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Teamarbeit unter der Lupe | Bewegende Themen

Teamarbeit

Was bewegte Teams in der Zusammenarbeit in den letzten Monaten, worauf legen sie – begründet auf diesen Erfahrungen – künftig besonderen Wert? Mit dieser Frage wende ich mich an Team-Trainer und Trainerinnen, denn sie haben unmittelbaren Einblick in die Teamarbeit.

INHALT

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Was bewegte/beschäftigte Teams, die Sie in den letzten Monaten begleitet haben, besonders in Ihrer gemeinsamen Teamarbeit?

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur GmbH):

Leider waren bzw. sind die Themen eher ernüchternd: Onlinebesprechungen werden als mitunter extrem ineffizient beschrieben, der Kontakt zu Teamkollegen und Führungskraft als bescheiden. Das Gefühl, tatsächlich Teil eines Teams zu sein wird abgelöst durch das Gefühl, Teil einer eher unverbindlichen, losen Gruppe zu sein. Hier halfen bzw. helfen virtuelle Coffee Meetings oder virtuelle gemeinsame Frühstücke zwar ein wenig, aber eben nur ein wenig. Teammitglieder klagten, umso länger ausschließlich in Home Office gearbeitet werden durfte, über immer stärkere Isolation und ein Gefühl der Abnabelung vom Rest des Teams bzw. vom beschäftigenden Unternehmen.

Aber glücklicherweise sollten all diese Themen in naher Zukunft vom Tisch sein, wenn wieder verstärkt oder sogar uneingeschränkt in Präsenz gearbeitet werden kann.

Simon Michael Schelkshorn (Teamimpuls - zusammen wachsen):

Die meisten Teams, die wir in den letzten Monaten begleitet haben, fragten nach Unterstützung in ihrer Kommunikation miteinander, der Stärkung der Beziehung und des Vertrauens zueinander, des Aufbaues und der Stärkung des WIR-Gefühls und der Integration neuer Mitglieder ins Team. Das sind auch nach wie vor ganz aktuelle Themen in der Teamarbeit.
Neu entstandene Teams hatten in den letzten Monaten nicht mal die Möglichkeit sich auch auf einer persönlichen Ebene gut kennenzulernen. Manche davon hatten sich ja noch nicht mal live getroffen, sondern nur über den Bildschirm gesehen. Das führt natürlich dazu, dass eine Beziehung, ein WIR-Gefühl oder gar ein Vertrauen zueinander garnicht groß aufkommen können. Doch gerade diese Faktoren bilden den Grundstein für eine gute und auch langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit.

Andere Teams hingegen, die zwar schon lange und teils auch sehr erfolgreich zusammenarbeiten, hatten scheinbar, durch die hauptsächlich digitale Vernetzung, irgendwie den Draht zueinander verloren. Hier war der Wunsch nach dem Wiederfinden oder neu entstehen lassen des WIR-Gefühls natürlich besonders groß.

Mag. Regina Nicham (IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement):

Um die Auswirkungen und auch die aktuelle Situation sichtbar zu machen, haben sich viele Unternehmen trotz anhaltender Pandemie dazu entschlossen, auch heuer die Evaluierung der psychosozialen Belastungen durchzuführen und dabei das Thema Home Office zu integrieren.

Mit dem Ziel sich auch einen Überblick über Zusammenarbeit und mögliche Probleme bzw. Herausforderungen von Teams oder Abteilungen zu verschaffen. Die Ergebnisse aus diesen Befragungen decken sich mit meinen Erfahrungen aus den Beratungen, nämlich, dass neben der vielen positiven Aspekte des Home Office und auch dem Wunsch Hybrid-Office beizubehalten, v.a. die Themen Zusammenarbeit, Kommunikation und Konfliktlösung am meisten beschäftigen. Der soziale Zusammenhalt als ein wichtiges gesundheitsförderndes Potential wird so deutlich wie nie zuvor. Der Wegfall von informellen Kontakten, die Gefahr der Vereinsamung sowie ein abnehmendes Team-Gefühl sind die größten Risikofaktoren bezogen auf hybrides Arbeiten. Daneben aber auch das Thema Digitalisierung bezogen auf die technische Ausstattung, die virtuellen Meeting-Tools, die unterschiedlichen Kenntnisse dabei (Stichwort Generationenbalance) und allgemein auch die gelebte Meetingkultur in Unternehmen und Teams.   

Welche Themen kamen bzgl. Teamarbeit besonders oft auf den Tisch?

