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5 Thesen zur Generation Z

In zahlreichen Betrieben werden junge Arbeitnehmer und deren Ansprüche an die Arbeitswelt aktuell diskutiert. Teilweise sehr kontroversiell. Man scheint sich nicht so recht klar zu sein darüber, wie man mit den Jungen umgehen soll. „Die bleiben nirgends lang!“, „Die wollen keine Verantwortung!“ bis hin zu „Die sollen man gescheit arbeiten und dann schauen wir weiter!“ reichen die Befunde. Und tatsächlich, die Generation Z ist erfrischend anders. Sie zu negieren, wäre fatal. Aber wie mit ihr umgehen? Aus zahlreichen Gesprächen und einiges an Literatur habe ich 5 Thesen dazu zusammengestellt.

1. These zur Generation Z: Die Jungen sind nicht illoyal – sie glauben uns nur nicht mehr alles!

Gemeinhin werden als „Generation Z“ all jene bezeichnet, die nach 1995 geboren sind. Diese Zuordnung nach Jahreszahlen ist zwar – wie bei allen anderen Generationen auch – nicht unumstritten, da sie eben auf Jahren basiert und nicht auf einem gemeinsamen Werteverständnis, aber sie hat sich in der Populärliteratur durchgesetzt.

Ein Mitarbeiter, der 1996 geboren ist, war 2008 zwölf Jahre alt. Ein Alter, in dem man sich erstmals intensiver mit seiner Umwelt, Politik oder dar Wirtschaft auseinanderzusetzen beginnt. Seit diesem Zeitpunkt sind die Medien jedoch voll von Schreckensmeldungen. Die Wirtschaft geht den Bach hinunter, Zinsen gibt es keine mehr, Massenentlassungen, Orientierungslosigkeit.

Und genau dieses Umfeld hat auf die Vertreter der Generation Z besonders abgefärbt. SIe verhalten sich ähnlich wie Menschen in echten Krisenregionen. Was habe ich heute im Börsel? Warum sollte ich glauben, dass es das Unternehmen (und damit vielleicht mich als Mitarbeiter) in einigen Jahren überhaupt noch gibt? Und wieso sollte sich an diesem Zustand etwas ändern?

Vor diesem Hintergrund und mit diesen Fragen im Hinterkopf, ist die Generation Z vor allem eines: realistisch. Oder können Sie uns für die kommenden 10 Jahre die Entwickung und Strategie Ihres Unternehmens genau darlegen? Die meisten Vorstände können das in unserer volatilen Welt nicht. Sicherheit wird heute nicht mehr durch Langzeitzugehörigkeit, die ja auch Abhängigkeit bedeutet, erlangt, sondern durch breites Aufstellen, frei sein von Abhängigkeiten und dem Blick auf das Jetzt. Das macht die Generation Z.

2. These: Work-Life-Separation statt Work-life-Balance – 9-to-5 ist in!

Was war das nicht für ein Aufschrei, als 2013 in Österreich und dann 2017 in Deutschland eine Befragung von Studierenden gezeigt hat, dass über ein Drittel von ihnen gerne in den öffentlichen Dienst möchten. Verteufelt hat man die Arbeitmoral der Jungen. Betrachtet man es jedoch mal aus deren Augen, dann ist der Wunsch nach klarer Trennung von Beruf und Privatleben und das Ablehnen von nicht absolut notwendiger Mehrleistung nur allzu nachvollziehbar. „Die Mitte-50-jährigen, die ihr alle in den letzten 10 Jahren hinausgeworfen habt, haben alle brav ihre Überstunden gemacht. Und hat es ihnen genutzt? Nein. Also!“ könnte die entsprechende Denke der Generation Z lauten.

Außerdem: YOLO. You only live once. Betrachtet man die Tatsache, dass ein Mann in Österreich statistisch realtiv sicher nicht öfters als zwei Mal Vater wird und in seinem Leben vermutlich mindestens 40 Jahre arbeiten muss, erscheint es geradezu kleinlich, wegen in Summe zwei mal zwei Monaten Väterkarenz überhaupt zu diskutieren. Denn genau das will die Generation Z nicht mehr.

3. These: Content beats position – oder: Führung wird unattraktiv!

Neben der Work-Life-Separation gibt es noch andere Anziehungspunkte, etwa jene der Jobsicherheit, aber vor allem jene nach einer intellektuell herausfordernden Aufgabe. Und diese Faktoren werden bei jungen Leuten deutlich höher gewertet als die Möglichkeit der Führung. Denn nochmals: Führung im Sandwich bedingt auch Abhängigkeit. Und die lehnt die Generation Z zunehmend ab. Zudem ist der Preis, der mit Führung häufig verbunden ist (permanente Erwartung der Erreichbarkeit, Verfügbarkeit, Mehrleistung, Reisebereitschaft, …) ein Hoher, den viele in der Generation Z mit Blick auf ihre eigenen Eltern (von denen sie nichts hatten) nicht mehr zu zahlen bereit sind.

