Ein neuer Podcast zieht in die HR-Szene ein. Der nüchterne Titel: „Der Podcast zur Zukunft der Arbeit“ ging gestern online. Weit weniger nüchtern ist der Untertitel „Geht so. Passt schon. Oder?“
- Karin Bauer, langjährige Karriere-Ressortleiterin im Standard, geht mit diesem Podcast live.
- Wirtschaftsprofessor und Karriereforscher Michael Meyer ist Co-Host.
- Bernhard Madlener komplettiert das Team in der Produktion.
Das Anliegen und der Plan: ein neues, journalistisches Diskursformat für Aufbruch.
Interview-Partnerin
Karin Bauer war über 30 Jahre Redaktionsmitglied im Standard, hat das Karriereressort geleitet, war Chefin vom Dienst und Head of Printteam und startet nun den Podcast „Geht so. Passt schon. Oder? Der Podcast zur Zukunft der Arbeit.“
Vom Gedanken zur ersten Episode
Karin, wie entstand die Idee, einen Podcast zum Thema „Zukunft der Arbeit“ zu starten?
Aus der Lücke heraus – es fehlt eine Plattform, die sich diesem riesigen, gesellschaftspolitisch so hoch relevanten Feld kritisch, konstruktiv und konsequent widmet. Und meine Leidenschaft!
Du kommst aus der Welt der Printmedien. Was unterscheidet für dich das Erzählen in Printmedien vom Erzählen in einem Podcast?
Gute Frage! Ich sehe gar keine riesigen Unterschiede: eine gute Geschichte braucht dort und da die Zutaten Handwerk, Interesse, Respekt und Perspektivwechsel plus bestmögliche Unparteilichkeit. Reden geht halt schneller, Podcast ist unmittelbarer, reaktiver, emotionaler und gibt mehr Raum und hat den Wirkmechanismus Stimme. Jetzt und live macht den Unterschied.
Was war beim Aufbau des Podcasts herausfordernder, als ursprünglich erwartet?
Mit Wirtschaftsprofessor Michael Meyer und Produzent Bernhard Madlener war der Spirit einfach da! Bernhard ist Podcast-Produktionsprofi – ich glaube, er hält die Herausforderungen technischer Art von mir fern. Wir 3 haben uns mit unseren Anliegen wirklich gefunden! Ich gewöhne mich gerade erst an den Rollenwechsel, zB. in Social Media über mich selbst zu schreiben.
Was hat dich in deinen bisherigen Podcast-Tätigkeiten positiv überrascht?
Dass Menschen aus meinem Netzwerk, Ali Mahlodji, Gabarage-Gründerin Gabriele Gottwald-Nathaniel, Harald Katzmair oder Holger Bonin sofort gesagt haben: ja klar, wir kommen zu euch in den Podcast, wir sind dabei. Es war von Anfang an eine solche Kraft drinnen – und da hatten wir noch nix, ich hatte nur die Idee.
Welche neuen Fähigkeiten musstest du dir für das Podcast-Format aneignen?
Konsequent meine Infrastruktur für Kommunikation in Ordnung bringen und halten, IT-Zeug selber ausprobieren bis es klappt, geduldig sein (kann ich sehr schlecht) und mit dem Perfektionismus etwas nachlassen.
Wer ist die Zielgruppe: sowohl auf Seite der Hörenden als auch auf jener der Interviewten?
Ich wünsche mir als Hörende alle, die etwas zu tun haben mit Arbeit – bezahlt, unbezahlt, schlecht bezahlt.
Zu Wort kommen Menschen, die Brüche erleben, die neu gestalten wollen und pionierhaft unterwegs sind, oder kluge Analysen liefern und einen Aufbruch stärken und entängstigen können und nicht überzeugt sind, dass es eh schon wurscht ist und alles den Bach runter geht zwischen KI, Überalterung, Erderwärmung und Kriegsgeschehen.
Ich wünsche mir, dass wir uns mit unterschiedlichsten Wünschen, Problemen und Lebensentwürfen mit einem Möglichkeitssinn zusammentun.
Zukunft der Arbeit: Welche Themen stehen im Mittelpunkt
Welchen Themenkomplex wirst du konkret umspannen? „Zukunft der Arbeit“ ist relativ weit gesteckt.
Arbeit in allen Wirkungsbereichen. Eigentlich geht es um ein gelingendes Leben – individuell, gesellschaftlich und letztlich für uns alle. Viele, viele Ansatzpunkte! In der Forprofit- und der Nonprofitwirtschaft, allen Schieflagen und Herausforderungen. Im Zentrum muss, bin ich überzeugt, das respektvolle Menschenbild stehen.
Welche Entwicklungen in der Arbeitswelt beschäftigen dich derzeit am meisten?
Wir lassen so viele zurück, tausende Junge, Menschen, die beitragen wollen und nicht „dürfen“ – und über allem liegt Zukunftsangst. Ich kann mich gar nicht entscheiden: es passt so viel nicht, die Brauchbarkeit im KI-Zeitalter ist da eigentlich nur ein Aspekt…
Welche Themen werden in den ersten 5 Folgen im Fokus stehen?
Die ersten Episoden sind ein Lagebild der Bruchlinien, die Folgen des Sparens im Sozialbereich, FOBO (fear of becoming obsolete), die positiven Zukunftslinien und ein Plädoyer für die Lehre.
Auf welche Gesprächspartner freust du dich besonders?
Uff, das ist schwierig – vielleicht auf die jungen Leute, die uns überraschen werden mit ihrer Klarheit.
Ziele & Erwartungen
Welche Ziele verfolgst du mit dem Podcast: fachlich, aber auch persönlich?
Es soll ein Diskursformat sein, nicht glattgebügelt, nicht weichgekocht, es soll einladen, anregen und Plattform für Aufbruch und Zukunftsglauben werden. Das deckt sich mit dem, was ich persönlich wirklich, wirklich tun und anstoßen will.
Wie oft wird der Podcast erscheinen und wo können Interessierte ihn hören?
Wöchentlich auf allen Plattformen.
Worauf freust du dich in den kommenden Monaten am meisten?
Auf Rückmeldungen, auf Routine im Team, auf ungeahnte Begegnungen und Erfahrungen.
Wie viele Folgen waren vor dem Startschuss bereits fertig produziert?
Biblisch: 7! Eingebucht haben wir jetzt insgesamt 21 über den Sommer.
Wenn du in drei Jahren auf deinen Podcast zurückblickst: Woran würdest du erkennen, dass er ein Erfolg geworden ist?
Reichweite natürlich – und die Etablierung als glaubwürdige, unabhängige journalistische Plattform zur Zukunft der Arbeit.
Ich danke für das Interview und freue mich sehr, dass es ein neues Medium in unserer HR-Szene gibt!
„Geht so. Passt schon. Oder?“ | Karin Bauer startet einen Podcast über die Zukunft der Arbeit

