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15 Humor im Coaching | Lachen den als Perspektivenwechsel

1Jan2026
5 min
Humor im Coaching

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Ein gemeinsames Lachen im Coaching verändert oft mehr als eine lange Analyse, wie wir in diesem Interview anhand vieler Praxisbeispiele erfahren.

Coaching bewegt sich häufig in Spannungsfeldern: zwischen Anspruch und Zweifel, zwischen Verantwortung und Überforderung. Gerade dort, wo Druck spürbar wird, entsteht eine Atmosphäre, die leicht eng werden kann. Leichtigkeit scheint auf den ersten Blick fehl am Platz – und doch entfaltet sie genau in solchen Momenten besondere Wirkung.

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Experten-Interview

Die magische Wirkung von Humor

Welche Rolle spielt Humor in Ihren Coachingprozessen – gerade bei ernsten Themen oder festgefahrenen Situationen?

Mag. Dagmar Grafeneder (Kick Off): Humor ist ein kraftvoller Türöffner. Über eine Situation zu lachen verändert zwar nicht unmittelbar das Problem, aber es verändert den eigenen inneren Zustand. Beim Lachen werden unter anderem Endorphine und Dopamin ausgeschüttet, Stresshormone wie Cortisol sinken, Muskelspannung reduziert sich. Dadurch entstehen mehr Zuversicht, Offenheit und Hoffnung. Menschen fühlen sich wieder handlungsfähiger und trauen sich eher neue Schritte zu. Humor schafft Distanz zum Problem und ermöglicht Perspektivenwechsel. Gerade in festgefahrenen Situationen löst ein gemeinsames Lachen emotionale Blockaden und macht Entwicklung wieder möglich.

Mag. Eva Rechberg (Systworks): Humor kann Spannung senken, Beziehung aufbauen bzw. stabilisieren und festgefahrene Situationen wieder auflockern. Gerade bei ernsten Themen hilft er, Distanz zum Problem zu schaffen, ohne Distanz zur Person zu erzeugen.
Am wirksamsten ist Humor, wenn das Gegenüber über die eigene Situation lachen kann. Dieses Lachen ist häufig ein Wendepunkt: Es zeigt Selbstbeobachtung statt Verstrickung – und damit mehr Freiheit und Handlungsspielraum.
All das hat Bedingungen:

    • Die Voraussetzung ist eine bereits tragfähige Beziehung und das richtige Timing.
    • Humor braucht Vertrauen, sonst wirkt er wie ein Übergriff.
    • Humor ist kulturell fragil: Was für die eine Person entlastend ist, fühlt sich für die nächste respektlos an.

Blicke in die Praxis

Haben Sie ein Beispiel, wo ein Perspektivwechsel durch einen humorvollen Moment mehr bewirkte als jede andere Methode?

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur):  Hab´ ich natürlich! So saß z.B. ein Geschwisterpaar bei mir, beide Ende vierzig/Anfang fünfzig, Begünstigte einer Familienstiftung. Der Vater verstorben, die Mutter führte die Stiftung weiter – und die beiden schimpften auf sie wie die Rohrspatzen. Nichts machte sie richtig, alles war unfassbar ungerecht. Jeder meiner Versuche, einen anderen Blickwinkel einzubringen, prallte ab. Die beiden waren fest im Opfer-Raunzer-Modus und bestärkten sich gegenseitig.
Irgendwann rutschte mir raus: „Wissen Sie, an wen Sie mich gerade erinnern? An Waldorf und Statler aus der Muppetshow – oben auf dem Balkon, alles und jeden runtermachend.“
Kurze Stille. Große Augen. Dann beginnt er zu lachen, dass ihm die Augen tränen, sie fällt – zum Glück – in sein Lachen ein. Und beide stellen fest: „Nein, so wollen wir auf keinen Fall sein, und eigentlich sind wir´s ja auch gar nicht.“
Das Lachen hat das Problem nicht gelöst. Aber es hat einen Perspektivwechsel ermöglicht – und von da an war konstruktives Arbeiten (wieder) möglich.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Ja. Eine Führungskraft kam mehrfach mit dem Gefühl „Ich muss immer alles kontrollieren, sonst läuft es schief“. Wir arbeiteten an Delegation, aber die Blockade blieb. In einer Sitzung fragte ich – mit einem Augenzwinkern – ob sie vielleicht heimlich „Superheldin im Nebenjob“ sei, denn niemand könne ernsthaft überall gleichzeitig sein. Sie lachte laut, entspannte sich sichtbar und sagte: „Stimmt, ich tue ja so, als wäre ich unersetzbar.“
Dieser humorvolle Moment öffnete die Tür: Erst dadurch konnte sie erkennen, dass ihr Kontrollmuster überzogen war. In der Folge entwickelte sie neue Delegationsroutinen – etwas, das zuvor trotz vieler Methoden kaum möglich war. Humor war hier der Katalysator für echte Veränderung.

