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Erste Burnout-Anzeichen. Burnout schleicht sich leise an.

Burnout-Anzeichen. Burnout kommt zwar meist schleichend leise, doch wenn man genau hinhört, sind bereits die ersten Anzeichen für Burnout erkennbar. Ich frage in einem Interview nach und höre besonders genau zu.

In HRweb-Manier fokussiert dieses Interview natürlich vor allem den beruflichen Kontext. Klar ist, dass Burnout immer Berufs- UND Privat-Leben betrifft. Daher sind die Anzeichen für Burnout auch in beiden Lebensbereichen zu finden.

Interview-Happen

Ich führte mit zahlreichen Gesprächspartnern Interviews zu m Thema Burnout. Anstatt eines ellenlangen Interviews, das schon aufgrund der irren Länge nicht gelesen werden würde, unterteile ich es in brauchbare Happen und beleuchte unterschiedliche Bereiche:

  • erste Anzeichen (Burnout)
  • kurzfristige & langfristige Maßnahmen
  • Konsequenzen
  • Ansprechpersonen
  • Burnout-Stufen
  • „Burnout“ als Thema in Coaching-Ausbildungen

Sukzessive werden die Detail-Themen in den kommenden 2 Monaten online gehen ⇒ Folgen Sie diesem Link, hier werden alle Burnout-Themen gesammelt.

Anm.d.Red: wie in JEDEM HRweb-Artikel gilt auch hier die geschlechtsneutrale Schreibweise: Wir verzichten bewusst auf das Gendern der Beiträge zugunsten der leichteren Lesbarkeit. Daher: „Mitarbeiter“ statt „Mitarbeiter/ innen“, „MitarbeiterInnen“, „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ und dergleichen lese-unfreundliche Auswüchse.

Branchen-Überblicke

Dieses Thema spielt in zahlreiche unserer HRweb-Branchen hinein und löst die feinsäuberlich kreierte Schubladisierung auf, daher liste ich hier gleich mehrere Branchen-Überblicke zur leichteren Auffindbarkeit der einzelnen Anbieter in Österreich:

Burnout Anzeichen, Anzeichen für Burnout

Burnout Anzeichen Burnout

 

Nun geht’s aber tatsächlich los mit dem heutigen Interview:

Burnout-Anzeichen: ganz konkrete Anzeichen für Burnout

Welche ersten Anzeichen für Burnout sollten Mitarbeiter und Führungskräfte hellhörig werden lassen?

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Viele Symptome eines Burnouts können ganz klar auch andere Ursachen haben. Aber wenn Sie einige der folgenden Punkte wahrnehmen, vor allem in Kombination, sollten Sie das Thema Burnout in Erwägung ziehen:

  • vermehrte Krankenstände der Person
  • gereiztes Verhalten, abwertende Bemerkungen über Kunden, Kollegen
  • sozialer Rückzug
  • Klagen über anhaltende Erschöpfungszustände
  • Arbeit bleibt liegen
  • Fehler schleichen sich bei der Arbeit ein
  • Hoher Arbeitseinsatz/ hohe Identifikation mit der Arbeit in den letzen Monaten/ Jahren

Mag. Renate Strommer (ASO & WiLAk): Anzeichen für Burnout können auf mehreren Ebenen auftreten und verändern sich im Entwicklungsverlauf.

  • Eine Ebene ist eine wahrnehmbare Verringerung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit, obwohl von der subjektiven Betrachtung Einsatz oder auch Mehreinsatz geleistet wird.
  • Die Selbstwahrnehmungsfähigkeit reduziert sich (Wo und wie bin ich selbstwirksam? Wie gehe ich mit Grenzen um?), dafür entwickelt sich zunehmend ein Gefühl der Ohnmacht, des ausgeliefert seins. Emotionale bzw. mentale Stabilität weicht innerer Unruhe, Gedankenkreisen, Niedergeschlagenheit, emotionale Erschöpfung, Gefühl der inneren Leere, Selbstzweifel bis hin zur Verzweiflung.
  • Auf der körperlichen Ebene lässt die körperliche Leistungsfähigkeit nach. Dies kann in unterschiedlichen Erscheinungsbildern auftreten, beispielsweise über psychosomatische Erkrankungen, rasche Erschöpfung und Kraftlosigkeit, sich nicht richtig erholen können.
  • Auf der Ebene der sozialen Lebens wird der Außenkontakt mühsamer und führt zur schrittweisen Reduzierung des Außenkontakts. Anzeichen sind beispielsweise leichte Reizbarkeit und Kränkung, nicht mehr gut zuhören können, weniger Empathie für andere, leicht ungehalten sein.

