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HR-Tipp | Taroof: Höflichkeits-Ping-Pong im Iran

global, international

HR-Tipp: Höflichkeits-Formen im Iran: Taroof & Hintergründe für das Geschäfts-Gebahren im Iran
Praktisches Beispiele & Tipps

Zielgruppe:



All jene, die Geschäftsbeziehungen im Iran pflegen


Tipp-Geber:


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Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How – Training & Consulting)


 

„Bitte, nehmen Sie doch eine Tasse Tee. Oder möchten Sie lieber Kaffee?“ „Nein, nein! Danke! Keine Umstände!“ „Ja, bitte, nehmen Sie doch!“ „Nein, nein, ich möchte wirklich gar nichts, danke!“ „Aber bitte, hier, der Tee wird Ihnen gut tun.“ „Ja, dann vielen Dank.“ Taroof ist ein iranisches Höflichkeitsmuster und bedeutet, Angebote aller Art – sei es für Getränke wie Kaffee oder Tee, Essenseinladungen oder Geschenke – zunächst entschieden abzulehnen. Das gebietet die iranische Höflichkeit.

Es ist ein ritualisiertes Höflichkeits-Ping-Pong, das nach einem bestimmten Muster abzulaufen hat. Natürlich wissen alle Beteiligten, dass mehrmals insistiert und abgelehnt wird, bis das Angebotene angenommen werden darf. Taroof ist ein beliebtes Verhaltensmuster und wird in allen formellen Interaktionen eingesetzt.  Es ist beziehungsorientiert und gesichtswahrend und letztlich ein Spiel, das für gute Stimmung sorgt und sicherstellt, dass die Beziehungen weiterhin gut sind. Im Business-Kontext lohnt es sich, es zu beherrschen.

Als Ausländer im Iran läuft man allerdings leicht Gefahr, sich von diesem überaus liebenswürdigen und überschwänglichen Kommunikationsritual überrumpeln zu lassen. Plötzlich sagt man Ja und erhält etwas, das man gar nicht will – eine weitere Portion vom Huhn, noch eine Tasse Tee oder das Bild von der Wand, das man kurz vorher höflich bewundert hat.

Im Geschäftsleben ist daher bedeutend, mit Feingefühl und Respekt vorzugehen, gut zu beobachten, sich selbst zurückzunehmen, viele Fragen zu stellen und älteren oder Senior-Geschäftspartnern besonders respektvoll zu begegnen. Damit signalisieren Sie gutes Benehmen, das im Iran sehr geschätzt wird. Ihr perfektes Auftreten, Ihre Achtsamkeit und kulturelle Sensibilität, Ihr Respekt vor der iranischen Kultur und Ihre Kenntnisse über den Iran sind die Eintrittskarte in die iranische Geschäftswelt. Auf dieser Ebene entwickelt sich eine gute Zusammenarbeit, die mit der Zeit an gegenseitigem Vertrauen gewinnt und langfristig Früchte tragen wird. Dabei sind die Regeln von Taroof zu beachten – man gibt vor etwas nicht zu wollen, das man in Wirklichkeit will; man bietet etwas an, das man gar nicht geben will und drückt Liebenswürdigkeiten aus, die nicht immer so gemeint sind. In unseren Augen klingt das nach Lüge, aus iranischer Perspektive befindet man sich im Bereich der Höflichkeit, die immer Ausdruck von Respekt ist.

Tipps für Ihre Geschäftsanbahnung mit iranischen Kunden:

  • Erweitern Sie Ihre Kenntnisse über den Iran. Es kommt gut an, wenn Sie mit den Eckdaten und der langen Geschichte des Iran vertraut sind.
  • Machen Sie sich mit den ritualisierten Höflichkeitsformen vertraut. Sie sind ein Kommunikationsmuster, das angewandt werden muss und durchaus nicht persönlich zu nehmen ist.
  • Versuchen Sie, mit Ihren Geschäftspartnern auf eine informelle Ebene zu kommen und nehmen Sie sich genug Zeit, um eine persönliche und vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Dr. Karin Schreiner, MA

Dr. Karin Schreiner ist interkulturelle Trainerin und Coach für interkulturelles Management. Sie ist Ihre Ansprechpartnerin für kulturspezifische Trainings zu Indien, China, Japan, Süd-Korea.

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