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Repatriation | Rückkehr ins Unternehmen und Repatriierung von Mitarbeitenden

Zu einer Auslandsentsendung gehört auch die Rückkehr, denn die Entsendung ist ein Zyklus aus Vorbereitung vor dem Einsatz im Zielland, Entsendung, Unterstützung vor Ort, Vorbereitung vor der Rückkehr und Repatriierung. Dies wird von vielen Unternehmen nicht klar genug gesehen. Daher gibt es von Seiten der Unternehmen häufig wenig Unterstützung bei der Repatriation.

Weshalb ist Repatriierung so wichtig?

Wer selbst keine Auslandserfahrung hat, kann schlecht nachvollziehen, weshalb eine Rückkehr ins Stamm-Unternehmen und in die Heimat häufig eine Herausforderung für die Betroffenen ist. Was macht die Rückkehr so schwierig? Und noch wichtiger: Was können Unternehmen konkret tun, damit ihre Mitarbeitenden nach einer Expatriation sanft landen?

Hier ein Repatriation-Beispiel aus der Praxis:

Herr Huber ist nach sechs Jahren Expatriation in asiatischen Ländern (Singapur, Kuala Lumpur, Hongkong) mit seiner Frau und drei Kindern im Pflichtschulalter nach Wien ins Headquarter seines Unternehmens zurückgekehrt.

Er hatte vier Monate Zeit, um sich auf die Rückkehr vorzubereiten. Zunächst war viel Organisatorisches für die Repatriierung zu erledigen: die Mieter in der Eigentumswohnung mussten informiert und gekündigt, Schulen – vorzugsweise bilinguale – für die Kinder gefunden, ein Auto bestellt werden. Mit seinem Vorgesetzten begann Herr Huber zu verhandeln, welchen Job er nun übernehmen würde. Ihm war wichtig, seine erworbenen Kompetenzen einzubringen: sein Spezialwissen über den asiatischen Markt, sein Kulturwissen über seine Einsatzorte, seine Sprachkenntnisse. Frau Huber hatte sich während der Auslandszeit um das Haushalts- und Familienmanagement gekümmert. Nun war ihre Absicht, wieder in ihren Beruf als Marketing-Expertin einzusteigen. Ihrer Ansicht nach sollte sie mit ihrem erworbenen Spezialwissen über asiatische Marketingstrategien gute Chancen am heimischen Arbeitsmarkt haben.

Repatriierung – zurück in Wien

In Wien angekommen, stellte sich die Lage schwieriger als erwartet heraus. Herr Huber bekam nicht sein Wunsch-Aufgabengebiet im Unternehmen. Stattdessen sollte er eine Abteilung in einem Bereich leiten, der neu für ihn war. Frau Huber bewarb sich bei zahlreichen Unternehmen, die in asiatischen Ländern tätig sind, aber leider erfolglos. Für die drei Kinder war es unmöglich, eine gemeinsame Schule für ihre Jahrgänge zu finden. Diese Tatsache machte den Alltag für Frau Huber so kompliziert, dass in der ersten Zeit an eine volle Berufstätigkeit ohnehin nicht zu denken war.

Abgesehen von diesen Hürden sahen sich die Hubers mit den typischen Begleiterscheinungen einer Repatriierung konfrontiert: Organisation des neuen Alltags nahm zusätzlich viel Zeit in Anspruch, Treffen mit Familien und Freunden gestalteten sich überraschend unbefriedigend, denn obwohl alle froh waren, dass sie wieder zurück waren, gab es wenig Gemeinsames, das sie verband, außer der Vergangenheit. Zu unterschiedlich war das Leben der Hubers in Asien gewesen. Das Gefühl wieder dazuzugehören, hatten sie nach der Rückkehr nicht, und das fühlte sich in der eigenen Heimatstadt befremdlich an. Die Hubers waren nun nach der Repatriation wieder ganz normale Bürger, hatten ein normales Einkommen, keine Zusatzleistungen oder Haushaltshilfen mehr, und brauchten einige Monate, um auf diesen Boden der Realität in Österreich innerlich zu landen.

Arbeitsumgebung nach der Repatriation

Herr Huber war gar nicht zufrieden mit seinem neuen Job im Unternehmen. Sein Vorgesetzter verstand das nicht und es kam zu immer größeren Spannungen. Frau Huber war sehr enttäuscht, dass sie keine Chance am österreichischen Arbeitsmarkt hatte, gerade weil sie so lange weg war, aber dass ihr erworbenes Wissen so gar nichts zählte. Die Kinder vermissten die internationale Umgebung und waren traurig, dass jeder von ihnen in eine andere Schule gehen musste. Die Hubers überlegten, erneut ins Ausland zu gehen. Ein interessantes Angebot von einer anderen Firma, auch für Frau Huber, war schon in Aussicht.

Tipps für eine gelungene Repatriation

Was können Unternehmen tun, um ihre wertvollen Mitarbeitenden, die durch Auslandseinsätze sowohl kostbares Wissen als auch wichtige Kompetenzen erworben hatten, im Unternehmen zu halten? Hier ein paar Tipps für eine rundum gelungene Repatriierung:

  • Strategien und Richtlinien für Entsendemaßnahmen, die die Repatriation-Thematik inkludieren
  • Einbeziehung der erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen der Repatriierenden für den Einsatzbereich im Inland
  • Willkommenskultur im Unternehmen für Rückkehrer
  • Strategien für Dual Career Couples: Einbeziehen der Partner und Partnerinnen bei Unterstützungsmaßnahmen nach der Rückkehr, Angebot von Placement-Maßnahmen durch externe Anbieter
  • Angebot von Mentoring oder Buddy-System im Unternehmen, um Rückkehrer gut zu begleiten sodass sie informell ins Unternehmen wieder integriert werden
  • Angebot von interkulturellem Coaching für alle Angehörige, sodass der Rückkehr-Schock gut bewältigt werden kann
  • Zusammenarbeit mit bilingualen Kindergärten und Schulen, um Plätze zu sichern
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