Mag. Regina Nicham (IBG): Führungskräfte: „Wie bemerke ich erste Burnout-Anzeichen bei meinen Mitarbeitern?“ ⇒ Checkliste: Mein Mitarbeiter …

  • wirkt nervös und überreizt auf mich
  • ist vergesslicher als früher
  • zieht sich zurück
  • signalisiert eine starke Überforderung
  • ist oft müde
  • klagt häufig über Kopfschmerzen, Schwindel,… (verschiedene körperliche Beschwerden)
  • ist häufig krank bzw. auch krankgeschrieben
  • scheint negativ zu sich / zur Arbeit eingestellt zu sein
  • ist weniger leistungsfähig als früher

Relevant sind immer das Vorhandensein mehrerer Warnsignale und das Beobachten einer Veränderung über die Zeit. Jeder kann einmal einen schlechten Tag haben, ohne deshalb gleich burnoutverdächtig zu sein.
Mitarbeiter: „Wie bemerke ich erste Burnout-Anzeichen bei mir selbst?“ ⇒ Checkliste:

  • Ich finde es oft schwierig, abzuschalten.
  • Ich ziehe mich vermehrt zurück.
  • Ich nehme oft Arbeitsprobleme mit in meine Freizeit.
  • Ich empfinde oft starken Widerwillen gegen meine Arbeit.
  • Ich habe den Spaß an den meisten Dingen verloren.
  • Ich leide unter Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit.
  • Ich erreiche mit immer mehr Energie immer weniger.
  • Ich brauche sehr viel Zeit, um mich zu erholen.
  • Ich fühle mich ausgelaugt und kraftlos.
  • Ich fühle mich seit mehr als sechs Monaten erschöpft.

Diese Checkliste dient der persönlichen Sensibilisierung und ersten Standortbestimmung. Für eine individuelle Diagnostik muss jedoch die Expertise der klinischen Psychologie, Psychotherapie oder Medizin in Anspruch genommen werden. Früherkennung kann helfen, aus einem Burnout-Prozess rechtzeitig auszusteigen. Achten Sie auf erste Warnzeichen.

Warnsymptome:

  • Vernachlässigung sozialer Kontakte, sozialer Rückzug, Vermeidung von Kontakten
  • Verleugnung eigener Bedürfnisse
  • Verdrängung von Misserfolg und Enttäuschung
  • Selbstzweifel, negative Einstellung zu sich selbst, der Arbeit, der Institution, der Gesellschaft und dem Leben
  • Emotionale Probleme: Reizbarkeit, Aggressivität, Ungeduld, Nervosität
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Lust- und Interesselosigkeit bis hin zur schweren Depression
  • Schlafstörungen, Appetitstörungen, erhöhte Krankheitsanfälligkeit, psychosomatische Beschwerden

Mag. Brigitta Giselbrecht (bGesundheitsmanagement): Burnout beginnt schleichend und hat keinen linearen Verlauf. Es gibt eine Vielzahl von Indizien für ein beginnendes Burnout, unter anderem:

  • Mangelnder Abstand von der Arbeit (Schlafprobleme, ständige Beschäftigung mit Problemen am Arbeitsplatz)
  • Probleme mit der Konzentration und Aufmerksamkeit (sich in unwichtigen Dingen zu verlieren, Vergesslichkeit, mangelnde Konzentration, erhöhte Fehlerquote und Unfallquote)
  • Gefühl von Hetze, Zeitmangel und Stress (innere Unruhe, mangelndes Zeitmanagement)
  • Zunehmende soziale Isolation (Meidung des Kontaktes mit Kollegen oder Kunden, Fernbleiben von Betriebsanlässen, Meidung private soziale Kontakte)
  • Stimmungs- und Gefühlsschwankungen (erhöhte Reizbarkeit, Weinen, Ignoranz)
  • Verminderte Leistungsfähigkeit (erhöhte Aufwand für Routinetätigkeiten, Mehrleistung)
  • Erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten (Grippe, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen- Darmbeschwerden)
  • Präsentismus (Mitarbeiter trotz Krankheit in die Arbeit gehen)
  • Fehlende ausgleichende körperliche Aktivitäten (bei der Büroarbeit- Ausdauersport wie Radfahren, Wandern; bei starkem körperlichen Inanspruchnahmen – Entspannungsmethoden)
  • Erhöhte Konsum von Genussmitteln bis hin zur Abhängigkeit von Suchtmitteln (zB. Alkohol)

