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Praxistransfer | Tools: vom Seminar hinein in die Praxis

Experten-Interview

Trainings müssen in der Praxis wirksam werden. Sonst bringen sie nichts. Der Trainer ist gefragt, den perfekten Praxistransfer aus dem Hut zu zaubern. Ein Experten-Interview über konkrete Tools.

Trainer müssen sich die Tools nicht selbst überlegen – eine gute Train-the-Trainer-Ausbildung bringt den Teilnehmern unterschiedliche Tools für den zielführenden Praxis-Transfer bei. Daher wende ich mich für mein Interview genau an diese Ausbildner und bitte zum Interview.

 



 

Es geht nicht so sehr darum, wie die Train-the-Trainer-Ausbildner den Praxistransfer Ihrer eigenen Teilnehmer sicherstellen, sondern die generelle Frage ist: „Welche Tools & Möglichkeiten bringen Sie Ihren Teilnehmern bei, um sie in deren Trainerpraxis selbst anzuwenden?“ und ich gehe es im ersten Schritt sehr grundsätzlich an:

 

Welche Möglichkeiten gibt es, gezielt den Praxistransfer zu unterstützen?

Eva-Maria Kraus (New View): Der gezielte Praxistransfer beginnt in der Konzeption der Ausbildung. Die Ausbildungsinhalte Auftragsgespräch, Briefing, Konzeption, Verkaufspräsentation, Positionierung als Trainer und Umsetzung inkl. Reflexion und Nachbearbeitung muss über mehrere Module einen roten Faden ergeben und Hand in Hand miteinander gehen. Dadurch wird Real-Life-Training zum Leben erweckt und es wird mit den Themen der Teilnehmer gearbeitet. Dies bedarf einer genauen Erarbeitung des Ausbildungskonzeptes inkl. intensiver Feedbackschleifen für die Teilnehmer, um diese auf ihrem individuellen Weg zum Trainer in ihrem Bereich (Experten) zu unterstützen. Dadurch wird ständiger, individueller Praxistransfer garantiert.

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult prohaska): Am effektivsten ist es, nicht nur auf das Seminar zu fokussieren, sondern den Lernprozess umfassender zu denken. Das Seminar/Training an sich kann immer nur einen Impuls liefern und Übungsmöglichkeiten bieten. In weiterer Folge können wir als Follow Up Feedbackschleifen für das Lernen abbilden.
Der Erwerb der eigentlichen Kompetenz (automatisiertes Verhalten) erfolgt aber immer in der Praxis. Daher sind auch Führungskräfte, Personalentwickler und Rahmenbedingungen des Unternehmens mit-entscheidend. Es hilft schon, wenn Führungskräfte oder Personalentwickler vor dem Seminar mit dem Teilnehmenden kurz über Ziele und Erwartungen sprechen und nach dem Seminar abklären, welche konkreten Schritte der Teilnehmer nun umsetzen möchte und welche Unterstützung er dazu benötigt.
Von zentraler Bedeutung ist jedoch die Eigen-Motivation der Teilnehmenden. Denn Lernen ist stets ein individueller Prozess. Gegen den Willen der Teilnehmer ist kein Lernen möglich.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Das Erproben/Durchspielen von realen Situationen oder alltäglichen Arbeitsprozessen eignet sich sehr gut dazu. Auch das praktische Üben oder Anwenden der Theorie durch Erfahren mit z.B. einer bewährten Methode. Solche kombinierten Lernprozesse können dabei helfen, je nach Zielsetzung oder Ressourcen den „Lern“- Transfer zu sichern, und eine reale Handlungsstrategie für den Alltag zu gewähren. Dadurch kann ein echter Mehrwert des Erlernten und Handlungskompetenz für die Praxis entstehen.

Welche konkreten Tools eignen sich, um Nachhaltigkeit des Gelernten zu gewährleisten?

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult prohaska): Neben  klassischen Seminarmethoden zum Lerntransfer wie „Lerntagebuch“, „Brief an sich selbst“, „Lernpartnerschaften“ bzw. „Peergruppen“ etc. bietet die Digitalisierung viele Möglichkeiten. Wir können Webinare als Follow Up anbieten, Wissenschecks generieren, virtuelle Gruppen zum Erfahrungsaustausch einrichten oder regelmäßig Inputs oder kleine Aufgaben an die Teilnehmer versenden.
Auch das Lerntagebuch kann digital noch effektiver gestaltet werden: Online-Lerntagebuch: Vor und nach der Präsenzveranstaltung bekommen die Teilnehmenden Reflexionsfragen (ca. 3–5) vom Trainer gestellt, die sie innerhalb einer bestimmten Frist bearbeiten sollen. Die Antworten sind im online Lernportal für alle Kollegen ersichtlich, Kommentare dazu sollen zugelassen werden. Die Kommentare können auch eingefordert werden (z. B. jeder TN muss drei Kommentare abgeben). Das Führen des Lerntagebuchs sowie die Kommentarabgabe bringt die Teilnehmenden dazu, ihren Lernprozess zu reflektieren, bietet ihnen aber auch die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit denen ihrer Kollegen zu vergleichen. Es entstehen mithilfe der Kommentarfunktion kooperative und selbst gestaltete Lernzusammenhänge.
Durch die Antworten der Teilnehmer bekommen auch die Lehrenden schnelle Rückmeldungen über ihre Zielgruppe. Das Lerntagebuch ist somit auch eine Evaluationshilfe.  Darüber hinaus kann es als Mittel für die Erbringung von Leistungen für den Abschluss (Punkte) dienen. Denn die Anwesenheitslisten als Grundlage der Ausstellung von Seminarbestätigungen haben im E-Learning-Zeitalter ausgedient

Michaela Baumgartner (Group Austria): Es gibt 3 Regeln die immer gelten: 1. Wiederholung, 2. Wiederholung und 3. Wiederholung

Eva-Maria Kraus (New View): Das wichtigste Tool für nachhaltiges Lernen ist das eigene Erleben. Wichtig ist, Seminarübungen und Methoden kennenzulernen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass Übungen auf das jeweilige Thema adaptiert werden können. Diese Fertigkeit bedarf jedoch etwas Übung für die Trainer in Ausbildung. Aber auch neue Methoden wie Verhaltensprofile, Simulationstraining, Planspiele, Micro-Learning, digitale Tools und eLearning unterstützen den Teilnehmer in zweierlei Hinsicht: 1. Lernen durch das eigene Erleben und die Reflexion hierzu und 2. können diese Methoden nach dem Erleben im Ausbildungskontext wahlweise das individuelle Trainerrepertoire erweitern.
Generell wird Nachhaltigkeit durch das eigene Erleben und adaptive Lernprogramme wesentlich gesteigert. Daher geht der Trend und die Anforderungen an Trainer auch weg vom langen, frontalen Theorieinput hin zu Methoden und Tools der freien Lernraumgestaltung. Die Vorbereitung wird dadurch intensiver und höhere Kreativität in der Konzeption und in der Lernbegleitung wird gefordert. Auch der Spaß beim Lernen sollte nie zu kurz kommen.

Danke, das ist ein perfektes Schlusswort!

 

 



Die Gesprächspartner


Michaela Baumgartner
Geschäftsführerin

Group Austria – besser leben mit Bildung

www.group-austria.at

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Eva-Maria Kraus
Inhaberin / Trainerin

New View

www.newview.at

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Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

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selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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