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Specialisterne – Vielfalt leben

Spätestens seit den Filmen „Rain Man“ oder „The Mercury Puzzle“ und der Serie „Boston Legal“ wissen die meisten Menschen um die besonderen Begabungen von Menschen mit Autismus Bescheid.

 

Thorkil Sonne’s Sohn war 2 1/2 Jahre alt, als Ärzte bei ihm Frühkindlichen Autismus diagnostizierten. Autisten haben Schwierigkeiten mit der Außenwelt zu kommunizieren und sie brauchen lange um sich im sozialen Umfeld zu integrieren. Aufgrund der Diagnose beschloss Herr Sonne 2004 alles nur Mögliche zu tun um seinem Sohn ein normales Leben zu ermöglichen – er gründete die Stiftung „Specialisterne“ und machte es sich zur Aufgabe, Menschen mit Autismus dabei zu unterstützen einen Job zu finden. Weltweit findet man Specialisterne-Niederlassungen unter anderem in den USA, UK, Deutschland, Kanada oder Österreich. Die Vision „Eine Welt, in der alle Menschen gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben“ treibt deren Mitarbeiter unermüdlich voran, das Konzept in die Unternehmenswelten hinauszutragen.

Seit rund 2 Jahren arbeite ich mit „Specialisterne Austria“ an der Integration von Menschen mit autistischer Wahrnehmung in einem internationalen Pharmakonzern zusammen. Die Idee, Menschen mit Autismus im Unternehmen zu integrieren wird von Seite der Geschäftsleitung entsprechend gefördert.

Die perfekten Fehlersucher

Menschen mit Autismus eint die Hingabe zum Detail, die hohe Konzentrationsfähigkeit oder die Null-Fehler-Toleranz. Autisten haben in vielen Fällen „Inselbegabungen“ – also bestimmte Bereiche wie Sprachen, Musik, Informatik oder Mathematik – in denen sie hochbegabt sind. Unternehmen können von diesen Talenten enorm profitieren. Menschen aus dem Autismus-Spektrum sind sehr ehrlich, loyal, akribisch, sagen klar wo Lücken oder Fehler sind, aber sie zeigen eher wenig Interesse an ihren Mitmenschen. Sie brauchen bei Ihrer Arbeit Ruhe, klare Arbeitsanweisungen und Tätigkeiten, die zu ihren Begabungen passen. Deshalb ist die behutsame Integration in die Organisation, mittels Workshops für Mitarbeiter und Führungskräfte, als auch eine Begleitung von Betreuern vor, während und nach der Integrationsphase unbedingt erforderlich.

Specialisterne Austria

Specialisterne Austria ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der Integration von Menschen mit Autismus-Spektrum Störung (ASS). Der Verein setzt sich einerseits für die dauerhafte Beschäftigung von Menschen im Autismus-Spektrum am Arbeitsmarkt ein und qualifiziert andererseits Autisten für den Arbeitsmarkt. Die Qualifizierung dauert etwa fünf Monate und wird von öffentlicher Hand gefördert. Specialisterne fördert gleichzeitig Unabhängigkeit, Selbstvertrauen und fachliche Kompetenzen und sieht in seinen Angestellten somit „Spezialisten“ anstatt „jemanden mit Autismus“.

Wir haben bis dato einige Schnuppertage sowie Praktika angeboten und wir sind sehr stolz, Mitte August und Anfang September zwei „Specialisterne“ in 2 Bereichen zu integrieren. Durch ihre Genauigkeit und hohe Konzentrationsfähigkeit setzen wir Autisten für langwierige Routinetätigkeiten wie das Vorrichten von Packmitteln (z.B. Beipacktexte, Alkoholtupfer, Einwegspritzen, etc.) ein.  Für diese Tätigkeiten gibt es kaum Maschinen und alles wird in „Handarbeit“ vorbereitet. Weiters werden sie für das Korrekturlesen von Texten auf Verpackungen oder Beipacktexten eingesetzt. Routinekontrollen von Testergebnissen ist ebenso gut Einsatzgebiet, wie die Programmierung von bereichsspezifischer Software oder Datenbankpflege. Monotone Tätigkeit, die für Menschen ohne Autismus rasch zu Konzentrationsmangel führen kann – was im Pharmabereich durchaus  lebensbedrohliche Situationen herauf beschwört – ist für Specialisterne Mitarbeiter gerade zu ideal.

Das Matching

Frau Mag. Krön konkretisiert die Integration ihrer Schützlinge in einem Unternehmen wie folgt: „Es ist wichtig, ein gutes Matching zwischen dem Bedarf des Unternehmens und den Stärken des Spezialisten zu finden. Ein Besuch bei uns ermöglicht gleichzeitig mehrere Mitarbeiter mit autistischer Wahrnehmung kennenzulernen, baut eventuelle Vorurteile ab und hilft, gemeinsam mögliche Einsatzmöglichkeiten zu entdecken. Ein Besuch beim Unternehmen hilft uns, die Arbeitssituation und vorgeschlagenen Tätigkeiten vor Ort zu sehen und somit passende Personen vorschlagen zu können“. Teambuilding-Workshops als Einstieg haben sich als sehr hilfreich für alle Beteiligten erwiesen. Hier geht Specialisterne sehr konkret auf das Thema Autismus ein und ein offener Austausch mit dem zukünftigen Team kann erfolgen, um Hemmungen im gegenseitigen Umgang und eventuelle Bedenken auszuräumen. Irritationen könnte es zum Beispiel in der Mittagspause geben, da Autisten im Small-Talk etwas hölzern wirken und ihre Pause vielleicht lieber alleine verbringen. Das hat nichts damit zu tun, dass Menschen im Autismus-Spektrum nicht gesellig sein wollen, ihre Interessen liegen einfach in anderen Gebieten.

 Positive Erfahrung für Alle

Unsere Erfahrungen bzw. jene der Bereiche die Schnuppertage oder Praktika absolviert haben sind äußerst positiv. Aufgrund von guter Vorbereitung und gut vorbereiteten Betreuern können Specialisterne vom ersten Tag an Schritt für Schritt in ihre neue Rolle hineinwachsen und ihre Begabungen zur Geltung bringen.

Wir befinden uns mit diesem Projekt in guter Gesellschaft: neben SAP, Baumax und A1 setzen auch LexisNexis und Paysafecard auf das Konzept der „Specialisterne“ und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Thema Inclusion & Diversity.


Mehr Info:

Interessierte Firmen können sich bei Interesse oder bei Fragen dazu gerne an die Projektleiter von Specialisterne Austria Frau Mag. Elisabeth Krön und Herrn Mag. Andreas Keplinger wenden.

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