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HRweb vor Ort | diversitycamp17 – Eine Un-Konferenz der Vielfalt

Diversitycamp Vienna, 29mai2017, Wien, diversitycamp17

 

Diversitycamp 17: Das Novomatic-Forum als Location, ein gutes Catering eines sozialökonomischen Betriebes, 100 interessierte Besucher und Besucherinnen. Eigentlich alles da, was eine gute Veranstaltung braucht. Alles? Nur eines nicht: Ein fixes Programm. Denn das machen die Teilnehmer bei einem „Barcamp“ selbst. Und so war es auch diesmal, beim 2. diversitycamp vergangenen Montag, 29mai2017. Peter Rieder war für HRWeb vor Ort.

Barcamp: Vom Nerds-Treffen zur Business Veranstaltung

Barcamps wurden früher vor allem von Programmierern organisiert. Dabei zeigte man sich gegenseitig eigens Programmiertes und tauschte sich über Codes und neue Programme aus. Heute gibt es Barcamps bereits in vielen Kontexten. Nur nicht in Österreich. Doch das haben Manuel Bräuhofer (brainworker) und Manfred Wondrak (factor-D), die auch die fair.versity verantworten, letztes Jahr geändert und das diversitycamp ins Leben gerufen. Dabei treffen sich Diversity-interessierte Menschen aus verschiedenen Branchen zum Austausch. Das Programm geben sich sich dabei selbst.

Ich war das erste Mal auf einem Barcamp und war verblüfft von der Vielfalt der Themen und Ideen. In Summe 16 „Slots“ wurden am Beginn der Konferenz von den Teilnehmern befüllt. Dabei waren Themen wie „Messbarkeit von Diversity Management“ ebenso wie „Warum erhalten Betriebe so wenige Bewerbungen von Menschen mit Behinderung?“. Was gleich auffällt: Während sich in anderen Formaten Teilnehmer rasch ausklinken, wenn ein Thema sie nicht betrifft, ist hier rege Beteiligung zu sehen. Nicht nur beim Erstellen der Agenda, sondern auch beim Besuch der Beiträge. Vier von 16 konnte man dabei wählen.

Vielfältige Beiträge und vielfältige Gruppen

Die Gruppen waren dabei ebenso bunt wie die Beiträge selbst. Ich habe mich für den ersten Teil für das Thema „Diversity Management in internationalen Unternehmen“ entschieden. Gastgeber Philipp Gaggl, CSR Manager der Novomatic, hatte dieses Thema ins Rennen geschickt. Der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern großer Unternehmen hat uns rasch gezeigt, wie anspruchsvoll, aber auch komplex Diversity Management über die Landesgrenzen hinaus ist. Unterschiedliche Auslegungen, Rechtslagen, aber auch Themensensibilität müssen auf einen gemeisamen Nenner gebracht werden und entgegen der Vielfalt auch bis zu einem gewissen Grad vereinheitlicht werden.

Danach hat es mich zum Thema „Spielend in die Köpfe der Mitarbeiter“ gezogen. Gerade Diversity-Trainings haben häufig das Problem, sehr kopflastig zu sein und zu wenig ins Erleben zu gehen. Gamification ist daher ein wichtiger Bestandteil von Trainings und sollte auch in Diversitätsschulungen seinen Platz haben. Dies ist hier insoferne von Bedeutung, als dass Diversity-Sensibilität vor allem mit der eigenen Einstellung gegenüber „dem Fremden“ eng gekoppelt ist. Und ein gutes Diversity-Training viel Auseinandersetzung mit einem selbst beinhalten sollte – als Basis für die Arbeit an und in der Organisation.

Und noch mehr Austausch

Nach dem Mittagsimbiss – wohl eher ein ganzes Menü – habe ich mich dann der Frage „Warum erhalten Unternehmen so wenige Bewerbungen von Menschen mit Behinderung?“ gewidmet. Die Fragestellung war auch in der Austauschrunde symptomatisch zu spüren. Eine gewisse Ratlosigkeit hat sich bei den Beteiligten breit gemacht und diese wurde gepaart mit der Einsicht, dass gerade in dieser Austauschrunde viele Vertreter von sozialen Organisationen, aber kaum welche aus Unternehmen zu finden waren. Auch das kann ein Barcamp leisten: Die Zusammensetzungen der Gruppen, die die Teilnehmer ja selbst wählen, spiegeln auch häufig eine Problemlage gut wider. Und mit der Einsicht, dass es von beiden Seiten hier neue Herangehensweisen braucht, sind wir dann auseinandergegangen.

Zuletzt hatte ich noch die Ehre, selbst eine Session zu leiten. Ohne konkrete Vorbereitung ist das wirklich herausfordernd, aber lohnend. Nun gut, ein wenig Vorbereitung hatte ich schon, zumal ich unser „ZukunftVIELFALT Diversity Planning Tool“ den kritischen Augen der Diversity Community vorführen wollte. Auch dafür eignet sich das Format gut. Die Rückmeldungen der Besucher haben mich bestärkt, dass unser Versuch, Diversity Management über Tools einfacher zu machen, sinnvoll ist und jedenfalls weiterverfolgt werden muss.

Dafür, dass es kein Programm gab, war es ganz schön viel

Phu! Nach vier Sessions bin ich ganz schon erledigt. Auch wenn es kein offizielles Programm gibt, so kommt doch ein sehr intensiver Austausch zustande und alle bringen sich nach ihren Möglichkeiten ein. Dabei würde eigentlich das „Gesetz der Füße“ gelten. Es ist also auch möglich, eine Session zu verlassenund zu wechseln. Jeder bleibt nur so lange dabei, wie es für ihn/sie interessant ist. Das habe ich nicht gemacht, weil spannend war es allemal. Und auch das Feedback der Teilnehmer zum Schluss gibt dem Format Recht. Es ermöglicht einen echten Austausch ohne den Anspruch auf Perfektion, aber mit klarer Struktur und vor allem interessensgeleitet, was im Sinne der Lernpsychologie eine der wirkungsvollsten Arten des Lernens ist. Also ich kann nur sagen: Ein sehr inspirierender Tag und viele Gründe, 2018 wiederzukommen!


Weiterführende Infos

www.diversitycamp.at

Twitter #diversitycamp17

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