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Team-Trainings – ade, liebe Comfort Zone!

Trügt mich mein Gefühl, oder sind Teamtrainings & Teambuilding zwangsläufig mit dem Verlassen der persönlichen Komfortzone verbunden? Was bringt’s? Wann ist es kontraproduktiv? Ein Interview mit Experten & meine ganz persönliche Erfahrung mit dem Home-Risk-Modell.

 

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Exkurs Home-Risk-Modell

  • Home Zone / Comfort Zone / Komfortzone: Die Komfortzone ist ein Bereich, in der wir völlig neutral – ohne Angst oder große Aufregung – agieren können. Hier fühlen wir uns wohl, denn hier kennen wir uns aus. Hier können wir uns auf unsere Umwelt verlassen, kennen die Rahmenbedingungen und haben das Gefühl der Sicherheit. Ein komfortabler Polster auf dem wir hier sitzen. Im geistigen Sinn. Sehr bequem und kuschelig mit der Tendenz, genau diesen Zustand beizubehalten. Doch eine Weiterentwicklung gibt es in dieser Position nicht. Dafür müssen wir unseren Kuschelpolster schon verlassen.
  • Risk Zone: Die Comfort Zone ist umgeben von der Risk Zone. In ihr betreten wir unbekanntes Terrain – Angst oder zumindest Stress sind die Folge. So lange bis die Rahmenbedingungen, das für diese Situation erforderliche Verhalten, etc. bekannt und umsetzbar sind. Dann minimiert sich der Stresslevel und dieser Bereich der Risk-Zone wird Teil der Comfort Zone. Et voilà: wir haben gelernt und die Comfort Zone erweitert sich!
  • Panic Zone: außerhalb der Risk Zone liegt die Panic Zone, in der ein rationales Handeln nicht/kaum möglich ist und die Panik einen Tunnelblick bedingt. Die Panik kann durch Angst und / oder Erschöpfung ausgelöst werden. (vgl. Peter Heimerl 2010: Führen! Statt R.A.B.I.A.T handeln, 2010)

Ganz persönlich

Meine ganz persönliche Erfahrung mit dem Home-Risk-Modell: Natürlich ebenfalls während eines Teamtrainings: Zuerst die Theorie genau dieses Modells, ich dachte mir „aha, sehr interessant“ und legte es geistig beiseite. Und dann, kaum 1 Stunde später hing ich beim Abseilen in der Felswand – über mir kahler Stein, unter mir nix und dazwischen baumelte eine zügig-den-Halt-verlierende Eva. Da schoss mir schnell dieses Modell wieder in den Kopf: ‚hallo, ich bins, deine Risk Zone!‘ Na großartig, danke. Mit reichlich flauem Magen machte ich meine nächsten Schritte, fühlte mich zwar nicht sonderlich wohl, doch ich kam voran und erlebte zum ersten Mal aktiv meine Risk Zone.

Verlassen der Comfort Zone & Teambuilding – eine unschlagbare Kombination?

Die Erlebnisse dieses Teamtrainings waren für mich persönlich sehr beeindruckend und blieben mir bis heute – beinahe 10 Jahre später noch im Gedächtnis. So manches Mal noch sehe ich mich an diesem Seil baumeln und meine erste Risk-Zone-Begegnung spüren.

Seither stoße ich immer wieder auf die Kombination Comfort Zone & Team-Trainings. Beinah scheint es so, als wäre es das vordergründige Ziel von Team-Trainings, die Teilnehmer aus ihrer Comfort Zone zu locken. Abgesehen von den Abenteurern unter uns liegt es im Naturell des Menschen, ungewohnte und potentiell unangenehme Situationen tunlichst zu vermeiden. Wozu also?

Dieses „wozu“ gebe ich am besten in kompetente Hände: drei Veranstalter von Teamtrainings fanden sich zu meiner heutigen Experten-Runde ein.

Welchen Sinn macht es, in Teamtrainings über die Comfort Zone hinauszutreten & die Teilnehmer aktiv in eine Situation der persönlichen Unsicherheit zu führen?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Jeder Mensch hat seine ganz eigene Wohlfühlzone, in der alles einfach, komfortabel und gewohnt abläuft. Um sich jedoch persönlich weiterzuentwickeln, Ziele zu erreichen und nicht auf der Stelle zu treten, ist es wichtig seinen inneren Schweinehund zu überwinden und seine Grenzen zu erweitern. In Team-Trainings von careercenter erhalten die Teilnehmer hierfür Unterstützung von außen, um den Schritt aus der eigenen Komfortzone zu erleichtern.
Seine Komfortzone zu erweitern ist nicht einfach und stellt für viele Menschen eine große Herausforderung dar, wenn Sie es jedoch ausprobieren, werden Sie merken, dass es ein wunderbares Gefühl ist seinen Horizont zu erweitern und so sein Selbstbewusstsein im Laufe der Zeit automatisch zunimmt.
Probieren Sie es aus – TUN Sie’s gleich jetzt und machen Sie den ersten Schritt 🙂

