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Dienstzeugnis Codes | Die Arbeitszeugnis-Formulierungen zwischen den Zeilen

Dienstzeugnis Codes aus der Sicht des Bewerbers: das Arbeitszeugnis beschreibt das WAS und vor allem auch das WIE Ihrer Tätigkeit. Die Zufriedenheit des Arbeitgebers mit Ihrer Arbeitsleistung und Ihrem Sozialverhalten. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Formulierungen zwischen den Zeilen.

Wenn Sie aus einem Unternehmen ausscheiden, haben Sie laut Angestelltengesetz (§39) Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Diesen Anspruch sollten Sie auch einfordern, damit Sie Ihre Tätigkeiten für zukünftige Bewerbungen nachweisen können.

Die Art und Weise wie dieses gestaltet ist, unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Stellen die einen ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aus, beschränken sich die anderen auf ein so genanntes einfaches Arbeitszeugnis.

Einfaches Dienstzeugnis versus qualifiziertes Dienstzeugnis

Im qualifizierten Dienstzeugnis werden im Gegensatz zum einfachen Dienstzeugnis Aussagen zu Ihren Tätigkeiten getroffen. Zusätzlich enthält ein qualifiziertes Arbeitszeugnis Einschätzungen zur Qualität Ihrer Leistung und Ihrem Sozialverhalten. Das ist im einfachen Arbeitszeugnis nicht der Fall. Abgesehen von der Tatsache, dass Sie einen Eindruck über die Zufriedenheit Ihres Arbeitgebers erhalten, sind zukünftige Arbeitgeber sehr an der getroffenen Einschätzung interessiert. Sie sehen diese als Unterstützung bei der Entscheidung, ob Sie zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden oder nicht.

Obwohl Ihr Arbeitgeber nicht zwingend eine qualifizierte Stellungnahme abgeben muss, sollten Sie diese dennoch einfordern. Auch wenn es in manchen Unternehmen Standard ist nur ein einfaches Arbeitszeugnis auszustellen, kann dieses bei zukünftigen Arbeitgebern den Anschein erwecken, dass Ihre Arbeitsleistung nicht zufriedenstellend war.

Tipp!

Wenn der Personaler sich aber darauf nicht einlässt, so sollte er im Zeugnis vermerken, dass das Unternehmen grundsätzlich nur einfache Arbeitszeugnisse ausstellt. Damit wissen zukünftige Arbeitgeber, dass die Art des Arbeitszeugnisses nicht zwingend etwas mit der Zufriedenheit mit Ihrer Tätigkeit zu tun hat (aber haben kann).

Inhalte qualifiziertes Dienstzeugnis

Wenn Sie ein qualifiziertes Dienstzeugnis erhalten, sollte dieses zumindest folgende Inhalte aufweisen:
gedruckt auf einem offiziellen Briefpapier

  • ausgewiesen als Arbeitszeugnis
  • persönliche Daten wie Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Dauer Ihrer Anstellung und Positionsbezeichnung
  • eine Auflistung Ihrer Haupt- und Nebentätigkeiten
  • eine Bewertung der Qualität Ihrer Tätigkeiten und des Sozialverhaltens
  • Schlussformulierung
  • Ort, Datum und Unterschrift mit Firmenstempel

Dienstzeugnis Formulierungen, die lt. Gesetz verboten sind

Laut Angestelltengesetz ist das Unternehmen aber nur verpflichtet,

„bei Beendigung des Dienstverhältnisses dem Angestellten auf Verlangen ein schriftliches Zeugnis über die Dauer und die Art der Dienstleistung auszustellen. Eintragungen und Anmerkungen im Zeugnis, durch die dem Angestellten die Erlangung einer neuen Stelle erschwert wird, sind unzulässig.“

Das Gesetz verbietet also Zeugnisse, die es Ihnen erschweren einen neuen Job zu bekommen.

Dienstzeugnis Codes: Formulierung der Bewertung

Wie bereits erwähnt sind Arbeitgeber dazu verpflichtet keine negativen Aussagen im Arbeitszeugnis zu treffen. Da Personaler aber auch keine geschönten Arbeitszeugnisse ausstellen werden, haben sich Formulierungen / Codes etabliert, die zwar nicht negativ klingen aber dennoch versteckte Kritik beinhalten.

