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HowTo: Fachartikel schreiben in 8 Schritten & 10 Tipps

25Feb2026
8 min
Fachartikel schreiben

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Fachartikel zu veröffentlichen ist eine kluge Strategie, um Expertise oder ein Produkt sichtbar zu machen. Es ist keine Hexerei, man muss nur wissen, wie.

Schreiben, um zu überzeugen. Nicht um zu verkaufen

Nehmen wir an, Sie verfügen über Fachwissen und möchten mit dieser Kompetenz am Markt sichtbar werden. Vielleicht soll ein Produkt bekannter werden oder ein neues Service endlich wirtschaftlich greifen. Vielleicht möchten Sie schlicht als Expertin oder Experte wahrgenommen werden.

Fachwissen und Produktwissen können Reputation aufbauen. Ein Beitrag im eigenen Blog, auf einer Branchenplattform oder in einem Fachmedium wie HRweb wirkt anders als jede Werbeanzeige. Er baut Wahrnehmung subtil auf.

Wichtig ist, dass weder ein getarnter Werbetext entsteht oder ein LinkedIn-Posting mit viel Meinung und wenig Struktur. Beides hat seine Berechtigung. Beides ist jedoch kein Fachartikel.

Der Zweck Ihres Artikels

Selbstverständlich darf ein Fachartikel eigentlich einem Zweck dienen. Natürlich darf das Ziel auch Marketing sein. Nur: Man sollte es dem Text nicht anmerken. Leser erkennen Eigenwerbung sofort und verlieren Vertrauen. Ein Fachartikel erwartet Analyse, Argumente, Hintergründe und Struktur.

Die gute Nachricht: Das ist keine Frage von Talent. Es ist eine Frage von Handwerk. Und Handwerk ist erlernbar.

8-Schritte-Fahrplan

Bei HRweb erleben wir regelmäßig, wie schwer es ist, Expertenwissen in klare Fachbeiträge zu übersetzen. Deshalb haben wir einen praxistauglichen Fahrplan entwickelt.

1. Das Thema: das ist der strategische Ausgangspunkt.

Bevor Sie schreiben, klären Sie Ihre Rolle. Das erreichen Sie nicht, indem Sie Ihr Produkt beschreiben. Sondern indem Sie ein Problem Ihrer Zielgruppe besser analysieren als andere.

    • Die Leitfrage lautet daher nicht: „Was möchte ich über meine Dienstleistung sagen?“
    • Sondern: „Welches konkrete Entscheidungsproblem meiner Zielgruppe kann ich fachlich lösen?“

Beispiele:

    • Eine HR-Software-Anbieterin könnte analysieren, weshalb Digitalisierungsprojekte im Personalbereich häufig an unklaren Zieldefinitionen scheitern.
    • Ein Business-Coach könnte untersuchen, unter welchen strukturellen Bedingungen Coaching tatsächlich wirksam ist und wann es nur ein Symptommanagement bleibt.
    • Eine Personalberatung könnte beleuchten, weshalb Cultural Fit in Auswahlprozessen systematisch überschätzt oder unterschätzt wird.

Viele Fachartikel scheitern an Überambition. Zu viele Aspekte, zu viele Nebenstränge, zu viele Details. Ein Artikel braucht eine zentrale These. Formulieren Sie Ihre Kernbotschaft in einem einzigen prägnanten Satz. Wenn Sie diesen Satz nicht klar formulieren können, ist Ihr Thema noch zu unscharf.

Dieser erste Schritt endet in: Ihrem Thema.

2. Position beziehen, ohne Verkaufsrhetorik

Ein Fachartikel darf Position beziehen. Sie dürfen benennen, was aus Ihrer fachlichen Sicht überschätzt, unterschätzt oder missverstanden wird.

Was Sie nicht tun sollten: Ihre eigene Lösung als logische Konsequenz präsentieren. Die Glaubwürdigkeit entsteht durch die Qualität Ihrer Analyse, nicht durch implizite Calls-to-Action.

