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Sprachenvielfalt

Wie gehen Sie mit Sprachen in Ihrem Unternehmen um? Wissen Sie, wie viele Sprachen in Ihrem Unternehmen gesprochen werden? Ist Englisch Unternehmenssprache? Welchen Stellenwert hat die Vielfalt im Deutschen? Viele Fragen zum Thema Sprachen im Unternehmen – ein Thema, das kulturelle Sensibilität erfordert.

Autorin: Dr. Karin Schreiner ist interkulturelle Consultant und Coach (www.iknet.at)

Im Folgenden werden zentrale Themen rund um die Sprachenvielfalt in Unternehmen besprochen und einige Details aufgezeigt:

INHALT

Ein Fallbeispiel zur Sprachenvielfalt

Katie S. ist überglücklich: Sie hat ihren Traumjob in einem sehr anerkannten internationalen Unternehmen in Österreich bekommen. Neben ihrem zweiten Studium, da ihr erstes, das sie in ihrem Heimatland absolviert hat, in Österreich nicht anerkannt wurde, hat sie intensiv Deutsch gelernt. Ohne ihre sehr guten Deutschkenntnisse hätte sie den Job nicht bekommen – obwohl die Unternehmenssprache Englisch ist, wie betont wurde.

Die ersten informellen Meetings in ihrer Abteilung waren ernüchternd: von Englisch keine Rede, und das Deutsch, das gesprochen wurde, erkannte sie nicht, denn es war Tiroler Dialekt. Sie fühlte sich furchtbar, war sie doch sicher, dass sie sprachlich keine Probleme haben würde.

So wie Katie geht es zahlreichen ausländischen Mitarbeitenden in Österreich, die sich glücklich schätzen, hier einen vielversprechenden Job bekommen zu haben.

Englisch als Unternehmenssprache

Zahlreiche internationale Unternehmen in Österreich haben längst Englisch als Unternehmenssprache eingeführt und mittlerweile auch sämtliche Unterlagen, Formulare, Leitlinien und Newsletter usw. übersetzt. Für ausländische Mitarbeitende sind diese Maßnahmen ein großer Vorteil.

Für inländische Mitarbeitende kann diese Unternehmensentscheidung zwiespältig sein. In der Fremdsprache sind die Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt, auch wenn diese auf einem guten Niveau gesprochen wird. In informellen Meetings switcht man deshalb gern in die Muttersprache, wenn die Mehrheit Deutsch sprachig ist. Findet sich jedoch niemand in der Runde, der oder die die kulturelle Brücke bildet und das Gespräch den wenigen nicht Deutsch Sprechenden übersetzt, entsteht eine Schieflage und das Gefühl des Ausgeschossen-Werdens. Man dachte ja, die Unternehmenssprache sei Englisch.

Unternehmenssprache Englisch kann ein Fluch oder Segen sein. Alle Mitarbeitenden auf ein Niveau zu bringen, ist ein umfangreiches Unterfangen. Von allen Deutsch Sprechenden die nötige kulturelle Sensibilität zu verlangen, auf die nicht Deutsch Sprechenden Rücksicht zu nehmen, ist fast unmöglich. Dennoch lohnt es sich, interkulturelle Sensibilität und Kommunikationskompetenz zu fördern.

Deutsch ist nicht gleich Deutsch

Deutsches Deutsch, österreichisches Deutsch und die Vielfalt an Dialekten

Die Vielfalt in der deutschen Sprache ist bekannt. Viele Deutsche arbeiten in Österreich und müssen sich an ein anderes Deutsch gewöhnen: anderer Kommunikationsstil, andere Vokabel, andere Redewendungen, andere Verwendung der Zeiten und Präpositionen.

Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen Deutsch-Deutsch und österreichischem Deutsch, die viel zum Amüsement in Teams und Abteilungen beitragen. Es ist gut, wenn der Humor überwiegt und die möglicherweise direktere deutsche Ausdrucksweise nicht falsch verstanden wird und zu einer patzigen Reaktion bis zu passivem Widerstand von Seiten österreichischer Mitarbeitender führen kann. Interkulturelle Kommunikationskompetenz wäre in diesem Kontext sehr gefragt.

Darüber hinaus sind in Österreich Dialekte regional stark vertreten und werden mit Freude und Stolz gesprochen. In einem internationalen Arbeitsumfeld jedoch kann es vorkommen, dass die internationalen Kolleginnen oder Kollegen ratlos danebenstehen. Auch wenn sie noch so gut Deutsch sprechen – Dialektausdrücke waren in ihren Deutschkursen nicht auf dem Programm.

Idealerweise finden sich ein paar Personen, denen das auffällt und die dann übersetzen. Noch besser wäre es, darauf zu achten, in Anwesenheit internationaler Kollegen und Kolleginnen eher Hochdeutsch zu sprechen. Das schafft eine gute Atmosphäre und zeugt von interkultureller Sensibilität.

Eine Lösung wäre auch, Dialektkurse anzubieten. In einigen Bundeländern punktuell bereits im Angebot (siehe Quellen).

Die Sprachkenntnisse der Mitarbeitenden

Die Internationalisierung von Unternehmen erhöht auch die Sprachenvielfalt im Unternehmen. Häufig ist gar nicht bekannt, wie viele Sprachen von Mitarbeitenden gesprochen werden. Allein die nationale Herkunft sagt nichts aus, werden noch in einigen Ländern in Familien mehrere Sprachen gesprochen, wie in Grenzgebieten in Ungarn, Serbien, der Slowakei, Österreich oder in Ländern wie Indien oder zahlreichen afrikanischen Ländern, um nur einige wenige zu nennen.

Mehrsprachigkeit ist eine Ressource, die häufig unterschätzt wird. Sie fördert generell die Denkleistung. Darüber hinaus wird nicht nur zwischen Sprachen hin und her geswitcht, sondern auch zwischen kulturellen Systemen. Kulturelle Codes werden spielerisch angewandt, verstanden, übersetzt. Aus interkultureller Perspektive würde es sich lohnen, dieser Ressource mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zumindest mit Anerkennung für die interkulturelle Kompetenz, die meistens mit Mehrsprachigkeit einhergeht.

Quellen

Sprachenvielfalt in Unternehmen

Dr. Karin Schreiner, MA | Teil unseres fixen Autoren-Teams

Dr. Karin Schreiner ist interkulturelle Trainerin und Coach für interkulturelles Management. Sie ist Ihre Ansprechpartnerin für kulturspezifische Trainings zu Indien, China, Japan, Süd-Korea.

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