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TRIZ | Führen mit „merkwürdigen“ Methoden

Führung ist besonders schwierig, wenn die Führungskraft fachlich unterlegen ist – und das kommt bei technischem Personal naturgemäß sogar ganz häufig vor.
Wie macht man technische Leistungen und Arbeitsergebnisse greifbar, wenn man von der konkreten Technologie keine Ahnung hat? Vor dieser spannenden Frage stand ich immer mal wieder – und am Ende half mir ein Werkzeug, das eigentlich ganz andere Aufgaben hat.

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TRIZ … eine Abkürzung für „Teoria reschenija isobretatjelskich sadatsch“… auf Deutsch: „Die Theorie des erfinderischen Problemlösens“. Man kann darüber im Internet interessante Webprojekte finden (zB in Wikipedia), – aber ich fasse es Ihnen hier ganz kurz zusammen:

Was ist TRIZ?

39 technische Parameter wie z.B. Gewicht, Stabilität, Geschwindigkeit oder Temperatur stehen in Konflikt miteinander und führen auf irgendeine Art zu einem „unlösbaren“ Problem – also zu einem Dilemma.

Bsp: Etwas bricht unter sich selbst zusammen

Denken Sie z.B. mal an eine Brücke, die so stabil und also natürlich sehr schwer ist, dass sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbricht. Dann ist Ihnen das Problem schon mal klar – auch wenn Sie zwar einerseits in dem Brückenprojekt die Führungskraft sind aber andererseits von Statik leider keine Ahnung haben.

TRIZ bietet aber nicht nur Probleme

TRIZ bietet 40 sogenannte innovative Prinzipien, mit der man Konflikte versucht aufzulösen. Solche Prinzipien sind z.B. Weglassen, Aufteilung, Verlagerung oder „thin film“ (eine besondere Art der Abtrennung).  Insgesamt gibt es von der Sorte 40 Denkansätze, die hier aufzuführen zu weit gehen würde.

Nehmen wir nochmal das Beispiel der zu schweren Brücke: 

  • Beim Prinzip „Weglassen“ würde man wohl anfangen ein Boot zu bauen. Hört sich blöd an, aber wenn das die einzige Lösung wäre – warum nicht …
  • Oder nehmen Sie die „Verlagerung“. Vielleicht ist der Fluß über den die Brücke führen soll 10 Kilometer weiter viel schmaler – und man kann ihn also leichter überbrücken.
  • Oder bei der „Aufteilung“ käme ein Stützpfeiler in der Mitte des Flußbettes in Betracht … u.s.w. … Auf einmal können Sie als Projektleiter mitdiskutieren, ohne Fachmann für die Statik von Brücken zu sein.

TRIZ entlarvt

Aber selbst wenn es technisch so kompliziert wird, dass Sie nun doch nicht mitreden können, hilft Ihnen TRIZ. Ich nutze TRIZ als Führungskraft in technisch komplexen Projekten noch ganz anders:

Wenn mir jemand sagt, ein Problem sei nicht lösbar, dann frage ich ihn möglicherweise, aufgrund welcher technischen Parameter aus seiner Sicht das Dilemma entsteht und mit welchen der 40 innovativen Prinzipien er bereits nach einer Lösung gesucht hat – und mit welchen konkreten Ergebnissen.

Wenn man das einigermaßen konsequent so macht, dann hört zumindest das „Gejammer“ über die ganzen „unlösbaren“ Probleme auf, das man in technischen Projekten gelegentlich zu hören bekommt.  

Sie können in solchen Diskussionen keines der Argumente ernsthaft fachlich bewerten – aber Sie können Ihren Mitarbeiter fragen, welche der insgesamt 39 technischen Parameter miteinander in Konflikt stehen und welches der 40 innovativen Prinzipien er denn schon ausprobiert oder durchdacht hat – und mit welchem Ergebnis. So muss er zumindest sein Problem verstanden und 40 Denkansätze durchdacht oder ausprobiert haben – und dann verworfen haben. Ferner muss er begründen, warum es nicht zur Lösung führte – und selbst wenn Sie keines seiner Argumente verstehen – er wird Ihnen jedenfalls nie wieder sagen, dass er „alles versucht hat“ – ohne dass er WIRKLICH alles versucht hat.

Aber für diesen „Taschenspieler-Trick“ allein lohnt es sich natürlich nicht, dass Sie Führungskräften in technischen Projekten TRIZ beibringen. Der eigentliche Nutzen ist, dass in Projekt-Teams Denkblockaden verhindert oder beseitigt werden, wenn man eine gemeinsame Abstraktionsebene findet, auf der es erstmal keine Rolle spielt, dass jeder Projektmitarbeiter aus einem anderen Fachbereich kommt.

TRIZ macht kreativ! 

Es müssen gar nicht nur technische Probleme sein. Auch in einer Organisation oder in kaufmännischen Zusammenhängen kann es „unlösbare“ Probleme geben, die durch zumindest einige der 40 innovativen Prinzipien eben doch lösbar sind.

Wenn in Konzernen Risiken gegeneinander abgegrenzt werden sollen, dann werden Tochtergesellschaften gegründet (Segmentierung). Wenn eine große Organisationseinheit ein Problem nicht lösen kann, dann wird das an die nächst kleinere Einheit oder einen „Think Tank“ verwiesen (Verlagerung). 

Viele tolle Beispiele sowie eine vollständige Auflistung der 40 innovativen Prinzipien finden Sie hier.

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