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Papamonat Österreich | Blick in die Praxis & rechtliche Sicht

Papamonat Österreich

Zeit für eine Zwischenbilanz zum Papamonat Österreich: Seit etwa fünf Jahren gibt es in Österreich den Papamonat. Es ist ein Freistellungsmonat für alle Väter bzw. den anderen, nicht-gebährenden Elternteil.

Seit sept2019 ist dieser zusätzlich mit einem Rechtsanspruch versehen. Und diese Option wird tatsächlich immer öfter und gerne genutzt. Dennoch gibt es auch einige bürokratische Hürden.

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INHALT

Tendenz zum Papamonat steigend

Aus den aktuellen Statistiken des Familienministerium geht hervor, dass in einem durchschnittlichen Monat im Jahr 2021 jeweils zwischen 1.000 und 1.200 Personen Familienzeitbonus bezogen haben. Dies ist die Geldleistung, die bei Inanspruchnahme eines Papamonats bezogen werden kann (rund 700 EUR monatlich). Allerdings ist zu beachten, dass Personen, die in mehreren Monaten diese Leistung beziehen (etwa weil der P.Monat über ein Monatsende hinausgeht), hier doppelt aufscheinen. Bereinigt kann man von rund 10.000 Inanspruchnahmen pro Jahr ausgehen. Wobei es keine Statistik gibt, wie viele freie Monate ohne Leistungsbezug zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern vereinbart werden.

Im Klartext bedeutet das, dass ausgehend von rund 88.000 Geburten jährlich etwa jeder neunte Vater einen Papamonat beansprucht. Und diese Zahl ist deutlich höher als zu Zeiten, in denen es den Rechtsanspruch noch nicht gab.

Junge Menschen in Österreich wollen Zeit mit ihren Kindern

Aus verschiedenen Jugendbefragungen ist ersichtlich, dass es vor allem die junge Generation Z ist, die sich in Sachen Papamonat wenig kompromissbereit zeigt. Sie möchte diese Optionen deutlich stärker nutzen, als es ihre Vorgängergenerationen getan hätten. „Ich muss vielleicht 45 oder mehr Jahre arbeiten, weiß nicht ob ich jemals Pension erhalte, da kann man mit mir über einen Monat mit meinem Kind nicht diskutieren“, so die Meinung vieler junger Menschen, zumal diesen eine gleichberechtigte Aufteilung der Familienarbeit als sehr wichtig erscheint.

Für Unternehmen sollte gerade das in Zeiten der knappen Personalressourcen Auftrag genug sein, sich dem Papamonat nicht zu verschließen, sondern sehr aktiv dieses Instrument den Beschäftigten anzubieten. Denn in der Attraktivität macht es für Beschäftigte einen deutlichen Unterschied, etwas auf Nachfrage zu bekommen, was einem ohnehin zusteht oder aktiv auf derartige Instrumente und den wohlwollenden Umgang damit hingewiesen zu werden. Und für den Betrieb verlängert sich durch einen aktiven Umgang die Planungssicherheit. Denn der P.Monat muss drei Monate vor Antritt gemeldet werden, jedoch die Pläne in der Familie sind oft schon viel früher klar.

Bürokratische Hürden beim Papamonat Österreich sind noch da

Jüngste OGH-Entscheidungen vor allem zum Familienzeitbonus zeigen aber auch auf, dass es noch Hürden gibt. So wurde einem Vater der gesamte Bezug gestrichen, weil er zwar für 28 Tage P.Monat mit seinem Arbeitgeber vereinbart hatte, jedoch für 31 Tage Familienzeitbonus beantragt hat. Diese Leistung steht aber nur für Tage zu, die man auch wirklich zu Hause ist, so der OGH. Der Vater hat in diesem Fall leider gar keinen Bonus erhalten. (OGH 19.5.2021, 10 ObS 71/21w)

In einem anderen Fall war das Kind während des Papamonats zum Teil in Spitalsbehandlung. Der Wohnsitz müsse aber der gleiche sein, um Anspruch auf den Familienzeitbonus zu haben, so die auszahlende Stelle. In diesem Fall bekam jedoch der Papa von OGH Recht und durfte trotzdem einen Bonus beziehen. (OGH 13.9.2021, 10 ObS 134/21k)

Alternative „Papaurlaub“

Papamonat Österreich, BeschreiungWer als Unternehmen diesen Hürden etwas entgegensetzen möchte, kann als Alternative „Papaurlaub“ gewähren. Einige Unternehmen haben das in Österreich bereits getan und gewähren werdenden Papas beispielsweise zwei zusätzliche Wochen Urlaub nach der Geburt. Bei einer durchschnittlichen Geburtenzahl von etwa 1,5 je Frau ist der damit einhergehende Aufwand für Betriebe überschaubar. Der Attraktivitätswert aber umso größer.

Mag. (FH) Peter Rieder

Mag. (FH) Peter Rieder ist Gründer der Arbeitswelten Consulting sowie geschäftsführender Gesellschafter des Diversity Think Tank Austria und begleitet Unternehmen in den Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Audit berufundfamilie), Diversity Management und nachhaltiges Personalmanagement.

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