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Outplacement | Eine vielschichtige Herausforderung für die Berater

Outplacement heißt, den Arbeitssuchenden bei der Jobsuche zu unterstützen. Es ist mehr als Unterlagen – wie CV – ins Reine zu bringen. Es ist u.a. die grundlegende Reflexion der von Stärken, das Finden einer neuen beruflichen Richtung, das Zeigen neuer Techniken, und so vieles mehr.

Wenn ich an „Herausforderung“ und „Outplacement“ denke, dann kommt mir in erster Linie immer die Herausforderung auf Kandidaten-Seite in den Sinn. Drehen wir den Spieß einmal um und sehen uns den Job der Berater an, denn der ist herrlich vielschichtig!

Ich wende mich im Experten-Interview direkt an Outplacement-Berater und hinterfrage: Wo liegen ihre Knackpunkte, wie wirkt sich Covid aus, was bedeutet internationale Zusammenarbeit für Sie, etc. Viele Fragen und spannende Einblicke in diesen Tätigkeitsbereich:

 

 



 

Wie unterstützen Sie Ihre Kandidaten darin, sich selbst und ihre neue berufliche Situation zu reflektieren?

Mag. Ulrike Kriener (Aumaier Coaching & Aumaier Coaching & Partner): Manchmal wünscht der Coachee die Begleitung zu nutzen, um für sich endlich die Frage nach der eigenen Berufung, bzw. nach einer möglichst für sich und andere erfüllenden Tätigkeit zu stellen.
Grundsätzlich ist jede berufliche Veränderung eine Chance, sich Zeit zu nehmen, zu überlegen, ob man mit dem eigenen Beruf noch zufrieden ist und zu reflektieren, ob noch andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen wären. Beispielsweise ist der Coach hier gefordert kritisch zu hinterfragen, wenn vom Coachee der Wunsch geäußert wird, in die Selbstständigkeit zu gehen. Auch wenn ein Coachee Ersparnisse angelegt hat, halten diese nicht ewig und besonders altruistische Berufe oder sinnstiftende Tätigkeiten sind in unserer Gesellschaft nicht immer die am besten dotiertesten. Hier ist der Coach gefragt, nicht jeden Ausflug auf Wolke 7 einfach nur begeistert mitzumachen. Zum Glück gibt es auch wundervolle Coachingmethoden, die den Kunden die neue Geschäftsidee in unterschiedlichen Perspektiven betrachten lassen und damit schnell Klarheit verschaffen.
Sich einer beruflichen Veränderung zu stellen, die nicht auf eigenen Wunsch hin initiiert wurde, öffnet nach überwundener negativer Emotion, alle Möglichkeiten am Arbeitsmarkt. Wer sich hingegen selbst entschließt den Arbeitsplatz zu kündigen, weiß meist sehr genau, was sein nächster beruflicher Schritt sein wird. Einige wenige übersehen den Exit, bis der Körper deutlich zeigt, dass es am gegenwärtigen Arbeitsplatz nicht mehr passt. Diese empfinden aus unserer Erfahrung am häufigsten den dringlichen Wunsch etwas ganz anderes, sinnstiftendes und/oder altruistisches zu tun.

Mag. Peter A. Zellermayer (AGAN): Die Begleitung persönlicher Selbstreflexion ist Grundvoraussetzung für erfolgreiches Coaching bzw. psychologischer Beratung. Impulse zur Neubewertung und Umdeutung der Situation unterstützen die Teilnehmer dabei, wieder optimistisch in die Zukunft zu sehen. Dazu zählen Themen wie: Auseinandersetzung mit Arbeitslosigkeit, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufbauen, Frustrationsbewältigung, Abbau eventueller Schuldgefühle, Vermittlung von Fertigkeiten für die Arbeitsuche u.v.m.

