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11okt | Internationaler Coming Out Day – warum die sexuelle Orientierung am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle spielt

Seit bereits 30 Jahren wird am heutigen 11. Oktober der „Internationale Coming Out Day“ begangen. Er geht zurück auf den „Second National March on Washington for Lesbian and Gay Rights“, der ein Jahr davor, 1987, stattgefunden hat. Seither soll der Aktionstag schwulen, lesbischen, bisexuellen Menschen sowie Transgender-Personen (LGBT) Mut machen, offen zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen. Leider ist dies in vielen Unternehmen bislang noch nicht möglich bzw. erfahren homosexuelle Beschäftigte Nachteile. Unternehmen ignorieren in ihrem Diversity Management oftmals das Thema der sexuellen Orientierung. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, die nahelegen, wie wichtig auch eine Beschäftigung damit ist.

LBGT Beschäftigte sind nach wie vor häufiger Diskriminierung ausgesetzt

In diesen Tagen feierte eine wichtige Business-Initiative, die agpro, die Austrian Gay Professionals, ihr 20-jähriges Bestehen. In ihrer Jubiläumsschrift „LGBTI im Business“ zeigt die Organisation auf, wie sehr schwule, lesbische, bisexuelle und transidente Personen im Arbeitsleben mit Diskriminierung und Vorurteilen zu kämpfen haben.

  • 25% der jungen Homosexuellen sagen, dass es von Nachteil ist, am Arbeitsplatz offen mit der eigenen sexuellen Orientierung umzugehen.
  • 33% der Betriebsräte berichten über respektlose Witze über LGBTI-Kolleg*innen
  • 10% der Betriebsräte wurde bereits Zeuge von beruflicher Diskriminierung von LGBTI-Kolleg*innen, besonders im beruflichen Fortkommen
  • 49% der österreichischen Unternehmen meinen, dass die Diversitätsdimension „Sexuelle Orientierung“ gar nicht relevant sei.

Häufiges Argument für Unternehmen dabei ist, dass die sexuelle Orientierung „Privatsache“ sei. Nun, so ganz grundsätzlich, auf individueller Ebene, mag das natürlich zutreffen. Allerdings gehen heterosexuelle Beschäftigte üblicherweise ganz offen mit ihrer sexuellen Orientierung um. Erzählungen über das schöne Wochenende mit der Ehefrau oder dem Lebenspartner sind ebenso üblich wie die Selbstverständlichkeit unter guten Kolleg*innen auch einmal über Probleme in der Beziehung zu sprechen. Aber können LGBTI-Beschäftigte dies auch? Die Zahlen legen nahe, dass dem nicht überall so ist. Gleichzeitig wollen Unternehmen möglichst motivierte und leistungsbereite Beschäftigte. Wie motiviert und leistungsbereit wären Sie, wenn Sie ihre (heterosexuelle) Orientierung im Berufsalltag verstecken müssten?

Coming out – ein sich ständig wiederholender Prozess

Der heutige Coming-out-Day soll LGBTI-Menschen Mut zusprechen, sich zu outen. Für viele Menschen stellt dies noch immer eine Herausforderung dar, sei es in der eigenen Familie, im Freundeskreis oder eben am Arbeitsplatz. Und häufig wird vergessen, dass Outing für diese Beschäftigten ein sich immer wieder wiederholender Prozess ist, der energieraubend sein kann. In jedem neuen sozialen Kontext muss dieser Vorgang wiederholt werden, während sich heterosexuelle Menschen niemals outen müssen. Ihre sexuelle Orientierung markiert die Norm in unserer Gesellschaft und wird daher unausgesprochen vorausgesetzt.

Im Berufskontext etwa geben 10% der am Arbeitsplatz geouteten Homosexuellen an, ihr Coming-out zu bereuen. Was allerdings dafür spricht, zeigen die 56% deren, die angeben, dass sie durch ihre Coming-out sogar Vorteile für die eigene Karriere sehen.

Warum die sexuelle Orientierung auch am Arbeitsplatz ein wichtiges Thema ist

Ein offener Umgang ermöglicht die Konzentration auf andere Bereiche und ist somit ein Beitrag zu mehr Leistungsfähigkeit. Unternehmen, die dies für ihre Beschäftigten möchten, tun daher gut daran, auch die sexuelle Orientierung als wichtige Diversitätsdimension anzusehen und LGBTI-Beschäftigten ein Arbeitsumfeld zu bieten, dass Vorurteile, Witze und Benachteiligungen ihnen gegenüber nicht nur nicht duldet sondern aktiv dagegen angeht.

Zahlreiche Betriebe unterhalten bereits eigene LGBTI-Netzwerke im Betrieb und haben eigene Ansprechpersonen definiert, an die sich die Beschäftigten mit Anliegen wenden können. Derartige Netzwerke gibt es etwa bei IBM bereits in zahlreichen Ländern, aber auch die Erste Group oder die REWE Gruppe haben in Österreich gerade ihr erstes LGBTI-Netzwerk gestartet.

Und auch als Kundengruppe haben geschickte Unternehmen, die Gruppe der nicht-heterosexuellen Menschen bereits erkannt. So verfügen etwa homosexuelle Männer einer (bereits etwas älteren) Kaufkraftstudie zufolge ein deutlich höheres frei verfügbares Einkommen sowie mehr als doppelt so oft ein Nettoeinkommen über 3.000 Euro.

Unternehmen, die dieses Thema und damit die entsprechenden Beschäftigten ignorieren, schaden somit ihrem eigenen Business. Unterschiedliche Berechnungen haben ergeben, dass der Anteil nicht-heterosexueller Menschen in Österreich irgendwo zwischen 6 und 15% liegen dürfte. (Da die sexuelle Orientierung schwer messbar ist und auch nicht gezielt abgefragt wird, werden hier jeweils Teilergebnisse aus kleineren Befragungen hochgerechnet. Urbanräume zeigen häufig höhere Werte als der ländliche Raum.). In Zeiten des akuten Mangels an guten Arbeitskräften, aber nicht nur dann, sollte auch diese wichtige Personalressource gut genutzt werden und ein Arbeitsumfeld vorfinden, im dem persönliche Entfaltung und Förderung von Potenzialen an oberster Stelle stehen.


Weitere Informationen und Quellen

  • LGBTI im Business – agpro Austrian Gay Professionals, 2018
  • Brainworker – Kulturelle Vielfalt im Business, 2018
  • AK/ÖGB Online-Umfrage von Betriebsräten, 2017
  • Boston Consulting Group – Studie „LGBT at Work 2017”

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