Wenn Leser am Ende erkennen, dass Sie komplexe Zusammenhänge strukturiert denken können, entsteht Interesse von selbst.

Passen Sie die Sprache an Ihre Zielgruppe an. Im Fall von HRweb sind es beispielsweise erfahrene HR-Manager. Diese Menschen brauchen keine Basics, aber sie schätzen Klarheit. Das bedeutet präzise Sätze, keine unnötigen Fachjargon-Kaskaden, klare Zwischenüberschriften zur optischen Strukturierung, konkrete Beispiele aus der Praxis.

3. Die Rohversion: Schreiben Sie zuerst roh und strukturieren Sie danach

Erwarten Sie nicht, dass Ihr erster Entwurf der fertige Artikel werden soll. Besser:

    1. Schreiben Sie Ihre Gedanken zunächst unzensiert nieder.
    2. Sortieren Sie anschließend in Cluster, diese könnten schon die Überschriften darstellen.
    3. Streichen Sie konsequent Wiederholungen und Nebenstränge.
    4. Schreiben Sie zuerst den Hauptteil, fügen sie danach das Fazit und den Einleitungs-Satz hinzu. Der Titel ist meist der letzte Punkt.

In diesem Leitfaden bleiben wir bei der Lese-Reihenfolge: Titel – Einleitung – Hauptteil – Fazit. Auch wenn der Text in der Praxis in anderer Reihenfolge entsteht (wie soeben gesagt).

Seien Sie sich bewusst, dass ein Großteil des Entwurfs nicht Teil des fertigen Artikels sein wird. Vieles wird umformuliert, gestrichen, erweitert. Dennoch: schreiben Sie lieber mehr auf, sodass Sie davon auswählen können. 

⇒ Jetzt wird es konkret:

4. Der Titel: Klarheit schlägt jede Kreativität

Ein Fachartikel beginnt mit einem Titel, der aussagt, worüber der Artikel handelt.

Er soll drei Kriterien erfüllen:

    • Er benennt das Thema konkret.
    • Er deutet einen Erkenntnisgewinn an.
    • Er ist sprachlich präzise.

Beispiel:

    • „Weshalb HR-Digitalisierung häufig an Entscheidungsstrukturen scheitert“
    • „Coaching im Unternehmen | Zwischen wirksamer Intervention und teurer Illusion“

Wenn Leser bereits im Titel erkennen, welches Problem behandelt wird, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Artikel gelesen wird.

Denken Sie daran: Oft sehen Leser nur den Titel: in der Google-Liste, auf der Startseite eines Online-Magazins oder in der Blogübersicht. Er muss klar sein und neugierig genug machen, um geklickt zu werden.

5. Der Einstieg: Aufmerksamkeit ohne Allgemeinplätze

Der erste Absatz entscheidet über das Weiterlesen. Der 1. Absatz soll max. 3 Zeilen umfassen. Er ist kurz, klar und verständlich. Dieser Einstieg muss das Thema sofort sichtbar machen.

Vermeiden Sie generische Einleitungen wie „In Zeiten des Wandels …“ oder „Die Arbeitswelt verändert sich rasant …“. Solche Formulierungen sind so oft gehört, dass sie vom Weiterlesen abhalten. Wenn Ihr Artikel so beginnt, streichen Sie den 1. Absatz ersatzlos. Oder meist hilft es schon, die Absätze 1 und 2 zu tauschen.

Steigen Sie direkt ein in die Situation.

Zum Beispiel:

    • „HR-Software-Projekte scheitern in den seltensten Fällen an der Technologie an sich. Viel öfter ist es schlicht die Unklarheit darüber, welches Problem eigentlich gelöst werden soll.“
    • „Coaching wird in Unternehmen oft dort eingesetzt, wo strukturelle Führungsschwächen ungelöst bleiben.“

6. Das Problem präzisieren: Relevanz herstellen

Im nächsten Schritt beschreiben Sie differenziert die Ausgangssituation Ihrer Zielgruppe.