Michaela Buttazzoni (BDO Consulting): Folgende drei Faktoren werden stets in unseren Feedbacks erwähnt: unsere Leidenschaft, das große Netzwerk, das wir mitbringen und unsere Flexibilität.
Unsere Unterstützung ist so flexibel, dass sich jeder das herausnehmen kann, was für ihn/sie am besten passt. Zum Beispiel fällt es vielen sehr schwer, sich ausreichend mit den eigenen Stärken auseinanderzusetzen oder sind sich derer gar nicht bewusst, weil es „eh selbstverständlich ist – arbeiten so nicht alle?“. Da ist es wichtig dran zu bleiben, bis es gelingt, auf den Punkt zu bringen, was die eigenen Besonderheiten sind, die für einen zukünftigen Arbeitgeber wichtig sein könnten. Für viele ist auch das Nutzen des eigenen Netzwerkes mit vielen Hemmungen verbunden – da haben wir gute Tipps und Tricks, wie man im Gespräch bleibt, neue Kontakte herstellt und so zum neuen Job findet, ohne sich als „Bittsteller“ zu fühlen. Denn das gehört sicher zu unseren großen Stärken: das Verstehen und Bearbeiten des sogenannten „verdeckten“ Arbeitsmarktes. Wie finde ich die Jobs die – noch – nicht ausgeschrieben sind, sondern erst intern bekannt oder in Planung sind?
Dazu kommt unser persönliches Netzwerk und das von BDO – das wir selbstverständlich unseren Kunden zur Verfügung stellen. Und da sind durchaus einige begeisterte „ehemalige“ New Placement Kunden dabei, die wieder in spannenden neuen Jobs gelandet sind. Wo auch immer wir Synergien sehen, stellen wir Kontakte her.
Und dann ist da noch unsere große Freude daran, Menschen auf diesem Weg zu begleiten. Wir sind für unsere Kunden da – man könnte sagen „in guten wie in schlechten Zeiten“ ;-). Wir hören zu, wenn Frustrationen verarbeitet werden müssen und unterstützen dabei, wieder Energie zu finden. Wir reflektieren gemeinsam, was gut gelungen ist und wo es noch Verbesserungen braucht. Wir bereiten sie auf herausfordernde Termine vor und geben auch kritisches Feedback, wenn es nötig ist. Und wir freuen uns gemeinsam, wenn etwas gelungen ist… und genau darin liegt auch unsere Motivation.

Die Situation am Arbeitsmarkt ist für Jobsuchende aktuell nicht gerade rosig – was kann Outplacement in diesem Umfeld überhaupt leisten? Inwiefern beeinträchtigen die aktuellen Covid-Maßnahmen die Bewerbungsprozesse der Kandidaten?

Oliver Heun-Lechner (Outplacement.house): Das wird kontrovers diskutiert und ist wohl eine Frage des Blickwinkels! Wir haben uns zum Jahreswechsel wesentlich tiefer als sonst mit unseren Dokumentationen und eben Analysen beschäftigt. Die Ergebnisse hinsichtlich Suchdauer, Anzahl der Bewerbungen vs. Anzahl von Bewerbungsgesprächen u. v. m. bestätigen uns Veränderungen im Bewerbungsprozess, jedoch keine wesentlichen Beeinträchtigungen.
So konnten wir feststellen, dass Struktur, Prägnanz und Kürze  und eine leichte Lesbarkeit in den Bewerbungsunterlagen, allem voran im CV, deutlich gewichtiger wahrgenommen wurden, als es vielleicht vor 1-2 Jahren noch der Fall war. Die Anzahl der Erstgespräche pro Kandidat ging in den vergangenen 10 Monaten sogar deutlich nach oben und begründet sich wohl durch die Möglichkeiten, Erstgespräche recht einfach remote führen zu können. Gerade in den technischen Berufsfeldern ist es für qualifizierte Mitarbeiter noch schneller möglich, adäquate Jobs zu finden.

Mag. Konrad Fankhauser (die Berater):

  • Unternehmen haben großteils das Recruiting den pandemiebedingten Sicherheitsvorkehrungen angepasst und führen Vorstellungsgespräche nur per Video oder am Telefon durch.
  • Durch die Lockdowns kommt es zu Verzögerungen, längeren Wartezeiten und Verschiebungen von bereits vereinbarten Terminen und Vorstellungsgesprächen.
  • Geduld und Hartnäckigkeit sind deshalb wichtig: es gilt dran zu bleiben und das Interesse aufrecht zu erhalten, damit die bereits geleisteten Vorarbeiten zur Bewerbung auf eine bestimmte Stelle nicht umsonst sind und durch die Verzögerungen und Wartezeiten auf halber Strecke liegen bleiben.
  • Die meisten Vorstellungsgespräche finden online statt, nicht selten begleitet von technischen Problemen. Wichtig ist also, auf die technischen Gegebenheiten zu achten: passt die Kamera und das Mikrofon?, Habe ich einen geeigneten Platz?, Passt das Licht und der Bildhintergrund? Weiß ich, wie ich mein Gegenüber im Video am besten erreichen kann?
  • Da es zur Zeit kaum Vorstellungsgespräche vor Ort in den Firmen gibt, erhalten die BewerberInnen natürlich auch keinen direkten Einblick in die Unternehmenskultur, Atmosphäre und Umgangston im Unternehmen.
  • Auch Bewerbungsgespräche am Telefon sind nicht unüblich und für Bewerber eine spezielle Herausforderung, in der es zu beachten gilt: wenn Mimik, Gestik und Körpersprache ausfallen, wie kann ich mich trotzdem gut präsentieren.
  • Die Vorbereitung auf die Besonderheiten des virtuellen Bewerbungs- und Auswahlprozesses ist wichtig und hilft letztlich auch, mit den durch die ungewohnten Rahmenbedingungen auftretenden Verunsicherungen besser umgehen zu können.