Sabrina Fiorin (kiwiHR):

Kommunikation, Rollenverständnis, Verantwortung, Transparenz. Wenn es davor schon Reibungspunkte in einem oder mehreren Punkte gab, wurden diese durch die Pandemie verstärkt.

Kommt das, was man sagt beim Gegenüber wirklich an oder wird es aufgrund von bestimmten Erfahrungen anders interpretiert? Wie sieht sich jeder einzelne im Team und wie wird er von den anderen gesehen? Wurden Verantwortlichkeiten klar definiert und an die entsprechenden Kompetenzen angepasst? Wer arbeitet wann und woran?

Gerade Führungskräfte sollten die Teamdynamik im Blick haben, um mögliche Spannungen schnell zu erkennen und falls nötig gegenzusteuern. Unter anderem können Teamvisualisierungen dabei helfen, Themen, die für Reibung sorgen, aufzudecken. Diese können Aufschluss darüber geben, in  welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht.

Für mehr Transparenz kann z.B. eine HR-Software sorgen. Dort sieht jeder Mitarbeiter, welcher Kollege im Home Office oder Büro arbeitet und wer gerade abwesend ist. In manchen Systemen können ebenfalls Projektarbeitszeiten erfasst werden.

Mag. Regina Nicham (IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement):

Wenn ich es mit der Brille Teams und Zusammenarbeit betrachte, dann kam durchgängig, dass der Austausch mit der Kollegenschaft am Kaffeeautomaten, das „Pläuschchen“ über das Wochenende und spontane Begegnungen fehlen und man sich Maßnahmen wünschen würde, die teamstärkend und das Miteinander und den Austausch fördern bzw. die Freude auf die Zeit, wo das wieder verstärkt möglich ist groß ist. Auch kurz mal den Kollegen um seine Meinung fragen oder sich beraten fehlt, die kreative Zusammenarbeit kommt damit zu kurz.

Betont wurde auch immer wieder, die Kombination von digital und Präsenz für die Zukunft, wobei aktuell sich eine große Online Müdigkeit eingestellt hat. Was sich noch beobachten lässt ist, dass v.a. in Großraumkonzepten, wo schon vor der Pandemie Desksharing und remote arbeiten Thema war, sich eine gewisse Nachlässigkeit in der Rücksichtname untereinander bzw. im Verhalten im Großraumbüro eingeschlichen hat. Obwohl viel weniger Mitarbeiter vor Ort sind, wird das Thema Lärm und Belästigung verstärkt als Belastung erlebt und der Ruf nach Fokus- und Rückzugsmöglichkeit größer. D.h. die Erinnerung des vereinbarten Teamkodex für Zusammenarbeit in Großraumkonzepten ist auf jeden Fall notwendig.

Veronika Aumaier, MAS, MSc (Consulting/Training GmbH):

Das Thema Kamera an oder Kamera aus bei Meetings war ein Dauerbrenner in Teams, die in der ersten Pandemie, zu Beginn der Lockdowns, angehalten waren, die Kameras auszuschalten. Wenn offensichtliche diese Praxis eingeübt ist,  lässt sie sich zum Leidwesen von Führungskräften und einzelnen Mitarbeitern schwer drehen. Tatsache ist, dass regelmäßige Treffen – ohne Kameras – überwiegend nur inhaltlichen Austausch oder Informationsweitergabe/-einholung  bedeuten. Teambuilding, in dem Beziehungen untereinander gestärkt werden – findet nicht statt. Dauerhaft führt es zu Einzelkämpfertum und losen themenbezogenen Arbeitsgemeinschaften.

Soziale Treffen im Netz – wie beispielsweise virtuelle Feiern – wurden zunehmend mit anhaltender Pandemie abgelehnt und dienten immer mehr eher der Erheiterung der Teammitglieder oder sogar der Häme, selbst wenn sich Führungskräfte ganz besondere Dinge mit externer Unterstützung ausgedacht haben.

Work-life-Balance durch verkürzte Arbeitszeiten, um weiterhin Zeit für Sport, Familie und Freunde zu haben, Arbeiten in Urlaubsdestinationen (ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen) und Bürobesuche zu „Unzeiten“ um in jeden Fall Verkehrstaus ausweichen zu können, stehen ganz oben auf der Wunschliste von Teams in 2022.

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Die Interview-Partner

Mag. Paul Bischofberger

Paul Bischofberger, Team Manufaktur

Sabrina Fiorin

Sabrina Fiorin, kiwiHR

Simon Michael Schelkshorn

Simon Schelkshorn, Teamimpuls

Mag. Regina Nicham

Regina Nicham, IBG

Veronika Aumaier, MAS, MSc

Veronika Aumaier

Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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