    • Welche Entscheidungen stehen typischerweise an?
    • Welche Zielkonflikte bestehen?
    • Wo entstehen Fehleinschätzungen?

Hier zeigen Sie, dass Sie die Realität von HR-Abteilungen verstehen. Beschreiben Sie Herausforderungen differenziert, ohne ins Alarmistische zu kippen.

Wichtig ist, aus der Perspektive der Zielgruppe zu schreiben.

    • Nicht: „Wir erleben in unseren Projekten häufig …“
    • Sondern: „Viele HR-Leitungen stehen vor der Herausforderung, zwischen kurzfristigem Umsetzungsdruck und langfristiger Organisationsentwicklung abzuwägen.“

Diese Perspektive schafft Nähe, ohne sofort werblich zu wirken.

7. Der Hauptteil: Analysieren, einordnen, strukturieren

Jetzt folgt der Kern Ihres Artikels. Strukturieren Sie diesen klar mit Zwischenüberschriften, die inhaltlich etwas aussagen.

Beispielsweise:

Strukturelle Ursachen statt technischer Symptome

Hier erzählen Sie, weshalb das beobachtete Problem nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie argumentieren, streuen vielleicht ein Studienergebnis ein, differenzieren.

Typische Denkfehler in Entscheidungsprozessen

In diesem Abschnitt können Sie Muster beschreiben, die Sie aus Ihrer Praxis kennen. Achten Sie darauf, diese als Beobachtungen oder typische Konstellationen zu kennzeichnen; nicht als universelle Wahrheit.

Was HR vor einer Entscheidung prüfen sollte

Hier bieten sich übersichtliche Elemente an, etwa eine kurze Liste mit Leitfragen:

      • Welches konkrete Problem soll gelöst werden?
      • Welche organisatorischen Rahmenbedingungen beeinflussen die Umsetzung?
      • Welche internen Kompetenzen sind vorhanden, welche fehlen?

Derartige Bulletpoints dienen der Übersichtlichkeit, nicht der Verkürzung. Der Hauptteil bleibt Fließtext. Jeder Abschnitt, der zwar interessant, aber nicht notwendig ist, wird gestrichen.

8. Das Fazit: Verdichtung mit Ausblick

Im Schlussabschnitt fassen Sie nicht einfach zusammen. Verdichten Sie, führen Sie Ihre Argumentation zu einem klaren Gedanken.

Beispielsweise:

„HR-Digitalisierung ist nicht nur ein abgegrenztes IT-Projekt, sondern eine Organisationsentscheidung. Fehlt diese Unterscheidung, ist die Investition zwar getätigt – aber ohne Wirkung.“

Ein solches Fazit hinterlässt einen klaren Standpunkt und lädt zum Weiterdenken ein.

10 praktische Hinweise

1. Verwenden Sie klare, präzise Sprache und streichen Sie aussagefreie Buzzwords. Verwenden Sie aktive Sprache (keine passive).

2. Überlegen Sie, ob sich das Thema als Case Study erzählen lässt, das verändert den Blickwinkel der Lesenden.

3. Zahlen und Studien erhöhen Glaubwürdigkeit – aber nur, wenn sie korrekt und nachvollziehbar sind.

4. Reduzieren Sie Ihr Thema auf ein Kernthema. Wenn Ihre Message zu sehr ausufert, überlegen Sie, ob Sie es nicht besser in mehrere Beiträge aufteilen.

5. Schreiben Sie mehr als EINEN Beitrag. Einer verpufft zu schnell in den Köpfen der Lesenden. Publizieren Sie mehrere, um mit dem Wiedererkennungseffekt zu spielen. Die Anzahl und Häufigkeit hängt stark ab vom Medium, Ihrem Thema und Ihrem Ziel.