Mag. Harald Schmid (klaglos.at): Eine Outplacement-Beratung ist auch in Hochkonjunktur-Zeiten keine Job-Garantie. Aber Outplacement ist viel mehr, als „nur“ Jobsuche. Es geht in der gemeinsamen Arbeit mit dem Kunden immer auch um Stabilisierung und Stärkung in einer persönlichen Krisensituation, um Hinterfragen des bisherigen beruflichen Werdegangs, sehr oft um eine komplette Neuausrichtung und vor allem um die Entwicklung einer zielführenden Vorwärtsstrategie auf dem Weg ins zukünftige Berufsleben. Und eines ist auch sicher: Die Chancen rasch einen neuen Job zu finden, sind mit Outplacement-Beratung sicher höher als ohne.

Mag. Peter A. Zellermayer (AGAN): Bewerbungsprozesse verschieben sich Covid-bedingt mehr und mehr von persönlichen Gesprächen hin zu Online-Bewerbungen. Wir geben Kandidaten die Möglichkeit, sich in sicherem Rahmen Knowhow für Online-Bewerbungsprozesse anzueignen. Unsere Coachings zielen außerdem auf die Reduktion von Druck und Stress ab: Die Zahl der personalaufnehmenden Unternehmen ist in Covid-Zeiten geringer. Teilweise ist einfach Geduld und Durchhaltevermögen nötig, um sein Ziel – neuer Dienstvertrag – zu erreichen.

Welchen Stellenwert hat Internationalität in Bezug auf Outplacement-Beratung?

Erich Nepita (LHH/OTM Karriereberatung): Unsere Unterlagen wie Muster Lebensläufe, Arbeitszeugnissen und unser individuelles Kandidaten Webcenter gibt es in 28 Sprachen.
Unser weltweites Webcenter ermöglicht es jedem, auch anschließend an die Beratung aktiv dieses als Alumni Netzwerk zu nützen.
Die Internationalität von LHH mit knapp 70 Ländern und mehr als 380 Büros ermöglicht es, spezifische Informationen über den jeweiligen lokalen Arbeitsmarkt zu erlangen: Der sogenannte Courtesy Call mit einem Land nach Wahl, kann mit einem dortigen lokalen Berater geführt werden.
Darüber hinaus gibt es auch den freien Zugang zu allen internationalen Büros, gestartet wird z.B.: in Wien, nach einigen Wochen wird auf Grund von Jobangeboten in Zürich weiterberaten (natürlich digital und/oder persönlich) um dann endgültig mit Hilfe eines lokalen Beraters in London den Traumjob anzutreten.

Mag. Konrad Fankhauser (die Berater): Der überwiegende Teil unserer Firmenkunden sind Großunternehmen oder Konzerne mit Unternehmenstöchtern oder Zweigniederlassungen in Wien oder in den Bundesländern. Entsprechend suchen die Kandidaten eine neue Arbeitsstelle in Österreich. Insofern spielen die internationalen Bewerbungsstandards was Bewerberverhalten und Gestaltung der Bewerbungsunterlagen anlangt kaum eine Rolle. Die internationalen Standards können dann zum Tragen kommen, wenn zum Beispiel die Bewerbung an ein in Wien ansässiges internationales Großunternehmen oder Konzern mit Arbeitssprache Englisch gerichtet ist. In diesem Fall finden die Job- und Karrierecoachings natürlich in englischer Sprache statt.

 



Die Gesprächspartner


Mag. Ulrike Kriener
Business Coach

Aumaier Coaching & Partner GembH

www.aumaier-coaching.com

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Erich Nepita
Geschäftsführer

LHH/OTM Karriereberatung GmbH

www.LHHaustria.at

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Michaela Buttazzoni
Director New Placement/Prokuristin

BDO Consulting GmbH

www.bdo.at

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Mag. Peter A. Zellermayer
Geschäftsführer

AGAN + AGAN job konkret

www.agannoe.at

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Oliver Heun-Lechner
Gründer & Executive Director

Outplacement.house

www.outplacement.house

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Mag. Konrad Fankhauser
Stv. Geschäftsführung & HR Management

die Berater®  Unternehmsberatungs GmbH

www.dieberater.com

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Harald Schmid
Inhaber

klaglos.at

www.klaglos.at


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

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Autoren-Profil | Eva Selan


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