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Teambuilding-Spiele | Wie viel tat sich in den letzten 20 Jahren?

Teambuilding-Spiele erfreuten sich schon vor 20 Jahren großer Begeisterung. Sie tun es meist immer noch, auch wenn schon viele – die nicht mehr ganz so taufrisch im Berufsalltag stehen – diverse Spiele erlebt haben und nur noch schwer zu überraschen sind. Zusätzlich änderten sich die Rahmenbedingungen generell. Was tat sich in den letzten 20 Jahren?

Ein Dank vorab an meine Experten-Runde für dieses Interview:

 

Fragen dieses Interviews: In wie fern haben sich Teambuilding-Spiele in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt?

INTERVIEW-PARTNER

 



In wie fern haben sich Teambuilding-Spiele in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt?

Simon Michael Schelkshorn (Teamimpuls): Auf eine authentische Beurteilung von 20 Jahren kann ich leider, oder vielleicht auch zum Glück, noch nicht zurückblicken. 😉
In den letzten 10 Jahren konnte ich allerdings erkennen, dass der Trend von Teambuilding-Spielen mit Outdooraktivitäten sich immer mehr zu erlebnis- und handlungsorientierten Übungen im oder in der Nähe von Hotels und Seminarräumen entwickelt hat. Ein lieber Kollege und Netzwerkpartner hat es vor einigen Jahren für mich auf den Punkt gebracht, als er es als „Parkplatzpädagogik“ bezeichnet hat, da der Parkplatz des Seminarhotels oder des Firmengeländes oftmals als Ort für Teambuilding-Übungen mit Outdoor-Elementen verwendet wird.
Sehr wesentlich hat sich aus meiner Perspektive der Fokus bei erlebnis- und handlungsorientierten Übungen auf die Reflexion und den Transfer in den Berufsalltag der Teams verändert. Die richtige Übung für das richtige Team, um die wesentlichen Themen im Team spielerisch an die Oberfläche zu bekommen, ist die Messlatte eines gelungen und produktiven Teamtrainings.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Es gibt jetzt vermehrt auch interaktive Planspiele, die über den Computer im Team gespielt werden. Wichtig ist bei allen Teamspielen, dass sie gut reflektiert werden und Schlüsse auf den Arbeitsalltag gezogen werden.

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur): Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Mein Eindruck ist, dass manche Aktivitäten, die vor ca. 15 unter dem Label „Teambuilding“ verkauft wurden (hier denke ich an den gewaltigen Outdoor-Boom, den wir damals erlebt haben) heute, zumindest nach meinem Gefühl, eher als Incentive firmieren. Was in meinen Augen auch wesentlich passender ist.
Und ich sehe, dass Teambuildingaktivitäten etwas näher an gesamtgesellschaftliche Trends (oder Vergnügungen) rücken. Hier denke ich an den Koch-Boom (Mälzer und Co lassen grüßen) und die mittlerweile vielen Anbieter, die Teamkochen im Programm haben, oder aber an den Besuch von Escape Rooms.
Deutlich rückläufig sehe ich Aktivitäten, die ich persönlich eher in der esoterischen Ecke verorten würde: Bäume umarmen und den Grashalmen lauschen, aber auch das Einbinden von Tieren (Pferde, Wölfe etc.) scheint mir stark rückläufig zu sein.
Momentan geht es gefühlt wieder mehr in den Seminarraum, man darf und soll (wieder) über teamrelevante (Arbeits-)Prozesse nachdenken und zwischendurch sind Spiele/Übungen gefragt, bei denen ganz viel gelacht und getobt werden darf. Und wenn die Kreisläufe dabei auch noch ein wenig in Schwung kommen, sind alle zufrieden J

Irina Simone Fischelmaier (HeartBeat): Ich arbeite jetzt seit 20 Jahren mit Gruppen-Teambuilding-Übungen sowie erlebnisorientierte Methoden. Diese haben bei uns schon immer eine große Rolle in jedem Training „gespielt“, und ich hab sie immer liebend gerne eingesetzt. Zwischenzeitlich war das „Spiel“ an sich etwas verpönt (und wurde unter dem Deckmantel „Übung“ dennoch verwendet ;-)), aber spätestens seit Prof. Dr. Gerald Hüthers Ausführungen über die Wichtigkeit des Spiels für die Entwicklung aus neuropsychologischer Sicht sind Spiele und Übungen zu unserer Freude wieder voll rehabilitiert.

Eva-Maria Kraus (NEWVIEW): Es gibt Übungen die bereits zu Beginn meiner Trainerlaufbahn vor knapp 20 Jahren eingesetzt wurden und auch heute noch durchaus spannend sind. Der Markt für erlebnisorientierte Übungen ist jedoch wesentlich größer geworden. Jeder Trainer hat die Möglichkeit themenspezifische Übungen mit Anleitungen zu erwerben. Hier sind tolle Tools dazu gekommen, die wirklich viel bewegen können, wenn sie nicht nur als lustiges Spiel herangezogen werden.
Diese Übungen gehen weit über Teambuilding hinaus. In der Konzeption wird mittlerweile erlebnis- & handlungsorientiertes Lernen als fester Bestandteil eingebaut. Wissensinputs in Vortragsform gibt es wesentlich weniger als vor einigen Jahren. Meine Beobachtung ist jene, dass die Übungen mehr in unternehmensrelevanten Bezug gesetzt werden. Beispielsweise bei Planspielen mit BWL-Wissen oder Leadership-Komponenten. Wichtiger denn je ist jedoch die Wirksamkeit solcher Übungen. Hier muss immer die Frage gestellt werden: Ist die gewählte Methode zielführend und ist ein Transfer der Teilnehmer in den Arbeitsalltag möglich? Eine Übung sollte nie nur zum Spiel für zwischendurch genutzt werden.



Die Gesprächspartner:

 

Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin & Inhaberin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

Unternehmens-Profil


Irina Simone Fischelmaier
Trainerin

HeartBeat GmbH

www.HeartBeat.co.at

Unternehmens-Profil


Eva-Maria Kraus
Inhaberin, Trainerin

NewView

www.NewView.at

Unternehmens-Profil


Paul Bischofberger
Geschäftsführer

TEAM|Manufaktur GmbH

www.team-manufaktur.at

Unternehmens-Profil


Simon Michael Schelkshorn
Geschäftsführung

Teamimpuls

www.teamimpuls.at

Unternehmens-Profil


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan



Ich danke den Interviewpartnern sowohl für ihre Geduld als auch ihre Expertise.

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