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Artificial Intelligence

Künstliche Intelligenz hat wie ein wunderbares Geflecht unseren Arbeitsalltag durchwoben. Ganz still und Leise zu Beginn und mittlerweile sehr auffällig und laut. Im Interview eruiere ich, worin sie KI bereits besonders bemerkbar macht.

Wie wird AI die künftige Arbeitswelt verändern? Und: Arbeitsplatzverluste versus höhere Effizienz aufgrund von Artificial Intelligence – wer hat Recht?

Lesen Sie auch das HRweb-Interview ⇒ Künstliche Intelligenz hat die Arbeits-Welt zielsicher durchwoben | Freut uns das?

Experten-Interview

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Artificial Intelligenz in der Zukunft

Wie wird AI die Arbeitswelt künftig verändern?

Richard Melbinger (ARS Akademie):

Der Fokus beim Einsatz von Artificial Intelligence in der Arbeitswelt wird auf zwei große Bereiche gelegt werden. Nämlich: Automatisierung von repetitiven Tätigkeiten und Auswertung von Daten. Diese beiden Bereiche werden die stärksten Auswirkungen von AI verspüren.

Wie umfassend Artificial Intelligence die Arbeitswelt aber tatsächlich verändern wird, kann man heute nur erahnen. Wesentlich ist die Einordnung der AI, sie ist nichts Übermächtiges, sondern nur ein mächtiges Werkzeug. Ein Sprichwort sagt: „A fool with a tool is just a fool“! Die Veränderungen werden wir aber besonders dann erst spüren, wenn wir das volle Potenzial der AI ausschöpfen. Erst wenn man die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der künstlichen Intelligenz versteht, kann man diese Technologie auch wirklich gewinnbringend nutzen.

Mag. Sandra Bascha (New Work SE):

Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft fast alle Jobs im Arbeitsalltag in Berührung mit AI kommen werden. Allerdings ist es schwierig, konkrete Vorhersagen für die Veränderungen in der Arbeitswelt durch Artificial Intelligence zu treffen. AI kann sowohl Tätigkeiten übernehmen, Tätigkeiten verändern als auch Beschäftigte in ihrem Arbeitsalltag unterstützen. AI lässt aber auch neue Jobs entstehen. Umso wichtiger ist es auch zu definieren, wie in der Arbeitswelt künftig mit Artificial Intelligence umgegangen wird. Denn die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine wird man in vielen Bereichen völlig neu definieren müssen. Was sowohl aus arbeitstechnischer wie aus gesellschaftlicher Sicht ein hochrelevantes Thema sein wird.

MMag. Victor Mihalic (EBC*L):

Amerikanische Studien zeigen, dass 70 % der Kopfarbeits-Plätze schon in den nächsten fünf Jahren durch AI ersetzt oder massiv verändert werden. Es ist zu befürchten, dass es sogar die hoch qualifizierten Arbeitskräfte am meisten erwischen wird. Denn die sind auch teuer und da zahlt sich die Investition in Artificial Intelligence besonders aus.

Aus der Bildungswelt ein Beispiel: Die „teure“ Spanisch-Trainerin wird schon heute durch eine AI ersetzt, welche ganz individuelle Kurse mit einzelnen Personen durchführt. Und dabei sogar Fehler bei der richtigen Aussprache gezielt wegtrainiert.

Mag. Dr. Birgitt Espernberger (ASZ):

In einer Zukunft, in der Artificial Intelligence repetitive und unterstützende Aufgaben übernimmt, wird die menschliche Arbeitskraft neu definiert. Der Fokus verschiebt sich weg von monotonen Tätigkeiten hin zu kreativen, strategischen und empathischen Fähigkeiten. Eine Anpassungsbereitschaft des Menschen wird unabdingbar, da die Dynamik der Arbeitswelt sich beschleunigt. Ein Denken in größeren Dimensionen wird notwendig, um komplexe Zusammenhänge zu erfassen und innovative Lösungen zu entwickeln.

Menschliche Kreativität, emotionale Intelligenz und strategisches Denken werden zu zentralen Elementen, die in Synergie mit AI I einen harmonischen Fortschritt ermöglichen. Diese Veränderungen erfordern eine kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten und eine Bereitschaft, sich auf neue Arbeitsmodelle einzulassen.

Arbeitsplatzverluste und/oder höhere Effizienz

Arbeitsplatzverluste versus höhere Effizienz aufgrund von Artificial Intelligence – wer hat Recht?

Nina Sattlegger (Talentor Austria):

Es ist in gewisser Hinsicht ein Paradoxon: Je mehr der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt voranschreitet, desto wichtiger wird die menschliche Intelligenz. Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die es schaffen, die Vorzüge aus beiden Welten zu verbinden: Bei der AI ist das v.a. die Fähigkeit, riesige Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und Prognosen zu erstellen. Was den Menschen einzigartig macht, sind Kooperationsfähigkeit, Kreativität, kritisches Denken und emotionale Intelligenz. Es geht also darum, Artificial Intelligence sinnvoll und verantwortungsbewusst zu nutzen, um effizienter und besser zu arbeiten. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben, offen für Neues zu sein und den Wandel aktiv mitzugestalten.

