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Train the Trainer-Ausbildung | Teambuilding-Übungen müssen alle Trainer einflechten können?

Train the Trainer: ist es auch für angehende Trainer, die sich künftig nicht dem Teambuilding verschreiben werden, wichtig, sich mit gruppendynamischen Übungen auseinanderzusetzen und sich einen kleinen Koffer an Teambuilding Ideen zuzulegen? Ja – nein – weshalb – welche – zu welchem Zweck?

 

 

So offen werfe ich diese Frage meiner Experten-Runde zu. Sie ist Teambuilding- und Train-the-Trainer-versiert, fängt die Frage gekonnt auf und spielt sie aus unterschiedlichen Richtungen an:

Train the Trainer: ist es auch für angehende Trainer, die sich künftig nicht dem Teambuilding verschreiben werden, wichtig, sich mit gruppendynamischen Übungen auseinanderzusetzen und sich einen kleinen Koffer an Teambuilding Ideen zuzulegen? Ja – nein – weshalb – welche – zu welchem Zweck?

Mag. David Kupfer, MSc (Wildniszone): In meinem Arbeitsverständnis in dieser Thematik kommt man um gruppendynamische Übungen nicht herum – zumal sie ein enormes Potential haben. Sofern also jemand vorhat, mit gruppendynamischen bzw. handlungsorientierten Übungen zu arbeiten, macht es unbedingt Sinn, sich ein entsprechendes Repertoire anzueignen. Allzu oft ist es leider der Fall, dass ein Trainer die eine coole Übung die er kennt einsetzt, obwohl sie eigentlich nicht zum im Raum stehenden Thema passt. Ein weiterer häufiger Fehler ist wohl auch der Einsatz von Übungen ohne einmal erlebt zu haben, wie man sich selbst dabei fühlt. Um versiert und kompetent ein breites Spektrum an Übungen einsetzen zu können, halte ich es für wichtig, eine spezielle Ausbildung bzw. Fortbildung in diesem Bereich absolviert zu haben – neben einer Übungsvielfalt geht es dabei auch um Sicherheit, Reflexion, Alltagstransfer sowie Möglichkeiten, unterschiedliche Übungen an unterschiedliche Gruppen anzupassen.

Mag. Petra Koinig (ITO): Für alle Trainingsbereiche ist Methodenvielfalt empfehlenswert. Die Zielsetzungen können unterschiedlich sein. Von einfachen Auflockerungsübungen bis hin zu komplexeren Übungen, die Themen wie verhandeln, sich durchsetzen oder Konflikte lösen mit Erfahrungslernen untermauern.

Anna-Maria Muck, MSc (next level consulting): Egal welche Literatur man heranzieht, Teambuilding kann in verschiedene Phasen unterteilt werden (vgl. hierfür Teamphasen nach Tuckman (1977), wissenschaftlich jedoch veraltet. Aktueller: Teaminterventionen nach West (1994)). Eines ist fix: Die Anfangsphase ist immer geprägt von Unsicherheit. Kennen Sie dabei folgende Situation: Sie kommen als Teilnehmer in ein Training, grüßen freundlich die anderen, setzen sich hin, spielen mit dem Handy, checken Mails – aber warten vorsichtig ab bis der Trainer etwas vorgibt?  Dieses Verhalten ist vollkommend normal, als Trainer gilt es besonders am Anfang, den Rahmen aufzubereiten für eine energievolle Zusammenarbeit. Dies geling dadurch, dass gegenseitige Kennenlernen nicht zu kurz zu gestalten (und dabei nicht immer dieselbe langweilige Vorstellungsrunde zu wählen, sondern bewusst andere Varianten auszuprobieren), den Ablauf des Trainings zu erklären, Erwartungen und Befürchtungen aus dem Weg zu räumen und gemeinsam Spielregeln aufzustellen. Zudem kann man Elemente des Storytellings nutzen, um die Gruppe schnell zusammenzuführen. Ich nutze dies beispielsweise bei meinen Trainings zur Prüfungsvorbereitung auf Projektmanagement-Zertifizierungen. („Liebe Teilnehmer, der Zeitpunkt ist gekommen, der Countdown läuft. Jeder von euch hat den Koffer für die Reise zum zertifizierten Junior Projektmanager gepackt, der eine ist schon ein erfahrener Reisender, der andere noch nicht so vertraut, wir alle haben das selbe Ziel…)