Christian Ploy (Christian Ploy – Competence): Ein Beispiel, das ich häufig als Coach nutze, beginnt mit dem Satz „Die Stimme in deinem Kopf bist nicht du“. Wenn ich diesen Gedanken, die Glaubenssätze oder den inneren Dialog meiner Klientinnen und Klienten mit einer bewusst überzeichneten, verstellten „inneren Stimme“ widergebe, entsteht oft ein humorvoller Moment, in dem sie über sich selbst lachen – und gleichzeitig erkennen, wie selbstkritische oder abwertende innere Dialoge sie blockieren. Dieser Perspektivwechsel wirkt häufig stärker als jede rationale Erklärung, weil er emotional erfahrbar wird.
Für mich ist Humor dabei keine planbare Technik, sondern eine intuitive Momentaufnahme: Er funktioniert nur, wenn Timing, Beziehung und Situation zusammenpassen. Genau diese Präsenz im Augenblick – gestützt auf Wissen, Erfahrung und Einfühlung – macht meine Arbeit wirksam.
Würde Humor reproduzierbar funktionieren, könnte ich Kabarett schreiben; im Coaching entsteht seine Kraft jedoch spontan im richtigen Moment.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Ich erinnere mich an eine Führungskraft, die sich im Coaching sehr vehement über einen Mitarbeiter beschwerte. Während sie erzählte, wie sie mit ihm spricht, war mir sofort klar: In dieser Tonlage und mit dieser Wortwahl wird sie kein gutes Ergebnis bekommen – egal, wie „richtig“ ihr Inhalt ist.
Ich habe dann ihre Formulierungen und ihre Tonation kurz gespiegelt und anschließend ruhig gefragt: „Wenn Sie jetzt Ihr Mitarbeiter wären – würden Sie sich sofort verstanden und wertgeschätzt fühlen oder bräuchten Sie dazu noch ein bisserl Zeit?“
Sie hat mich erst erstaunt angeschaut, dann musste sie lachen. Und genau dieses Lachen hat etwas bewirkt. Sie hat den Perspektivwechsel nicht nur verstanden, sie hat ihn gespürt.
Ab da konnten wir richtig gut arbeiten. Wir haben ihre Botschaft in eine wertschätzende, klare Sprache übersetzt. Im nächsten Coaching hat sie berichtet, dass ihr Gespräch mit ihrem Mitarbeiter erfolgreich verlaufen war und bereits positive Wirkung zeigt.

Fazit

Humor im Coaching ist kein Stilmittel, sondern ein Moment von Lebendigkeit. In diesem Augenblick verändert sich etwas: Die Perspektive wird weiter, die Anspannung geringer, die Lösung greifbarer.

Wenn Menschen über sich selbst lachen können, entsteht eine neue Form von Selbstbeobachtung – und genau dort beginnt oft echte Veränderung. Gerade weil er nicht planbar ist, wirkt Humor so kraftvoll. Wenn Beziehung, Timing und Feingefühl zusammenkommen, wird aus einem Lächeln ein echter Entwicklungsschritt.

Interviewte Personen

Humor im Coaching | Lachen den als Perspektivenwechsel

Mag. Paul Bischofberger

Paul Bischofberger, Team Manufaktur

Mag. Eva Rechberg

Eva Rechberg, systworks

Corinna Ladinig, MBA

Corinna Ladinig, CTC

Christian Ploy

  • Geschäftsführer, Gründer
  • Christian Ploy – Competence
  • Coaching, Consulting, Mediation
  • www.christian-ploy.at
Christian Ploy

Mag. Dagmar Grafeneder

 

Dagmar Grafeneder, Kick Off

Michaela Baumgartner

Michaela Baumgartner, Group Austria

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