4. These: Freizeit ist die neue Währung – weg mit All-in & co.

Mehr und mehr Betriebe befassen sich mit Modellen von mehr Freizeit statt mehr Geld. Hornbach Österreich führt gerade die 6. Uraubswoche ein für alle ab Beginn des 2. Dienstjahres, einige Kollektivvertrräge haben entsprechende Regelungen zur Umwandlung der Valorisierung in Freizeit.

Freie Zeit wird immer mehr zur Währung der Gegenwart. Die Generation Z hat verstanden, dass All-in-Verträge und Überstundenpauschalen Menschen zu unökonomischem Arbeitsverhalten anstiften und zudem zu Lasten der Work-Life-Separation gehen. Entsprechend unanttraktiv werden solche Modelle heute auch häufig gesehen und der Wunsch nach mehr Freizeit klarer artikuliert als bisher.

Natürlich ist die Generation Z auch an ausreichend Geld interessiert. Ein inhaltlich spannender Job mit einer ansprechenden Bezahlung für eine klare Zeitdauer, aber ohne Führungsverantwortung, ist das Ideal. Aber sie ist nicht mehr wie viele Generationen vor ihr bereit, ihre gesamte Lebenszeit zu opfern, um Karriere zu machen, zumal auch „Karriere“ für die Generation Z mehr ist als nur Job.

5. These: Der Teich ist klein – Bagatellisieren keine Option

Wer sich nun denkt, „die sollen doch einfach mal arbeiten, wir mussten das auch“, der hat vermutlich mit dem zweiten Teil des Satzes Recht, allerdings ist das Herunterspielen der Bedürfnisse der Generation Z auch eine kurzsichtige Herangehensweise. Denn auch wenn alle von Fachkräftemangel sprechen, die echte Verknappung hat noch gar nicht stattgefunden.

In den 60er Jahren hatten wir Kohortengrößen von rund 130.000 – 140.000 Personen (Geborene je Jahrgang). In den 2000ern waren es gerade mal zwischen 70.000 und 80.000, die jährlich das Licht der Welt erblickt haben. Noch sind die 60er Geboreren im Erwerbsleben (zumindest zum Teil). Doch nicht mehr lange und wir sprechen jetzt schon davon, dass uns 160.000 Fachkräfte in Österreich fehlen.

Wer die Bedürfnisse der Generation Z nicht ernst nimmt, könnte bald vor einem veritablen Image- und Personalproblem stehen. Denn die Generation Z verlangt von uns, dass wir Menschen in ihren Lebensphasen ernst nehmen, ihnen zuhören und solide Vereinbarungen eingehen, von denen beide Seiten gut profitieren. Und wenn wir ehrlich sind: So schwer ist das nun auch wieder nicht. Oder wollen Sie nicht in ihren Lebensphasen für voll genommen werden?

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4 Kommentrare

  1. Christoph Stieg am

    Lieber Peter,
    sehr treffende Punkte, gute Orientierung und mit objektiven Material untermauert. Gefällt mir, danke.
    Was empfiehlst du entsprechend, insb. einem verhältnismäßig kleinen Unternehmen, das in der Gestaltung weniger Möglichkeiten hat, um trotzdem/ gerade deshalb ein attraktiver Arbeitgeber sein zu können?
    Beste Grüße, Christoph

  2. Peter RIEDER am

    Lieber Christoph,
    danke für das nette Lob.
    Also familienfreundliches Führungsverhalten, Mitarbeiter_innen in ihren Lebensphasen ernst nehmen und entsprechend offen auf ihre Bedürfnisse eingehen, klare Abgrenzungen zwischen Beruf und Privat und entsprechende Orientierung für alle Beteiligten schaffen, sind für mich keine Punkte, die etwas mit der Größe eines Betriebes zu tun haben. Im Gegenteil: gerade kleinere Betriebe können informell odft Dinge viel rascher und zufriedenstellender lösen als große.
    Wenn es darum geht, wie man auf sich aufmerksam macht bei der Generation Z, dann genau so. Indem man diese Ounkte kommuniziert, Regionalität, naher Arbeitsplatz, klares Ende, … herausstreicht.
    Liebe Grüße,
    Peter

  3. Walter Haselsteiner am

    Endlich mal eine fundierte, faktenbasierte und nachvollziehbare Herausarbeitung dessen, was die die sogenannte Generarion Z ausmacht. Kann ich zusätzlich auch aus dem persönlichen Erfahrungsschatz als in den 60-er Geborener mit Kindern der Gen. Z bestätigen.

    Schöner Artikel, Danke!
    Walter Haselsteiner

  4. Peter RIEDER am

    Sehr geehrter Herr Haselsteiner,
    vielen Dank für das tolle Feedback. Das freut mich wirklich sehr.
    Liebe Grüße,
    Peter Rieder

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