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Sabbatical – großer Wunsch, aber seltene Realität

Bei zahlreichen Unternehmen wird oder wurde das Thema Sabbatical – also die Möglichkeit einer längeren Auszeit vom Job – bereits diskutiert. Realisiert ist es jedoch vergleichsweise selten. Dabei würde sich eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten eine solche Option wünschen, wie eine Studie im Auftrag des Büroartikel-Lieferanten Viking zeigt.

Siehe auch

Sabbatical – ein großer Wunsch

Insgesamt 304 Personen, unselbständig Erwerbstätige verschiedenster Branchen, wurden zu ihren Wünschen bezüglich Sabbatical befragt. Die Antworten fallen deutlich aus: 84,8% der Befragten, die noch kein Sabbatical gemacht haben, würden ein solches gerne in Anspruch nehmen.

Die Motive dafür sind höchst unterschiedlich. Die Top-3-Gründe sind Reisen, berufliche Neuorientierung und Auszeit von einem stressigen Job, wobei Reisen vor allem bei den unter 44-Jährigen der Top-Grund war, während die Auszeit aus einem stressigen Job für die 45+ Jährigen der Hauptgrund war.

 

Sabbatical – großer Mehrwert und einige Risiken

Einige der Befragten hatten bereits ein Sabbatical absolviert. Auch hier waren die berufliche Neuorientierung, Reisen und Auszeit aus einem stressigen Job die Hauptgründe. Wobei die Neuorientierung deutlich vorne lag.

Genau hier liegt aber die Problematik, die viele Betriebe, mit denen ich arbeite, zögern lässt, eine solche Auszeit anzubieten. Zwar berichten über 60%, dass sie nach der Sabbaticalzeit glücklicher waren. Auch hatten sie mehr Energie und fast die Hälfte meinte, dass sie danach weniger gestresst waren. Jedoch zeigte sich auch, dass in der Gruppe der 18-24 Jährigen die Mehrheit danach zu einem anderen Unterehmen wechselte. Auch in der Gruppe der 35-44 Jährigen wechselte noch die Hälfte. Während sich von den 25-34 Jährigen jeder Zehnte selbständig machte. In den älteren Beschäftigtengruppen (ab 45 Jahren) blieben die meisten auch nach der Auszeit ihren Arbeitgebern treu.

Grafiken: © Viking/Search Laboratory

Sabbatical muss gut geplant sein – vor allem von Arbeitgeberseite

Bereits in unserem Artikel „Sabbatical – was Sie besser vorher wissen sollten“ haben wir aufgezeigt, welche Planung für ein Sabbatical-Modell sinnvoll ist. Die vorliegenden Studienergebnisse zeigen aber vor allem eines, das ich bei Kunden auch immer wieder feststelle. Nämlich Sabbaticalangebote, vor allem für die jüngere Zielgruppe, bergen auch ein hohes Risiko, dass diese Personen danach nicht mehr im Unternehmen beschäftigt sein möchten.

Wesentlich ist daher, sich über die Ziele und den Business Case für ein Sabbatical-Modell im Vorfeld vollkommen klar zu werden. Zwar kann ein Sabbatical auch der allgemeinen Arbeitgeber-Attraktivität dienen; jedoch zeigt sich, dass es für das Unternehmen unter Umständen zufriedenstellender sein kann, dieses etwa an einen gewisse Zugehörigkeitsdauer zu koppeln, mit dem klaren Ziel der Regeneration. Es ist legitim, dass Beschäftigte, die 15 oder 20 Jahre im Erwerbsleben stehen bzw. einem Unternehmen angehören, den Wunsch hegen, sich für einige Monate eine Auszeit zu gönnen. Diese hat viele positive Aspekte und trägt zudem dazu bei, dass die Leistungsfähigkeit wirklich bis zum Pensionsalter erhalten bleibt. In dieser Zielgruppe ist die Loyalität zum Einen höher, aber vor allem gibt es ein klares Ziel der Erholung.

Arbeitgebern kann daher nur angeraten sein, sich ausreichend Zeit zu nehmen, um die Zielsetzungen, Profiteure und den Business Case genau zu definieren. In Branchen mit besonders schwankenden Auslastungen kann natürlich ein Sabbatical auch für jüngere Beschäftigte für beide Seiten Sinn machen. Uneingeschränkt und nur der Attraktivität dienend, kann ein solches aber nicht empfohlen werden. Allerdings sollten sich alle Arbeitgeber, die Angst davor haben, dass ihnen die Beschäftigten nach der Auszeit davonlaufen, stattdessen dringend Gedanken machen, welche Arbeitsbedingungen, Führung und welchen Sinn sie diesen bieten, dass sie den Ausstieg nach der Auszeit so zu fürchten haben.


Weitere Informationen

Artikel zur Studie im Viking Blog: http://blog.vikingdirekt.at/sabbaticals-oesterreich/

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Ein Kommentar

  1. Ellen Kleila am

    Sehr geehrter Herr Rieder,
    ich habe mit großen Interesse Ihren Artikel gelesen und finde ihn höchst informativ. Vor allem bestätigen die Zahlen mir, dass über die Hälfte der Befragten von Zeit zu Zeit eine Neuorientierung braucht. Ich arbeite als Coach mit Nonfiktionalem Storytelling und habe gerade eine neue Seminarform in Andalusien konzipiert. Ich biete dort sozusagen eine „Mini Auszeit“ an (www.ellen-kleila.de). Dieses Angebot könnte auch für die Firmen, für die Sie arbeiten, eine Idee sein. Man bietet im Betrieb vor dem großen Sabbatical eine kleine Auszeit zur Orientierung an. Damit ließe sich das Sabbatical besser strukturieren und würde gleich in die richtige Richtung laufen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ellen Kleila

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