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Positive Psychologie… über Charakterstärken, Tugenden und Führung + Tipps für Tests

positive Psychologie

“Accentuate the Positive“, so lautete eines der letzten Alben des großartigen und legendären Jazz-Sängers Al Jarreau. Aber wenn es nur immer so leicht wäre mit der Betonung des Positiven, im Sinne des Kalenderspruchs „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer“…: Heute sprechen wir über Positive Psychologie.

INHALT

Jede und jeder von uns hat Erfahrungen aus seiner Schul- oder Studienzeit gemacht, wo mit dem dicken Rotstift Fehler und Wissensdefizite von den Lehrenden markiert wurden und nur selten wurde mit dem feinen Grünstift darauf hingewiesen, was schon gut läuft und richtig ist. Die traditionelle Defizitorientierung im Bildungswesen suchte, was Schülerinnen fehlte und nicht potenzialorientiert, was sie schon gut können und stark werden lässt.

Positive Psychologie: Frage des Blickwinkels

Auch in der traditionellen Personalentwicklung wird oft mit einer „Soll/Ist“ Analyse bei der Erhebung des Entwicklungsbedarfs vorgegangen. Das gewünschte Soll-Profil einer Stelle, wird mit dem tatsächlichen Ist-Profil eines Mitarbeiters abgeglichen, um die identifizierten Defizite mit Entwicklungsmaßnahmen auszugleichen. Diese „Entwicklung“ ist somit orientiert am Mangel bzw. an den Schwächen einer Person.

In der aktuellen Führungspraxis ist auch eine an den Schwächen orientierte Haltung zu beobachten. Laut einer Umfrage von Gallup glauben Manager, dass der größte Spielraum für Leistungssteigerung in den Schwächen von Menschen liegt und nur 20% der arbeitenden Menschen haben die Möglichkeit das zu tun, was sie am besten können (Allmers et.al 2022)!

Um nicht missverstanden zu werden: Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass Trainings- oder Coachingmaßnahmen „Defizite“ beseitigen und sich Mitarbeiterinnen „verbessern“ können. Aber vermutlich nur in Richtung „weniger schwach“ oder „leicht besser“. Es besteht somit die Tendenz einer mediokren Entwicklung, hin zur Mittelmäßigkeit.

Anstatt auf die Schwächen von Menschen zu schauen – ohne diese zu negieren bzw. natürlich professionell zu behandeln, wenn sie im Weg stehen, oder man darunter leidet – sollte vielmehr auf die vorhandenen Stärken gelegt werden, so ein wesentlicher Grundgedanke der Positiven Psychologie. Positiv formuliert bedeutet das, dass Mitarbeiter idealerweise täglich ihre Stärken und Kompetenzen am Arbeitsplatz einbringen können, gemäß dem „Job-Person“ fit. Aber wie wissen wir eigentlich wirklich welche Stärken, Leidenschaften und Talente wir haben?

Tugenden, Charakter- und Signaturstärken

Die eigenen Stärken zu identifizieren fällt uns nicht leicht, da sie als selbstverständlich erlebt werden. Das Bewusstmachen der eigenen Stärken braucht daher fundierte Selbstreflexion und Feedback durch andere.

Dazu wurden in den letzten Jahren viele Modelle und Tools entwickelt, um Stärken zu definieren, besser zu verstehen und vor allem zu „messen“. Meines Erachtens ist das „VIA-Values in Action“-Modell der Tugenden und Charakterstärken am tauglichsten und bahnbrechendsten. Es ist ein zentrales Konzept der Positiven Psychologie und wurde von Christopher Peterson und Martin Seligman entwickelt (siehe Abbildungen 1 und 2).

„VIA-Values in Action“-Modell der Tugenden und Charakterstärken

VIA Values in Action

Abbildung 1: Tugenden der Positiven Psychologie (eigene Darstellung)

Die Entwicklung der Charakterstärken erfolgte in jahrelanger Forschungsarbeit von einem „All-Star“-Team der Positiven Psychologie über die Erhebung von erstrebenswerten Stärken, Werten und Tugenden aus verschiedenen Kulturen, Zeitepochen und Disziplinen wie Religion, Psychologie, Philosophie etc. (vgl. Ebner 2019). Diese beeindruckenden Erkenntnisse wurden dann in einem Opus Magnum mit über 800 Seiten verewigt (siehe vertiefende Literaturhinweise)

Ergebnis ist das Modell der 24 Charakterstärken, die 6 Tugenden zugeordnet werden („Stärkenfamilien“). Die Charakterstärken zeigen Wege, wie diese Tugenden jeweils konkret in die Tat umgesetzt werden können. Jeder Mensch hat somit ein momentanes und individuelles Stärkenprofil, mit denen man sich stark identifiziert und die ein wesentlicher Bestandteil des Lebens sind (sog. Signaturstärken) und den Weg zur Entwicklung eines Talents ermöglichen (personal Mastery). Bisherige Schätzungen gehen davon aus, dass jeder Mensch drei bis sieben dieser besonderen Signaturstärken hat.

positive Psychologie, Charakterstärken

Abbildung 2: Tugenden und Charakterstärken der Positiven Psychologie (eigene Darstellung)

Stärkentests – „Verleihen Sie Ihrer Karriere Flügel“

Gemäß diesem Red Bull-Motto, gibt es zahlreiche wissenschaftlich fundierte Persönlichkeitstests, die sich auf Ihre Stärken konzentrieren, öffentlich zugängig sind und meist kostenlos sind (siehe Linksammlung).

Der Artikel endet mit der Einladung den einen oder anderen Test selbst auszuprobieren, dann Feedback von anderen einzuholen und aus seinem individuellen Stärkenprofil zu lernen. Sie werden sehen, es lohnt sich wirklich! Die Beantwortung des kostenfreien Charakterstärkentests der Uni Zürich beispielsweise umfasst ca. 220 Fragen und dauert 30-45 Minuten. Ähnlich der Signaturstärkentest. Diese Tests sind für Mitarbeiter und Führungskräfte, als auch speziell für HR-Managerinnen geeignet und erkenntnisreich: „Other people matter!“.

Linksammlung Stärkentests

Vertiefende Literatur: positive Psychologie & mehr

  • Allmers, S., Trautmann, M., Magnussen, C. 2022: On the way to New Work. Wenn Arbeit zu etwas wird, was Menschen stärkt. Vahlen
  • Ebner, M. 2019: Positive Leadership. Erfolgreich führen mit PERMA-Lead, die 5 Schlüssel zur High-Performance. Facultas
  • Peterson, C., Seligman, M. 2004: Character, Strengths and Virtues. A Handbook and classification, Oxford University press. Link als E-Book
  • Teufl, S. 2021: Führen und führen lassen?!; Teil 2 – Über aktuelle Führungstrends: Transformationale Führung, Positive Leadership & Co.: www.teuflsblog.com/…

Autor

Mag. Dr. Stefan Teufl; Studienbereich Human Resources & Organization; FHWien der WKW. Stefan.teufl@fh-wien.ac.at

Human Resources Organisation Team | Teil unseres fixen Autoren-Teams

Die Forschungsausrichtung des Instituts für Personal & Organisation FHWien der WKW liegt an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis mit folgenden Schwerpunkten: zukunftsorientiertes HRM, strategischer Wissensaufbau und Wissensnutzung, nachhaltiges Veränderungsmanagement, Führung und Leadership.

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