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Arbeitswelt in 10 Jahren | Wichtige Führungs-Kompetenzen in 2033

05Sep2023
4 min
Führungkräfteentwicklung

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

In einem Experten-Interview sehen wir uns an: wie sieht die Arbeitswelt 2033 aus, welche Führungs-Kompetenzen werden dann entscheidend sein und wie soll sich PE bereits jetzt darauf vorbereiten?

Diese kleine Interview-Serie beschäftigt sich mit der „Arbeitswelt in 10 Jahren“ und fokussiert:

  • Die Art der Zusammenarbeit
  • Teams – ihre Zusammensetzung, Kommunikation, Interaktion
  • Führungskräfte & notwendige Fähigkeiten
  • Lehrlinge & Jugendliche und ihre Entwicklung.

In jedem dieser Schwerpunkte frage ich: Welche Konsequenzen soll Personalentwicklung folglich bereits jetzt daraus ableiten?

Führungskompetenz, Führungskräfteentwicklung

Links der HR-Branche Führungskräfte-Entwicklung & Führungs-Kompetenz

Welche Fähigkeiten werden Führungskräfte besonders brauchen?

Welche Konsequenzen soll PE daher jetzt bereits daraus ableiten?

Christoph Monschein (Edenred Austria): Vertrauen und Flexibilität im Miteinander wird immer wichtiger. Führung funktioniert heute nicht mehr als Einbahnstraße mit Anweisung von oben und Ausführung durch unten. Junge Generationen entwickeln vor allem dann Akzeptanz gegenüber Führungskräften, wenn diese durch Vorbildwirkung statt Kontrolle überzeugen und Mitarbeitende auf Augenhöhe und mit Fairness begegnen. Darüber hinaus wird es wichtiger, leistungsorientierte Aufgaben zu definieren, und zwar unabhängig von Zeit und Ort. Auch Empathie ist eine geschätzte Eigenschaft von Führungskräften. Es geht also immer stärker vor allem um Soft Skills. Diese müssen mitunter fokussiert geschult werden.

Mag. (FH) Michaela Kreitmayer (Hernstein Institut): Führungskräfte werden künftig folgende Fähigkeiten verstärkt brauchen:

  • Flexibilität, um proaktiv mit sich verändernden Situationen umzugehen.
  • Steuern in Veränderungsprozessen: Führungskräfte müssen tendenziell immer mehr Veränderungen gut managen können. Weiterbildung zu Change Agents wird daher wichtiger.
  • Zuhören und Begleiten: Ängste, Ärger und Widerstände gehören zu Veränderungsprozessen dazu. Um eine größtmögliche Veränderungsbereitschaft zu unterstützen, braucht es geeignete Räume, um mit den Emotionen zu arbeiten.
  • Vorbildfunktion wird immer wichtiger: Gerade in Change Prozessen, aber auch im daily business orientieren sich die Mitarbeitenden an ihrer Führungskraft. Taten zählen hier mehr als gesprochene Worte, wobei auch Wörter Signalwirkung haben.
  • Orientierung geben: Im „Meer der verstärkten Möglichkeiten“ braucht es umso mehr die Orientierung, in welche Richtung gegangen werden soll.
  • Eigenverantwortung stärken: Innerhalb eines gesetzten Rahmens sollen Mitarbeitende unterstützt werden, damit alle ihren Teil der Verantwortung gut leben können.

Mag. Peter Wiltsche, MA (il Aus- und Weiterbildung): Künstliche Intelligenzen können uns mittlerweile in Sekundenschnelle Fragen beantworten. Mit Virtual Reality lassen sich Arbeitssituationen originalgetreu simulieren, die davor Werkstätten und Schulungsaufwand gebraucht hätten. Es sind also weder Wissen noch Hard Skills, die exzellente Führungskräfte in Zukunft auszeichnen werden. Vielmehr sind es zwischenmenschliche Fähigkeiten und Coaching Skills.