Arbeitsweise & Lebensstil als untrügerisches Burnout-Anzeichen

Welche Arbeitsweise / welcher Lebensstil sind prädestiniert für Burnout? Anzeichen, die als Warnung gesehen werden sollten:

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Wenn jemand ohne Pause arbeitet, sich so verhält, dass ein unbeteiligter Beobachter in Atemnot gerät; wenn jemand ständig sagt, dass er das Gefühl hat, nicht mit seiner Arbeit fertig zu werden und daher fast rund um die Uhr inkl. Wochenenden arbeitet. Das Hobby und auch soziale Kontakte nicht mehr pflegt.
Auch wenn jemand erzählt, nicht mehr schlafen zu können oder nur ganz wenige Std. / Nacht.
Wenn jemand zu Beginn des Urlaubs ständig krank wird oder auch im Urlaub durcharbeitet, Mails schickt, anruft etc.

DI Elisabeth Alder (Alder Consulting): Für mich schrillen die Alarmglocken, wenn es zur Umwertung der Werte kommt. Plötzlich wird ein Abend mit Freunden, ein Wochenende mit der Familie, ein lange geplanter Theaterbesuch als Störung und Bedrohung für die Arbeit empfunden.

Volker Sotzko, MSc (KICK OFF): Wenn es Anzeichen dafür gibt, dass  der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, sich selbständig zu erholen, wenn er über Einschlaf- bzw. Durchschlafstörungen klagt und wenn Vermeidungsverhalten zu herausfordernden Situationen beobachtet wird.

Erste Anzeichen: Burnout bei Führungskräften

Wie sieht es im beruflichen Kontext und konkret bei Führungskräften aus hinsichtlich Burnout-Anzeichen?

Mag. Ulrike Kriener (AUMAIER COACHING | CONSULTING): Als Führungskraft sollten Sie bei Leistungsabfall, vermehrten Krankenständen und/oder sozialem Rückzug das Gespräch suchen. Jede einzelne dieser Veränderungen  kann ein Hinweis auf Burnout sein, kann aber auch eine andere Bedeutung haben. In jedem Fall sollte die Führungskraft über ein Gespräch herausfinden, was für Hintergründe diese Verhaltensweisen haben.

Mag. Susanne Hickel (Health Consult): Die Entwicklung erfolgt meist schleichend und von Betroffenen -trotz hohen Leidensdrucks – kaum wahrnehmbar. Oft kommt der Anstoß, Hilfe in Anspruch zu nehmen, daher von Außenstehenden, die eine Veränderungen im Antrieb, im zwischenmenschlichen Umgang und in der Leistung wahrnehmen:
Für Führungskräfte: Hören Sie Sätze wie  „Er ist überhaupt nicht mehr bei der Sache“, „Was ist mit ihr los – sie ist dünnhäutig, geht wegen jeder Kleinigkeit in die Luft“, „Er bleibt immer länger im Büro, aber wir wissen gar nicht so recht was er macht“, „Er macht nirgends mehr mit“ „Ich weiß nicht was mit ihr los ist – dauernd passieren ihr Fehler“?
Für Mitarbeiter: Kennen Sie das?  Sie fühlen sich erschöpft, müde und kraftlos, haben vielleicht Schlafschwierigkeiten? Kontakte sind vor allem anstrengend, sie wollen auch gute Freunde nicht mehr treffen. Patienten/Klienten/Kunden sind ihnen zunehmend lästig und störend. Die Konzentration und das Gedächtnis lässt sie im Stich, „Hoppalas“ häufen sich. Auch in der Freizeit wollen sich Freude und Genuss nicht mehr so recht einstellen. Vor allem aber: Die Arbeit fällt zunehmend schwerer, ist kaum mehr zu schaffen und macht keine Freude.
Das können (müssen aber nicht) Anzeichen für ein Burnout – Syndrom sein. Die Perspektive von qualifizierten Außenstehenden (z.B. durch Arbeitspsychologen, Betriebsarzt) einzuholen ist an diesem Punkt jedenfalls ratsam.