6. Strukturieren Sie Ihren Hauptteil mit aussagekräftigen Zwischenüberschriften. Nutzen Sie Bulletpoints sparsam und gezielt zur Übersicht.

7. KI-Texte:
– KI kann beim Schreiben helfen, aber nur, wenn Sie den Text konsequent zu Ihrer Sprache machen.
– Vermeiden Sie klassische KI-Ausdrücke wie „Hand auf’s Herz“ oder „es ist nicht dies, sondern das“.
– Verwenden Sie Gedankenstriche sparsam. Seit KI sie inflationär nutzt, wirken sie schnell künstlich.

8. Lesen Sie den Text laut, bevor Sie ihn freigeben. Was sich sperrig liest, oder was Sie so nie sagen würden, muss geändert werden. Wenn Sie beim Lesen Stolpern, werden es auch die Leser tun. Durch das Laut-Lesen eliminieren Sie auch einige der verräterischen KI-Ausdrücke.

9. Künstlich hochgestochene Wörter wie „dies“ sollten vermieden werden. Niemand würde in einem Gespräch sagen „Dies versteht sich von selbst.“ Sobald Sie den Text laut lesen und es sich in Ihren Ohren falsch anfühlt, dann fühlt es sich auch für die Leserinnen falsch an.

10. Prüfen Sie, ob jeder Abschnitt wirklich zum Kernthema beiträgt und streichen Sie mindestens ein Drittel Ihres Erstentwurfs.

Do’s & Don’ts gegen Werbeton

So vermeiden Sie, dass es ein Werbetext für Sie / Ihr Produkt wird

Schreiben Sie über ein Thema. Das Thema sind weder Sie, noch Ihr Produkt / Service. Es ist ein Fachthema, eine Fragestellung die Ihren Kunden unter den Nägeln brennt, ein fiktives Szenario, Studienergebnisse, oder was auch immer. Ihr Fachartikel fokussiert dieses Thema. Und dadurch verschaffen Sie sich Glaubwürdigkeit. Sie schaffen Vertrauen. Und genau das ist es, was Sie von Ihren potenziellen Kunden benötigen.

Natürlich möchten Sie Werbung für XY machen. Doch wenn Sie einen Werbetext schreiben, brechen die Lesenden sofort ab.

Daher: erwähnen sie den Namen Ihres Produkts / Firma maximal EIN Mal. Im gesamten Text.

Der Ort, wo es werblicher werden darf ist in der Sektion „über den Gastautor“, wenn das zum Beitrag veröffentlicht wird. Auch dort schreiben Sie nicht „ich habe diese und jene Erfolge gefeiert“, sondern bleiben sie sachlich, Understatement ist besser als Prahlerei.

Wirken Sie durch Fachkompetenz.

Tipp am Rande

Fachartikel zu schreiben, liegt nicht jedem. Für meine Kundinnen und Kunden löse ich diese Herausforderung zB indem ich ein Interview mache: ich erstelle schriftliche Fragen und sie beantworten sie schriftlich. Denn auf eine Frage zu antworten ist viel weniger komplex, als einen ganzen Fachartikel zu ertüfteln.

Diesen Kunstkniff können Sie auch selbst machen, wenn Sie einen Fachartikel benötigen: schreiben Sie stattdessen einfach ein Interview. Nur muss klar sein, wer der Interviewer ist, wenn Sie die interviewte Person darstellen.

Fazit: Fachartikel sind strategische Positionierung in Textform

Fachartikel sind ein strategisches Instrument der Sichtbarkeit. Sofern sie richtig geschrieben sind.

Wer analytisch schreibt, strukturiert argumentiert und die Perspektive der Zielgruppe ernst nimmt, positioniert sich als kompetente Fachperson.

Und genau das unterscheidet einen Fachartikel von einem LinkedIn-Posting und einem werblichen Advertorial:  Ein Advertorial wirbt, ein Posting performt. Ein Fachartikel argumentiert.

HowTo: Fachartikel schreiben in 8 Schritten

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