Sie sollten über Empathie und soziale Kompetenz verfügen, um die Bedürfnisse Mitarbeitenden zu verstehen – unabhängig davon, ob diese aus der Gen Y, Z oder Alpha kommen – und individuell darauf eingehen zu können. Denn die Bedürfnisse sind grundlegend anders.

Ein weiterer Aspekt wird es sein, Resilienz an den Tag zu legen, um auf die immer schneller werdenden Veränderungen gezielt und mit kühlem Kopf reagieren zu können. Wer seine (Nachwuchs-)Führungskräfte bereits jetzt darauf vorbereiten möchte, sollte diesen die Möglichkeit zu Coaching und Mentoring sowie entsprechende Ausbildungen zur Verfügung stellen, um die Förderung persönlicher Stressbewältigungsstrategien zu fördern.

Veronika Aumaier MAS, MSc (Aumaier Consulting Training): Führungskräfte werden punkto Zielsetzungen, Planung und Ergebniskontrolle von KI unterstützt werden. Sie müssen remote Führen beherrschen und die Beziehungen halten und gestalten können. Sie werden zum Coach ihrer Teammitglieder und vor allem in 1:1 unterstützen. Coaching skills werden die Grundlage der Führungskompetenz bilden, da sie die erforderlichen Kommunikationsfähigkeiten vermitteln, die es zur Führung diverser, hybrider Teams braucht. PE sollte unmittelbar beginnen, ihre Führungskräfte dahingehend zu qualifizieren.

Mario Derntl, BA MBA (zukunft.lehre.österreich): Führungskräfte, die nicht nur „leiten“, sondern auch als Vorbild und Mentor auftreten, sind gefragt. Kommunikation und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden sind das A und O.

Mag. Marina Begic (MDI): Ein kurzes Gedankenexperiment: „Denken Sie kurz an die 3 Führungskräfte mit denen Sie am meisten zu tun haben. Unabhängig davon, ob Sie diese gut finden oder nicht. Bei wie vielen von ihnen können Sie bestätigen, dass diese optimal die bestehenden Ressourcen (also Prozesse, Systeme, Tools, Mitarbeitende, den Markt etc.) einsetzen und zugleich laufend auf der Suche nach neuen Technologien, Ideen, Märkten, Möglichkeiten, Entwicklungen sind?
3 von 3 – dann Gratulation, dann sollte PE genau den gleichen Zaubertrank bei allen Führungskräften anwenden.
Falls Sie das bei niemandem oder wenigen bestätigen können, dann empfehle ich auch weiterhin an der Erreichung der viel zitierten Ambidextrie von Michael L. Tushman zu arbeiten. Diese wird auch in 10 Jahren die Zauberformel sein, also die Fähigkeit, beidhändig zu führen. Das meint nicht nur die organisatorische Ebene im Bereich von auferlegten Kennzahlen, sondern auch im Daily Business, also auch zu wissen wie viel Freiraum, Unterstützung und welche Art der Führung welches Teammitglied wann braucht. Klingt anstrengend, ist es auch. Die Fähigkeit zur Beidhändigkeit sollte für die PE also ein MUSS-Kriterium in der Führungskräfteentwicklung sein.  

Die Interview-Partner

Arbeitswelt-Trend | Führungs-Kompetenzen in 2033

Mario Derntl, BA MBA

  • Geschäftsführer
  • zukunft.lehre.österreich.
Mario Derntl, Zukunft Lehre

Christoph Monschein

Christoph Monschein, Edenred, Stellenausschreibung, Stellenanzeigen

Mag. (FH) Michaela Kreitmayer

Michaela Kreitmayer, Hernstein, hybrides Arbeiten

Mag. Marina Begic

Marina Begic

Veronika Aumaier MAS, MSc

Veronika Aumaier

Mag. Peter Wiltsche, MA

  • Business Development, Coaching & Training
  • il Aus- und Weiterbildung GmbH
Peter Wiltsche, iL Lehrlingstraining