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Wir werden zukünftig neuen Mitarbeitern Rosen streuen

⇒ Serie: Grundsatzfragen zum Thema Führung, denen sich Human Ressource Experten stellen sollten || Teil 11

 

Der lang vorhergesagte Fachkräftemangel in der Industrie ist Realität. Finanzdienstleister beklagen imagebezogenen Bewerbermangel, Handel und Gastgewerbe gelten schon seit längerem aufgrund Ihrer Arbeitszeit- und Gehaltsbedingungen als weniger attraktive Arbeitgeber.

Unternehmen können zunehmend nicht mehr unter Bewerbern wählen – sie müssen sie umwerben!

Der schwierigste Teil, sich auf diese neue Situation einzustellen, wird für manche Führungskraft darin bestehen, die eigene Einstellung zu ändern. Der Bewerber ist nicht mehr Bittsteller, der einen Job möchte, den das Unternehmen zu vergeben hat. Er ist vielmehr ein Kunde, der über zahlreiche Angebote am Jobmarkt verfügt und überzeugt werden will, dass er sich gerade für diese eine offene Stelle entscheiden soll. Ganz neue Rahmenbedingungen, die die Karten auf dem Arbeitsmarkt zu Gunsten der Bewerber und Mitarbeiter neu mischen.

Bewerber überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch animieren zu können wird entscheidend werden

Einstiegshürden müssen demnach fallen. Der Erstkontakt mit dem Unternehmen muss so animierend wie nur möglich gestaltet werden. Die oftmals beliebte Einstiegsfrag “was wissen Sie über uns”, um damit zu prüfen, ob der Bewerber sich gebührend vorbereitet hat, ist überholt und zeigt von einer Geringschätzung, die nicht mehr passend ist. Denn selbst wenn der Bewerber sich nicht vorbereitet hat, gilt es heutzutage wertzuschätzen, dass er sich für das Unternehmen und den Job interessiert und die Zeit auf sich nimmt, sich auf ein Bewerbergespräch einzulassen. Das ist eher als seltene Gelegenheit und einmalige Chance zu werten, um ihn zu überzeugen und für sich gewinnen zu können. Wer jetzt denkt “… soweit kommt es noch! Wenn jemand so selbstgefällig ist, braucht er bei uns gar nicht vorbeikommen …” wird leer ausgehen.

Zeitgemäße Rahmenbedingungen geben den Ausschlag und sind Standard

Es wird einfach grundlegend wichtig, das Angebot an zeitgemäßen Rahmenbedingungen auf die Bedürfnisse der Bewerber auszurichten: Teilzeitarbeit, Home Office, ansprechende Arbeitsplätze, moderne Betriebsmittel, ernährungsbewusstes Essensangebot, Kaffee/Getränke gratis, Entspannungsmöglichkeiten, exklusive, individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten, Bahntickets, E-Auto, Coaching unlimitiert, Fitness Club Karte, marktgerechte Bezahlung, verkehrsgünstige Lage, Shopping Möglichkeiten in der Nähe etc

Dies alles wird Standard. Darüber hinaus wird der Fantasie keine Grenzen gesetzt sein. Wer bei diesen Basis-Rahmenbedingungen noch hinter her hinkt – bspw kein home Office bietet, weil man dem Mitarbeiter nicht vertrauen kann, oder kein unlimitiertes Coaching mit freier Coachwahl anbietet, weil das zu teuer und zu exklusiv ist,  der wird den Bewerber an die Konkurrenz verlieren. Bestehende Mitarbeiter gleich dazu. Hohe Fluktuation, wenig Engagement, passives Arbeitsverhalten sind nur ein paar der Auswirkungen für fehlende attraktive Arbeitsbedingungen.

Der Chef wird zum wichtigen Einflussfaktor schlechthin

Menschen arbeiten mit und für Menschen! Aber die Erwartungen an den Chef bezogen auf das Führungsverhalten und die Führungspersönlichkeit spielen eine immer größer werdende Rolle: Chefs müssen wertschätzend und gefühlsreguliert sein (cholerisch geht gar nicht mehr), Begeisterung entfachen können, Orientierung geben, zu Höchstleistung anspornen, fordern und fördern, Weiterentwicklung initiieren, Freude am Arbeiten verbreiten etc. Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung hängt davon ab. Das ist eine große Herausforderung für Führungskräfte in Zeiten von Bewerbermangel!

Führungskräfte im Mittel- und Topmanagement sind zur ständigen Weiterentwicklung zu animieren. Was für Mitarbeiter mittlerweile zu state-of-the-art gehört, nämlich lebenslanges Lernen, ist für seniore Mittelmanager und Topmanager noch immer nicht durchgängige Realität. Daran wird aber zukünftig kein Weg mehr vorbeiführen, denn die Beurteilung der Mitarbeiter ist vernichtend. Es gilt daher den Führungskräften vermehrt moderne, zeitgemäße Settings im Einzel- oder  Kleingruppenformaten zu unterschiedlichen Themenstellungen anzubieten. Coaching zu Beziehungsmanagement, Selbstmanagement und Gesundheitsmanagement Themen wird im Mittel- und Topmanagement eine führende Rolle spielen.

Die Bewertung der Chefs bestimmt zukünftig deren Bonus und Reputation

Mitarbeiter werden ihre Chefs zukünftig vielfältig und kontinuierlich bewerten – auf Bewertungsplattformen, die dafür im Social Media Bereich zahlreich aus dem Boden sprießen werden. Mitarbeiter beurteilen nicht die betriebswirtschaftliche Kompetenz Ihrer Führungskräfte, sondern bewerten die sozialen, emotionalen und mentalen Fähigkeiten. Die Führungsleistung wird damit zu einer Dienstleistung am Mitarbeiter und für das Unternehmen. Unternehmen werden sich Mitarbeiterfluktuation aufgrund unprofessionellem Führungsverhalten nicht mehr leisten – denn sie werden am Arbeitsmarkt keine neuen Bewerber finden.

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