Wenn wir uns am Schulnotensystem orientierten, können wir die Formulierungen bezüglich der Zufriedenheit in etwa so übersetzen:

Tabelle: Arbeitszeugnis Codes: was die Dienstzeugnis Formulierungen verraten
Note 1 Die Formulierungen beinhalten den Superlativ „stets zur vollsten Zufriedenheit“
Note 2 „stets zur vollen Zufriedenheit“ ist zwar gut, aber noch lange nicht ausgezeichnet
Note 3 „zur vollen Zufriedenheit“ deutet darauf hin, dass Ihre Leistung höchstens befriedigend war
Note 4 wenn Sie Leistungen „zur Zufriedenheit“ erbracht haben, könnte sich diese Formulierung negativ auf zukünftige Bewerbungen auswirken
Note 5 die Beurteilung Ihrer Leistung mit „zufrieden“ sollten Sie keinesfalls akzeptieren, da damit Ihre Chancen am Arbeitsmarkt definitiv gegen O sinken.

Die Schlussformulierung im Dienstzeugnis

Nicht nur die Formulierungen, die die Zufriedenheit mit der Erfüllung Ihrer Tätigkeiten betreffen, sind ausschlaggebend für Ihre Chancen am Arbeitsmarkt. Ein wesentliches, wenn nicht sogar das wesentlichste, Merkmal ist auch die Formulierung am Schluss. Diese gibt Aufschluss darüber, ob Ihr Arbeitgeber Ihr Ausscheiden bedauert oder vielleicht sogar froh darüber ist.

Sehen Sie sich auch an, ob Ihr Arbeitgeber Ihnen „weiterhin viel Erfolg“ wünscht oder „viel Erfolg“. Ersteres impliziert, dass Sie bisher bereits erfolgreich waren, während die zweite Formulierung aussagt, dass der Erfolg bisher ausblieb sich aber möglicherweise zukünftig einstellt.

Kann ich ein Arbeitszeugnis anfechten?

Wenn Sie mit der Formulierung nicht einverstanden sind oder Ihnen etwas unklar erscheint, sollten Sie dies in jedem Fall mit dem zuständigen Personaler besprechen. Dieser ist aber nicht dazu verpflichtet, das Arbeitszeugnis nach Ihren Wünschen auszustellen. Die Art und Weise wie Sie aus dem Unternehmen ausscheiden, bestimmt hier wahrscheinlich auch das Entgegenkommen der Personalabteilung.

Sie sehen, dass das Arbeitszeugnis nicht einfach nur ein Blatt Papier ist, sondern dass sich darin durchaus wichtige, wenn auch manchmal versteckte, Informationen finden, welche für Ihr berufliches Weiterkommen ausschlaggebend sein können.

 


Gast-Autorin

Lisa-Maria Gnant, BA war viele Jahre im HR in der IT und Automotive-Branche tätig. Seit März 2019 ist sie Teil von qualityfox, einem StartUp aus Wieselburg im Bereich Personalvermittlung exklusiv für die Qualitätsbranche. Qualityfox rekrutiert und vermittelt qualifiziertes Personal, bietet eine Stellenbörse für Jobausschreibungen. Zusätzlich bietet einen Talent-Pool für Kandidaten. Und Qualityfox bietet eine Plattform für Interim-Manager, die offene Positionen kurzfristig abdecken oder Ihre Inhouse-Talente trainieren.

www.qualityfox.at


 

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Ein Kommentar

  1. Andrea am

    Ich zweifle den Sinn eines Arbeits- oder Dienst Zeugnisses schon lange an. Man darf ohnehin nicht die Wahrheit schreiben, wenn man mit jemandem nicht zufrieden war. Es wäre fast sinnvoller eine Arbeitsbestätigung daraus zu machen, aus welcher einfach hervorgeht, welche Tätigkeiten der- oder diejenige ausgeübt haben.

    Was bringt denn so ein zeugnis. Jetzt war ich mit mit jemandem überhaupt nicht zufrieden. Klar, dass ich das so in Zeugnis nicht schreiben werde, aber wenn ich es nicht mal höflich formulieren darf sondern in Wahrheit lügen muss…

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