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Business Coaching | Interne & externe Konflikte

Welche Themen werden in Business Coaching besonders häufig besprochen? Sind es eher personen-interne Konflikte oder jene, die aus dem Umfeld entstehen? Meine Interview-Runde bitte ich um konkrete Beispiele:

 

 

Womit kommen Ihre Coachees eher zu Ihnen? Mit internen Konflikten, die die Personen in sich selbst erkennen oder mit externen Konflikten, die aufgrund des Umfeldes des Coachees entstanden?

Miglena Doneva (ITO Individuum Team Organisation): Die Beweggründe der Coachees sind sehr unterschiedlich und ich würde sagen, dass sie nicht immer etwas mit einem Konflikt zu tun haben. Die Praxis zeigt aber, dass die Coachees oft Ursachen in ihrem Umfeld sehen oder suchen, wenn sie sich in einer herausfordernden, problematischen Situation befinden und das Gefühl haben, dass sie ihre Position verteidigen oder aus der Situation raus müssen. Die Hirnforschung liefert wissenschaftliche Erklärungen dafür: in Situationen, die Stress verursachen, werden das limbische System (Emotio) und das Stammhirn (Reptilienhirn) aktiviert,  ein seit Millionen Jahren gut eingespieltes Team, das dafür sorgt, dass der Mensch überlebt und ihn in Stress-Situationen in den Modus „flight or fight“  versetzt. Jeder von uns kennt solche Situationen, in denen man sich im Kreis dreht und Lösungen nicht passen. Damit man wieder in Möglichkeiten denken kann und in einen kreativen und lösungsorientierten Zustand kommt, muss der Neocortex (Visual Brain) aktiviert werden. Das ist es, was Coaching bewirken kann! Durch Visualisierungen und offene Fragen werden neue Neuronen-Verbindungen geschaffen, die es ermöglichen, dass das Gehirn unsere Alternativen erweitert und die inneren Ressourcen zugänglich macht.

Mag. Renate Strommer (ASO & Wilak): Coaching wird aus Anlass nachgefragt. Das Außen und das Innen sind miteinander verbunden. Von außen kommt ein Reiz/Anforderung/Einladung und im Innen werden unterschiedliche Anteile aktiv. Wir sind quasi „multiple Persönlichkeiten“ und begegnen dem Anderen mit unterschiedlichen Ichs, je nach Situation, Thema, Bedürfnissen, …. Die Frage in der Begegnung ist es, welches Ich mit welchem Ich des anderen in welchem Kontext und in Bezug auf welches Thema in Interaktion tritt. Und wie kann ich gestalten.
Die Motivation in ein Coaching zu gehen, hat aus meiner Erfahrung immer beide Seiten. Die Unterschiede liegen darin,
in wieweit ein Coachee seinen eigenen Anteil wahrnimmt
ob er nur eine Strategie für das Außen sucht
ob ein Coachee nach einer bestimmten Erfahrung Coaching in Anspruch nimmt und/oder präventiv für  einen nächsten Anlass arbeiten will.
Coachees, die einen systemischen Arbeitsansatz im Coaching wählen, schauen auf beides, dem Innen und Außen, um sich kompetenzvoll und handlungsfähig einzubringen.

 

Was sind die häufigsten internen Konflikte? Weshalb gerade diese?

Aumaier Veronika (AUMAIER & Partner, Coaching): Typische innere Konflikte im Business Bereich entstehen durch unsere Antreiber, die da beispielsweise lauten: Sei stark, sei perfekt, sei beliebt etc. oder persönliche Glaubenssätze wie: Komm nie zu spät, sei stets freundlich und hilfsbereit, mach alles richtig, oder Haltungen, die auf unserem Welt- und Menschenbild basieren wie beispielsweise: Frauen müssen hart arbeiten, um sich Anerkennung und Lohn zu verdienen oder Mitarbeiter werden im Unternehmen immer ausgebeutet. Wir erhalten dieses Wertekorsett in den ersten 20 Jahren unseres Aufwachsens durch unser Erwachsenenumfeld: Familie, Kindergarten, Schule, Nachbarschaft etc. Das ist grundsätzlich sehr nützlich, um unsere Identität auszuprägen – wir sollten wissen: Wer bin ich, wofür stehe ich, was macht mich aus! Gleichzeitig ist es unsere Lebensaufgabe, dieses Wertevorstellugnen als Erwachsener zu reflektieren, zu hinterfragen ob sie noch passen und weiter zu entwickeln. Denn wenn wir unsere Wertevorstellungen zu stark einseitig betonen und darauf beharren, dann kippen sie in den Unwert und wir erleben uns im inneren Konflikt. Daher ist es wichtig unsere Balance zu finden: Wann darf ich nein sagen? Wieviel Hilfebereitschaft ist genug? Was steht mir aufgrund meiner Leistung zu? Wann darf ich mich einer Anschuldigung verwehren? Reflexion im Coaching hilft, die innere Balance zu finden und im Coaching gibt es effektive Methoden, die Haltungsänderungen nachhaltig herbeiführen. Unsere „Vernunft“ allein bringt das nicht zu Stande! Sie sagt uns, zwar, was wir denken oder tun sollten. Jedoch die ungelöste Emotion lässt uns anders reagieren.