Günther Mathé (careercenter): Eine gewissen Gruppendynamik findet in jedem Seminar statt und auch in jeder längeren Ausbildungsreihe. In einer Trainerausbildung muss man lernen, wie ich als Trainer Gruppenprozesse und Gruppenphasen einleiten und steuern kann. Das bedeutet mitunter, dass bei mehrmoduligen Seminaren nicht durchgängig tolle Stimmung sein kann. Ein guter Trainer führt die Gruppe aus einem Tief wieder raus und lässt für den Ausbildungszeitraum zu einem gut kooperierenden Team zusammen wachsen.
Gruppendynamische Spiele oder auch Kooperationsspiele genannt, geben einer Gruppe eine Aufgabe, die die Gruppenmitglieder in Kooperation lösen müssen. Beobachtet werden dabei typische gruppendynamische Abläufe wie den Kampf um den Platz als Rudelsführer, Streitigkeiten um Herangehensweisen, Vorgangsweise mit Mitläufern und passiven Teilnehmern. Das Spiel dient als Aufzeigen von Verhaltensweisen aus dem Alltag, die im Anschluss besprochen und reflektiert werden.
Teambuilding soll die Zusammenarbeit der Team Mitglieder fördern. Aus mehreren Einzelpersonen lässt man ein funktionierendes Team entstehen. Die Mitglieder müssen sich kennen lernen, kooperieren und ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Teambuilding wird durchgeführt um aus einem bunten Haufen verschiedener Persönlichkeiten möglichst schnell und konfliktfrei ein gut zusammenarbeitendes Team zu entwickeln. Wichtig dabei zu beachten, dass ein gutes Team die Teamphasen (Tuckman) durchläuft und für jede Phase eignen sich andere Übungen und Spiele (forming: Kennenlernspiel, storming: Feedbackübungen, norming: Vertrauensspiele, performing: Kommunikationsübungen, adjourning: Abschlusszeremonien)

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Für angehende Trainer ist es wichtig einen Methodenkoffer an Übungen zu haben – es sollten bei Fachtrainern keine gruppendynamischen Übungen sein, sondern eher Übungen zur Auflockerung, Konzentration, Bewegung – vor allem wenn ein Fachgebiet hohe Konzentration erfordert.
Generell sollten angehende Trainer darin geschult sein, lebendige Trainings zu designen und abzuhalten, was auch bei erfahrenen Trainern nicht immer der Fall ist.
Wissen über Gruppendynamik brauche ich als FachtrainerIn um positive Dynamik gekonnt zu erzeugen und lernfördernd einzusetzen und sollte die Dynamik einmal kippen, brauche ich einige Tools, um wieder eine konstruktive Lernatmosphäre herstellen zu können.

Günther Marincelj (GfP): Ich finde, das muss man klar in Gruppendynamik und Teambuilding trennen. Für einen Trainer ist es unumgänglich die gruppendynamischen Prozesse in einer Gruppe zu verstehen, erkennen und entsprechend reagieren zu können. Daher braucht es auch einen gut ausgestatteten Methodenkoffer, um diese Dynamiken zu gestalten. Dazu zählen zumindest Kennenlernübungen, Icebreaker, Erwartungsabfragen, Reflexions- und Partizipationsmethoden, Konfliktbearbeitung und Feedback.
Explizite Methoden und Übungen zur Unterstützung der Teamwerdung braucht ein Trainer, der in diesem Feld nicht tätig ist, meiner Meinung nach nicht.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Dem stimme ich in jeden Fall zu. Methodenvielfalt ist eine wichtige Kompetenz als Trainerin oder Trainer. Die Kunst die geeignete Methode dafür auszuwählen wird durch Erfahrung geschärft. Abraten würde ich, Übungen  einzusetzen, nur weil das so üblich ist und/oder die zu lange andauern.

 

 



Die Interview-Partner:

Michaela Baumgartner
Geschäftsführerin

Group Austria – besser leben mit Bildung

www.group-austria.at

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Anna-Maria Muck, MSc
Trainerin, Projektleiterin

next level consulting

www.nextlevelconsulting.com

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Mag. Petra Koinig
Trainerin, Consultant, Coach

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

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Günther Mathè, MBA
Geschäftsführer

careercenter e.U.

www.careercenter.at

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Günther Marincelj
Trainer und Berater

GfP – Gesellschaft für Personalentwicklung

www.gfp.at

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Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin / Eigentümerin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at


Mag. David Kupfer, MSc

Wildniszone


selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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