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3 Tipps: Beratungskompetenz für wirksamere Prävention & Gesundheitsförderung

Für manche Experten ist es einfacher vor großen Gruppen zu referieren als geduldig Einzelpersonen zu beraten. Dabei ist genau das der Kern von wirksamer Prävention!

In diesem Beitrag gibt‘s 3 Tipps, wie Sie Einzelpersonen beraten können, die um Hilfe bitten rund um Gesundheitsförderung, Stressreduktion und Sicherheitskultur.

 

 

Meine persönlichen Erfahrungen

Mein Start in die Arbeitspsychologie und Selbstständigkeit war früh, nämlich mit 24 Jahren. Zu Beginn bin ich v.a. mitgegangen bei Projekten, habe als Co-Moderatorin geholfen, Workshops vorbereitet oder mit strikten Fragebögen Interviews gemacht.

Es hat gedauert, bis ich mich wirklich getraut habe, Personen tatsächlich zu beraten. Das heißt, auf diese persönlich einzugehen und diesen auch Tipps zu geben. Weil Theorien zu erzählen, ist das eine. Aber sich hinzusetzen, zuzuhören, anderen Ratschläge zu geben oder mit dieser Person Lösungen zu erarbeiten, ist eine ganz andere Hausnummer und deutlich komplexer!

Zwei Jahre später habe ich zum ersten Mal ein Seminar gehalten mit dem großen Titel „Personalgespräche souverän führen“. Meine Ansprechpersonen bei dem Trainingsanbieter waren sehr von mir überzeugt, aber ich selbst war schon ziemlich nervös. Ich habe viele Theorien vorbereitet, viel zu viele Inhalte und ein paar vertiefende Übungen.

An dem Seminar haben nur Führungskräfte teilgenommen und diese wollten von MIR wissen, wie man Personalgespräche souverän durchführt. Obwohl ich selbst NULL Erfahrung als Führungskraft hatte. Die einzige Führungserfahrung, die ich hatte, war aus dem Judo-Kindertraining. Das heißt, ich habe gewusst, wie man einen Haufen 8jähriger Kinder unterrichtet.

Aber was sich dann – zu meiner Verwunderung – herausgestellt hat: Die Leute wollen, dass man ihnen zuhört! Sie wollen nicht die 5. Theorie lernen. Sie wollen, dass man auf ihre persönliche Situation eingeht und sie berät!

Und das habe ich dann intuitiv gemacht. Ich habe eine 100%ige Weiterempfehlungsquote bekommen und sehr gute Bewertungen von den Teilnehmenden (z.B. bei „Teilnehmenden-Orientierung“). Dieses Seminar habe ich dann regelmäßig über viele Jahre hinweg gehalten.

Was bringt Ihnen das größte Fachwissen, wenn Sie nicht gut beraten können? Beratungskompetenz und eine gute Gesprächsführung sind essentiell für uns in der betrieblichen Prävention! Dabei geht es um Emotionen, Vertrauen, angewandte Psychologie, …

 

Aber jetzt fragen Sie sich vielleicht: Wie kann ich Einzelpersonen oder kleine Gruppen gut beraten, um diesen tatsächlich zu helfen und als kompetenter Berater wahrgenommen zu werden?

Dazu gibt’s jetzt 3 Tipps!

Das Kernproblem von vielen, die in der Prävention arbeiten, ist: Wir wissen extrem viel, wir haben eine super Grundausbildung gehabt und wir geben gerne fachliche Ratschläge auf Basis von Theorien, Modellen und Erfahrungswissen. ABER: Man muss hier sehr vorsichtig sein. Ratschläge sind nicht immer nützlich! Manchmal ist ein Ratschlag auch eher ein Schlag ins Gesicht.

Manchmal ist das Gegenteil von „gut“ eben „gut gemeint“! Was können wir also machen, statt kluge Ratschläge zu geben?

1. Fokus auf das Positive

Fragen Sie nach, was bereits gut funktioniert bzw. funktioniert hat und versuchen Sie, das hervorzuheben. Das verkörpert Wertschätzung und verstärkt damit erwünschtes Verhalten. Es ist wichtig zu loben, was schon alles getan wurde, damit den Menschen auch klar wird, was schon gut funktioniert. Häufig fokussiert man sich nämlich auf das Negative. Machen Sie es anders und fokussieren Sie sich auf das Positive!

2. Fokus auf externe Ressourcen

Im Gespräch sollte man sich auch auf die Ressourcen fokussieren. Nehmen Sie hilfreiche Unterstützung und unterstützende Arbeitsbedingungen wahr! Zum Beispiel kann man konkret nachfragen:

  • Welche Teammitglieder sind hilfreich?
  • In welchen Situationen ist es leichter?
  • Wann gab es weniger Stress?

Ich begleite viele Organisationen zum Thema, wie man gut im Homeoffice arbeiten kann. In diesem Zusammenhang habe ich immer wieder Workshops mit Beschäftigten und Führungskräften, die verbalisieren, dass Homeoffice schwierig ist und nicht funktioniert. Ich versuche dann durch Fragen (wie z.B. „Erzählen Sie mir bitte einmal eine Situation, in der Sie im Homeoffice wirklich produktiv waren!“) herauszuarbeiten, welche Faktoren hilfreich waren. Und so merkt man, welche Ressourcen in dem konkreten Fall schon da sind.

3. Bisherige Lösungsansätze

Im Einzelgespräch kann man auch gut beraten, wenn man sich anschaut, welche Lösungsansätze es denn bisher schon gegeben hat.

  • Was wurde von der Person denn bislang schon probiert?
  • Wie ist das gelaufen?

Vielleicht hat es schon Ansätze gegeben, die zwar in der Vergangenheit noch nicht alles perfekt gelöst haben, die es aber einfacher gemacht haben. Vielleicht kann man dann darauf aufbauen.

Die Herausforderung besteht oft darin positiv zu bleiben, selbst wenn unser Gegenüber „jammert“ und beispielsweise sagt: „Das funktioniert alles nicht.“. Natürlich sollte man dann nicht alles klein reden indem man zu verstehen gibt, dass das doch ohnehin alles sehr leicht sei. Man sollte dem Gegenüber schon ehrlich auf Augenhöhe begegnen.

Wenn jemand darauf nicht einsteigt („Alles was ich bis jetzt probiert habe, hat nicht funktioniert.“), dann kann man den Fokus darauf richten, welche Ressourcen es trotzdem gibt, beispielsweise mit Fragen wie:

  • Was hat Ihnen geholfen, bis jetzt durchzuhalten?
  • Wie haben Sie es geschafft gesund zu bleiben in dieser schwierigen Zeit?

Im Einzelberatungsgespräch ist es für mich sehr wichtig auf dem aufzubauen, was schon da ist!

Mögliche Aufgabe für Sie

Überlegen Sie, wie Sie selbst Beratungsgespräche empfinden (z.B. beim Einkaufen von Möbeln oder beim ärztlichen Kontakt). Mögen Sie es, wenn man schnell eine Standard-Lösung bekommt? Oder wollen Sie lieber, dass man sich hinsetzt und Ihnen zuhört?


Tipp

Wenn Sie in Arbeitssicherheit oder Gesundheitsmanagement tätig sind, empfehle ich Ihnen den Podcast „Pioniere der Prävention“ mit wöchentlich neuen Tipps für mehr Erfolg in der betrieblichen Prävention.

www.pionierederpraevention.com/podcast

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