Miglena Doneva (ITO Individuum Team Organisation): Wenn die Erkenntnisse aus dem Inneren kommen, haben diese oft mit Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl zu tun: wie sich die Coachees selbst wahrnehmen, wie viel Bewusstsein sie für die eigenen Stärken und Entwicklungsfelder haben und wie sie das nach außen transportieren. Ein weiteres, häufiges Thema ist der Weg zur Life-Balance. Aus meiner Sicht orientieren sich die Menschen in unserer Zeit viel zu sehr an den Erwartungen des Umfelds und der Gesellschaft und das bringt sie aus der Bahn.

 

Was sind die häufigsten externen Konflikte? Weshalb gerade diese?

Mag. Renate Strommer (ASO & Wilak): Soziale Konflikte werden ausgetragen, wenn es Differenzen gibt und ein „Verlust“ oder Beeinträchtigung von Interessen, Werten und Bedürfnis-Erfüllung erlebt wird. Beispiele dazu sind:
Führung-Mitarbeiterkonflikte, Zielkonflikte, Konflikte durch diffuse Rollen, Kompetenzabgrenzung, Termin- und Leistungsdruck in Zusammenhang mit Organisations- und Strukturmängel, Reorganisationsphasen, Konkurrenz und Personalentscheidungen.

Aumaier Veronika (AUMAIER & Partner, Coaching): Äußre Konflikte liegen oft im Miteinander. Entweder direkt mit einem Teamkollegen oder Chef, mit dem wir nicht übereinstimmen oder der uns schlicht unsympathisch ist, weil wir seine Handlungen und Denkweisen nicht gut heißen oder nachvollziehen können. Oder wir erleben eine Unternehmenskultur völlig unerklärlich. Es erschließt sich uns beispielsweise nicht, warum dieses oder jenes gut geheißen wird und anderes wiederum nicht. Oder es sind gruppendynamische Phänomene, die im Team wirken. Beispielsweise ungeklärte Machtverhältnisse – wie beispielsweise: Wer hat bei Abwesenheit des Teamleiters das Sagen, wer darf mir Arbeit anschaffen, wer hat mir welche Information zu liefern, wer ist eigentlich der Chef? Oder die Zugehörigkeit zum Team ist unklar, was bei Springern und Projektmitarbeitern sehr belastend sein kann: wer ist mein Team, wo gehöre ich hin, wo ist mein Platz? Sind wichtige Themen, die äußere Konflikte verursachen (und übrigens auch innere) und uns emotional stark mitnehmen können. Und last but not least ist es für uns wichtig, dass die Nähe und Distanzverhältnisse zu unseren Kollegen und zu unserem Chef im richtigen Ausmaß ist. Oft leichter gesagt als getan. Es können Karriereneid und Eifersucht entstehen, weil der Chef einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin bevorzugt. Dieses Liebkind des Chefs hat es wiederum im Team wahrscheinlich nicht schön, weil die Kollegen ihren Frust an ihm auslassen, stellvertretend für den Chef. Oder es gibt Freundschaften, Lebens- und Ehebeziehungen oder Affären, die naturgemäß die Betroffenen enger verbindet als die übrigen des Teams. Das kann zum Ausschluss oder zur Benachteiligung der anderen in der alltäglichen Zusammenarbeit führen.

 



 

Die Gesprächspartner

 


Veronika Aumaier, MAS, MSc
Eigentümerin und Geschäftsführerin

Aumaier Coaching Consulting GmbH

www.aumaier-coaching.com

Unternehmens-Profil


Miglena Doneva
Coach, Programmleiterin Coaching

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

Unternehmens-Profil


Mag. Renate Strommer
Geschäftsführerin

ASO & WiLAk GmbH

www.aso.at


selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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