Jutta Perfahl-Strilka (hokify):

Arbeiten zu erhalten, die eigentlich besser und effizienter durch Technologie erledigt werden könnten, halte ich weder für sinnvoll noch zielführend. Im Gegenteil. Wir brauchen KI, um dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken. Sei es durch die Übernahme von Arbeit durch Technologie oder durch die Neuorientierung von Arbeitskräften, deren Job sich durch AI verändert hat. Um das darin liegende Potenzial zu nutzen, müssen betroffene Branchen jedoch faire Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen bieten.

Zusätzlich waren die Auswirkungen von technologischen Neuerungen auf den Arbeitsmarkt auch in der Vergangenheit meist ein Wechselspiel: Arbeitsplätze, die durch Technologie ersetzt werden können, fallen weg, dafür ergeben sich durch die Technologie auch neue Bereiche, die neue Aufgaben und damit auch neue Arbeitsplätze mit sich bringen. Artificial Intelligence führt also weniger zu einem Arbeitsplatzverlust als zu einer Verschiebung der Arbeitskraft. Dazu kommt, dass dieser Wandel nicht von heute auf morgen passiert, sondern ein organischer Prozess ist, in dem viele Veränderungen und Einflussfaktoren ineinander greifen. Upskilling Projekte spielen dabei eine wichtige Rolle: Es stellt sich für CEOs und Unternehmen die Frage, welche die richtigen Skills für die Zukunft sind und wie die Belegschaft re- und upgeskilled werden kann, um das Unternehmen zukunftsfit zu machen.

Mag.(FH) Heike Dormuth, MA (Teamimpuls):

Die Frage nach Arbeitsplatzverlusten versus höherer Effizienz im Zusammenhang mit AI ist komplex und hängt vermutlich von verschiedenen Faktoren ab. Die Auswirkungen werden je nach Branche, Region und spezifischen Umständen variieren. Ich denke, es ist schon lange keine Frage mehr nach richtig oder falsch. Wichtig ist, dass die Auswirkungen von AI nicht nur von der Technologie selbst, sondern selbstverständlich ganz stark von der Art und Weise abhängen, wie sie in Politik, Unternehmen und der Gesellschaft selbst implementiert wird. Beispielsweise stellt sich mir, neben anderer selbstverständlich auch wichtiger Maßnahmen, die ganz große Frage der Regulierung in Bezug auf den Einsatz von AI.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wirklich alle Akteure gemeinsam daran arbeiten, ethische Leitlinien zu entwickeln und umzusetzen, um den verantwortungsbewussten Einsatz von AI überhaupt gewährleisten zu können. Ein stetiger Austausch und viel Klarheit über Transparenz und Verantwortung sind notwendig, um die langfristigen Auswirkungen auf uns alle zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass Artificial Intelligence tatsächlich auch zu positiven sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen führt.

Erich Nepita (LHH|OTM):

Bei der Frage nach Arbeitsplatzverlusten versus höhere Effizienz, gibt es aus unserer Sicht keine eindeutige Antwort. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung kann man Prozesse effizienter gestalten, was zu höherer Produktivität und geringeren Kosten führen kann. Dadurch können jedoch auch Arbeitsplätze überflüssig werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Implementierung von AI nicht zwangsläufig zu Arbeitsplatzverlusten führen muss. Stattdessen kann es zu einer Umverteilung von Aufgaben kommen, bei der Arbeitskräfte in neue Tätigkeitsbereiche wechseln, die eng mit Artificial Intelligence zusammenarbeiten. So entstehen neue Arbeitsplätze in Bereichen wie Datenanalyse, Programmierung oder Wartung von AI-Systemen. Tatsache ist, dass viele Unternehmen gewisse Positionen nicht besetzen können, während Teilorganisationen die zwingende Notwendigkeit haben ihre Prozesse zu überdenken und AI-unterstützt neu auszurichten. Beispielsweise betrifft das Kundendienste und Informationsprozesse, die durch eine permanente Erreichbarkeit profitieren.

Letztendlich liegt es an den Unternehmen, verantwortungsbewusst mit dem Thema umzugehen und Strategien zu entwickeln, um sowohl die Effizienz zu steigern als auch die Mitarbeitenden zu unterstützen. Der Fokus sollte darauf liegen, die Mitarbeitenden weiterzubilden, damit sie die neuen Anforderungen des Arbeitsmarktes erfüllen können.

Es ist wichtig, eine ausgewogene Balance zwischen Effizienzsteigerung und dem Schutz der Arbeitnehmer zu finden, um positive Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Arbeitswelt zu erzielen.

Interviewte Personen

Artificial Intelligence | Ihre Rolle in der künftigen Arbeits-Welt

Erich Nepita

Erich Nepita, LHH, Artificial Intelligence

Mag.(FH) Heike Dormuth, MA

Heike Dormuth, teamimpuls

Mag. Dr. Birgitt Espernberger

Brigitt-Espernberger, ASZ, Artificial Intelligence

Richard Melbinger

Richard Mebliner, ARS

MMag. Victor Mihalic

  • CEO
  • EBC*L Europäische Wirtschaftszertifikate
Victor Mihalic, EBCL

Nina Sattlegger

  • Executive Director Life Science & Healthcare
  • Talentor Austria GmbH
Christoph Monschein, Edenred, Künstliche Intelligenz

Mag. Sandra Bascha

  • Leitung Kommunikation Österreich
  • New Work SE
Sandra Bascha, Xing, Stellenausschreibung und Stellenanzeigen

Jutta Perfahl-Strilka

  • CEO
  • hokify
Jutta Prehfal-Strilka, hokify, c Mila Zytka
Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte sie komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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