Leise Anzeichen: Burnout-Zeichen in der Persönlichkeit

Welche Burnout-Anzeichen in der Persönlichkeit / im Auftreten sind Warnsignale?

Mag. Carmel Lee Paul, MSc (ITO): Der Betreffende verliert den Humor, reagiert zynisch, zieht sich vermehrt zurück, meidet Kontakt. Die Effizienz lässt nach, Fehler mehren sich.

Dr. Josef Krobath (bfi): Gedämpfte emotionale Reaktionen in zwischenmenschlichen Begegnungen oder zynische Reaktionen gegenüber Kunden sollten sie hellhörig werden lassen. Besonders gefährdet sind Mitarbeiter die gleichzeitig im beruflichen als auch im privaten Leben eine Krise durchlaufen.


Burnout Anzeichen, Anzeichen für Burnout

Burnout Anzeichen Burnout


Die Gesprächspartner

 

Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

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Mag. Ulrike Kriener
Executive Coach

AUMAIER COACHING CONSULTING GmbH

www.aumaier.com, www.aumaier-coaching-club.com

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DI Elisabeth Alder
Eigentümerin

Alder Consulting

www.alder.at

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Mag. Carmel Lee Paul, MSc
Coach, Consultant

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

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Volker Sotzko, MSc
Geschäftsführer

KICK OFF Management Consulting GmbH

www.kick-off.at

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Dr. Josef Krobath
Inhaltlicher Leiter der Ausbildung zum Diplomierten Coach

bfi – Berufsförderungsinstitut

www.bfi-stmk.at

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Mag. Regina Nicham  
Arbeitspsychologische Leitung

IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH

www.ibg.co.at

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BGM, BGF, betriebliches Gesundheitsmanagement, ÖsterreichMag. Brigitta Giselbrecht
Inhaberin

bGesundheitsmanagement

www.betriebsgesundheitsmanagement.com

Unternehmens-Profil


Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at


BGM, BGF, betriebliches Gesundheitsmanagement, ÖsterreichMag. Susanne Hickel
Prokuristin, (Kollegiale) Leitung Arbeitspsychologisches Zentrum

Health Consult Gesellschaft für Vorsorgemedizin Ges.m.b.H.

www.health-consult.at


Mag. Renate Strommer
Geschäftsführerin

ASO & WiLAk GmbH

www.wilak.at


Interview durchgeführt von

selan_eva_150Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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2 Kommentrare

  1. Heinz-Peter Hippler am

    Herzlichen Dank an die beteiligten Damen und Herren.
    Eine sehr gelungene Darstellung der möglichen Anzeichen. Als personalverantwortlicher Manager in der Industrie und in meiner Tätigkeit als Heilpraktiker (Psychotherapie) bestätigt sich, dass Burnout ein schwelender Flächenbrand in unserer Gesellschaft ist.
    Leider ist das Thema immer noch sowohl von Stigma als auch Ignoranz markiert. Mit den Begleiterscheinungen, wie Depressionen und Ängste, habe ich in meiner Praxis “ http://www.Leben-ohne-Burnot.de “ täglich zu tun.
    Als Psychologischer Berater, Coach und Therapeut habe ich die Gelegenheit Aufklärung und Hilfsangebote durch Seminare und Vorträge anzubieten. Es ist aber, wie Sie selbst wissen werden, noch ein weiter Weg, bis die „Glutnester“ unter Kontrolle sind.
    In diesem Sinne wünsche ich allen Beteiligten gutes Gelingen.
    Herzlichst
    Heinz-Peter Hippler
    Heilpraktiker (Psychotherapie)

  2. Uschi Korn am

    Lange reden oder kurzer Sinn? – Hier ist ein übersichtliche Zusammenfassung entstanden, die erste Orientierung gibt und hilfreich auf das Thema sensibilisiert.

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