieren.

Ein zentraler Ansatz: Forcieren des Quereinsteigertums

Welche Rolle spielst du in diesem Projekt?

Ich sehe mich als Navigator, Ermöglicher und Antreiber.

  • Als Navigator gebe ich die Richtung vor und halte oder korrigiere, wenn nötig, den Kurs.
  • Als Ermöglicher schaffe ich optimale Bedingungen für meine Crew.
  • Als Antreiber halte ich den Schwung aufrecht und fördere kontinuierliche Verbesserung.

Wie war die Ausgangssituation (vor Projektstart)

Ich stieß im Herbst 2019 zur FACC AG, um die digitale Transformation einzuleiten und im Team umzusetzen. Doch dann kam Corona und traf die Luftfahrtbranche und die FACC AG schwer, was zu einem Rückgang der Umsätze und zum Abbau von Arbeitsplätzen führte.

Trotzdem der Blick nach vorne – strategische Projekte wie die Expansion nach Kroatien blieben auf der Agenda. Aber woher die notwendigen zusätzlichen Crew-Mitglieder nehmen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und Projekte wie die Expansion zu ermöglichen?

Erzähl mir vom Projekt an sich.

Auch ohne Corona und Co war es fast ein Ding der Unmöglichkeit IT & Security Fachkräfte zu finden und zu halten. Manche Fachkräfte haben wir auf grund des Fachkräftemangels in Österreich Monate oder sogar Jahre lang erfolglos gesucht. Diesen War for Talents zu gewinnen, erschien als tatsächliche Mission Impossible.

Die Konsequenz: Geben wir doch Menschen eine Chance, die sich glaubhaft umorientieren wollen und den Einstieg in die IT & Security als Zukunftsbranche wagen möchten. Wir will, der kann. Um das Können kümmern wir uns gemeinsam. „Wollen vor Können“ wurde somit einer unserer neuen Leitsätze im IT & Security Recruiting.

Worin lagen besondere Hindernisse?

Einerseits gab es Vorbehalte: „Ach geh, das kann doch in der IT nicht funktionieren. Was sollen wir denn bitte mit Umsteigern, Quereinsteigern und Greenhorns in der IT anfangen? In der IT brauchen wir erfahrene MINT-Menschen!” Ja, sicher, die brauchen wir auch und ohne unsere erfahrenen IT-Profis würde es nicht gehen. Aber die IT & Security-Branche bietet so viele unterschiedliche Chancen und Perspektiven.

Andererseits sind Skaleneffekte schwer realisierbar: Nein, es gibt kein Kochrezept, um aus Quereinsteigern oder Umsteigern IT-Profis zu machen. Also viel Glück bei der Suche nach dem Rezept dafür! Ich hätte es auch gerne. Aber ich bin ziemlich sicher, wenn du es ernst meinst, wirst du am Ende bei einer individuellen Lösung landen. Und das ist der wahre Weg zum Erfolg!

Was war erfolgsentscheidend? Weshalb hat es besonders gut funktioniert?

Das Umdenken ist der Wendepunkt – IT ist nicht nur MINT. Viele in der IT haben folgenden Job: Sie kommunizieren mit der „realen Welt”, also den Fachbereichen und Geschäftspartnern, um Probleme zu verstehen und für die “Digitalcrew in der Matrix”, unsere IT-Profis, zu übersetzen. Und ja, ein bisschen Kochrezept gibt es schon. Ein Fundament für gewisse Rollen kann man definieren, das für alle als gute Basis dienen kann – vom ITIL Foundation Kurs als gemeinsame IT-Sprache, bis zum Projektmanagement-Training. Aber am Ende muss man individuell schauen: Wer bist du? Was bringst du mit? Wohin wollen wir uns gemeinsam entwickeln? Dann legen wir gemeinsam die Flugroute fest.

Was war zusätzlich hilfreich gegen deinen IT-Fachkräftemangel?

Absolut hilfreich ist es, Role Models aufzubauen und SICHTBAR zu machen. Das macht dann auch anderen Mut. Es ist wichtig zu betonen und aufzuzeigen, dass diese “Nicht-Experten” eine Bereicherung für IT-Abteilungen sind.  Ihre Perspektiven und Erfahrungen aus den Jobs, aus denen sie kommen, erhöhen das Verständnis der IT für eben genau diese Fachbereiche und führen in Zusammenarbeit mit den IT-Profis zu mehr Effektivität.

Was würden Sie das nächste Mal anders machen?

In meinem nächsten Leben werde ich Gärtner, ich, ganz allein, umgeben von der Ruhe der Natur, weit weg von IT, Security und Fachkräftemangel… Scherz beiseite: Ich würde zuerst das interne Umsteigertum fördern. Menschen, die das Unternehmen bereits kennen, sind einfacher anzusprechen und zu überzeugen. Diese Role Models können dann helfen, externe Menschen für einen Quereinstieg zu gewinnen. Die Botschaft ist glaubwürdiger, wenn sie von jemandem kommt, der diesen Weg bereits gegangen ist.

Worauf sind Sie besonders stolz in Ihrem Projekt zum Fachkräftemangel Österreich?

Unser Projekt hat sich (beinahe) zum Selbstläufer entwickelt. Bis Ende Oktober 2023 bestand unsere IT & Security Crew zu 46,8% aus Einsteigern, Quereinsteigern und internen Umsteigern. Diese Mischung, gemeinsam mit unseren erfahrenen IT-Profis – die das Knowhow aufbauen, die Integration der neuen Leute ermöglichen und die Stützen unserer IT-Crew sind – fördert Innovation. Die Vielfalt an Persönlichkeiten und Fähigkeiten in unserem Team ist ein Treiber für Fortschritt und Wachstum.

All diese Erfolge wären ohne das Engagement meiner gesamten Crew nicht möglich gewesen. Eine große Stütze dabei sind im Speziellen meine Führungskräfte, ohne die das nicht gelungen wäre.

Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte sie komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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