Luzia Fuchs-Jorg (KICK OFF): Teams aus der Komfortzone zu locken, kann sehr produktiv und belohnend sein. Allerdings gilt es einiges zu bedenken. Eine gute Analyse im Vorfeld ist wichtig, um zu erkennen, wofür die fixe Grenze dient. Geht es um Sicherheit? Geht es um die Unterdrückung von Konflikten? Geht es um Abgrenzung gegenüber übergriffigen „Umwelten“ in porösen Systemen? Oder ist das Team schon zu lange ohne Veränderungen und Herausforderungen – gab es zu viele Change Prozesse, die noch nicht verkraftet sind – oder  befindet  es sich in einer Adjourning-Phase der Gruppenentwicklung? Oder gibt es schlichtweg zu wenig Führung – bzw. zu autoritäre Führung, sodass sich das Team zusammenfinden und stark absichern muss.
Wenn der Sinn der Komfortzone klar wird und genügend Sicherheit gegeben ist, dass eine positive Entwicklung gegeben ist, wenn die (engen) Grenzen verlassen werden, dann ist es relativ leicht, die Teammitglieder zum Verlassen des geschützten Raumes zu bewegen. Wichtig ist es, dabei zu beachten, dass die Übungen nicht derart überfordernd sind. Wenn durch massive Überforderung (Arbeit mit Angst statt mit Freude) statt der Lernzone die Panikzone erreicht wird, dann tritt ein sehr negativer Effekt ein. Das Team zeigt in diesen Fällen Symptome von Traumatisierung und ist für lange Zeit nicht bereit, sich zu öffnen und sich auf Neues einzulassen.

Wann ist es kontraproduktiv, aktiv die Comfort Zone zu verlassen?

Ina Biechl (ina biechl – beratung.training.coaching): Zu billigen, überfahren zu werden oder sich auf Situationen einzulassen, die stressen, ist niemals sinnvoll. Eine gute Teamentwicklung benötigt eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre. Dieses Vertrauen muss im gesamten Team vorhanden sein.  Das heißt sowohl zu der leitenden Person als auch aller Teilnehmenden untereinander.

Günther Mathé, MBA (careercenter): Meiner Meinung nach ist das Verlassen und erweitern seiner Comfort Zone in regelmäßigen Abständen für jeden Menschen sinnvoll (Privat und Beruflich), um Neues zu entdecken und mit Schwung sein Wohlbefinden zu steigern. Als Trainer im Rahmen eines Team-Trainings ist es von besonderer Bedeutung die Teilnehmer auch individuell zu unterstützen. Die Comfort Zone jedes Teilnehmers ist individuell, für den einen ist eine Präsentation vor Publikum bereits ein großer Schritt, ein anderer muss schon aus dem Flugzeug springen. Hier ist die Empathiefähigkeit des Trainers gefragt, um das Team, die Teilnehmer, den Menschen positive Erfahrungen beim Verlassen ihrer Wohlfühlzone zu ermöglichen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach Teilnehmende dazu bewegen, sich auf ungewöhnliche Übungen einzulassen?

Ina Biechl (ina biechl – beratung.training.coaching): Die Voraussetzung dafür ist, dass die leitende Person eine vertrauensvolle Situation herstellt. Damit meine ich, dass ein Trainer mit – beispielsweise – angeleitetem Erfahrungsaustausch oder ähnlichen Methoden der Gruppe hilft, Vorurteile abzubauen und neue Blickwinkel einzunehmen. Also als Vorbild gleichwürdig kommuniziert. Mit Humor und der Anregung des „lustvollen Scheiterns“ ist fast alles möglich, und hat darüber hinaus einen praktischen und nachhaltigen Effekt für den Arbeitsalltag.

Wie kann der Trainer eine Gruppe zielführend aus der Komfortzone bugsieren?

Luzia Fuchs-Jorg (KICK OFF): Dazu  braucht der Coach viel Vertrauen von allen Teammitgliedern. Er muss Wertschätzung für alle an den Tag legen und auch schwächere Teammitglieder positiv motivieren, die Schwierigkeiten und die Ängste zu überwinden. Wenn ein Coach selber nie seine Komfortzone verlässt und vergessen hat, was es bei den Einzelnen auslöst, dann sollte er die Finger von dieser Methodik lassen. Darüber hinaus muss er in der Lage sein, mit dem Team nach den Übungen eine intensive Reflektion durchzuführen und den Transfer in den Alltag herzustellen. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, dann kann eine bisher mittelmäßig produktive Gruppe zu einem Dreamteam werden.

‚Life begins at the end of your comfort zone‘ (Nale Donals Walsh)


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Die Gesprächspartner


mathe_günther_careercenter100Günther Mathè
Geschäftsführer

careercenter e.U.

www.careercenter.at

Unternehmens-Profil


Fuchs-Jorg_Luzia_2012Luzia Fuchs-Jorg
Geschäftsführerin

KICK OFF Management Consulting GmbH

www.kick-off.at


biechl_inaIna Biechl

ina biechl – beratung.training.coaching


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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