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Social Media für HR – nur ein Hype?

Eine Podiumsdiskussion an der FH Wiener Neustadt widmete sich gestern, 5mai2011, dem Thema „Social Media im HR-Management“. Ein brandaktuelles Thema oder wieder nur ein Hype?

Foto oben: Gudrun Ostermann, Judith Morgenstern, Michael Bilina, Eva Selan, Peter Steinkellner, Hermann Pavelka-Denk

Das Thema:

„Social Media als Kommunikationsform im Personalmanagement“

Die Diskutanten:

Mag. (FH) Hermann Pawelka-Denk
Senior Consultant bei Eblinger & Partner
Blog Personalberaterseitenblicke.at
Autor bei HRweb

Mag. Eva Selan, MSc

Geschäftsführerin HRweb

Univ.-Prof. (PEF) Mag. (FH) Dr. Peter Steinkellner
wissenschaftlicher Leiter PEF Privatuniversität für Management
selbstständiger Unternehmensberater

Mag. Michael Bilina
Human Resources, Allianz Elementar Versicherungs-AG

Mag. Judith Morgenstern
Partnerin der Arbeitsrechtskanzlei Mosati Rechtsanwälte

Die Moderatorin:

Mag. Gudrun Ostermann
Redakteurin, Der Standard, Karriereteil

 

Bilina: „Es ist schön, über dieses Thema eine reale Diskussion zu führen, denn üblicher Weise ist es schick, über Social Media in einem Webinar oder sonstigen Social-Media-Event zu sprechen. Der persönliche Kontakt ist immer noch die Mal toller als der Kontakt im Social Net.“

 

Bestandsaufnahme zur derzeitigen Situation von Social Media in heimischen Unternehmen

Steinkellner: „Wenn man den Medien Glauben schenkt, so ist Social Media ein großer Hype und es wirkt, als wenn man HR nur noch mit Social Media machen sollte. Ich habe vor kurzem an der Sage Recuriting Studie mitgewirkt. Ein Teilergebnis ist, dass die beliebteste Inforationsquelle für offene Stellen jener ist über Bekannte oder andere informelle Kontakte, gefolgt von klassischen  Printmedien. Schlusslicht mit nur 10 % waren Social Media (10% Xing, 5% Facebook). Auf Arbeitgeberseite war das Ergebnis ähnlich.“

Für die aktive Suche sind Social Media also noch nicht so wichtig. Relevant werden sie dann wenn es um Employer Branding und um Personen geht, die nicht aktiv auf der Suche sind.

 

Selan: Die Herausforderung für Unternehmen ist, dass in den HR-Abteilungen wenig Erfahrung vorliegt und in die Personalentwicklung für Social Media wird wenig investiert – Social Media kosten ja nichts. Daher gibt’s auch keine Nebenkosten. Somit bekommen die HR-Mitarbeiter zu wenig Know-how an die Hand.“

Ostermann: „Heißt das, dass die HR-Abteilungen offensiver werden sollen?“

Selan: „Nein. Je offensiver sie werden, desto mehr melden sie sich freiwillig, dafür Verantwortung übernehmen zu müssen? Wollen Sie das? Social Media schön und gut, aber es muss zusätzlich zum normalen Kerngeschäft geschehen. Ich schätze, dass es wenigen Personalisten so fad ist, dass sie sagen ‚Hier, ich möchte einen großen Brocken noch zusätzlich machen!’ “

 

Wie sieht es konkret in der Personalberatung aus?

Pavelka-Denk: „Wir müssen Recruiting und Personalmanagement unterscheiden. Im Recruiting werden Social Media immer mehr und immer professioneller verwendet, im Personalmanagement sind wir wahrscheinlich noch vor den Kinderschuhen.

Ich denke, Social Media ist etwas, in das man hineinwachsen muss. Im Generation-X-Y-Konflikt sieht es mehr oder weniger so aus, dass ‚die Alten es verstehen möchten und den Jungen ist es egal, denn sie machen es einfach’. Wenn ich im Recruiting daran denke Facebook zu verwenden, so muss ich darauf achten, wirklich auf der Social-Ebene zu bleiben. Ich muss informell bleiben und mich austauschen. Ich kann nicht erst einsteigen, wenn ich eine vakante Position habe und mich erst dann dort umsehen. Ich würde daher auf jeden Fall junge Mitarbeiter einbeziehen in die Social-Media-Kommunikation.“

 

Die Allianz Karriere Österreich besteht seit 1 Jahr in Facebook.

Bilina: „Mittlerweile ist es die größte Karriereseite Österreichs. Als ersten Schritt suchten wir nach unserem USP, um Bewerber anzuziehen. Daher trauten wir uns und gingen in Facebook.

Social Media heißt Mitmachernetz. Wenn wir eine Facebook-Seite einrichten, halten wir natürlich auch unsere Mitarbeiter an, mitzumachen. Das muss dann aber auch authentisch sein und nicht mühsam zusammengestoppelt, nicht jeder kann oder möchte etwas schreiben. Doch Posts von Mitarbeitern zu faken kann nur schief gehen, denn dann schreibt einer seiner Freunde ‚das kommt nie und nimmer von dir’ “.

 

Kann man aus rechtlicher Sicht Mitarbeiter dazu verpflichten, auf Social Media zu posten?

Morgenstern: „Man kann es arbeitsvertraglich vereinbaren, aber das ist ja nicht das was gewünscht ist. Ich kann Herrn Bilina nur beipflichten: wenn man versucht, es zu erzwingen, geht es sicher schief.“

 

Tipp von Bilina:

  • „Sperren Sie Ihren Facebook-Account für die Öffentlichkeit
  • googeln Sie einmal nach Ihrem Namen
  • sehen Sie auf 123people was bei Ihrem Namen erscheint.“

Sehen Sie Social Media als Chance, sich selbst darzustellen. So darzustellen, wie Sie sich gerne präsentieren würden. Peinliche Bilder haben hier nichts verloren. Die rechtliche Seite sagt laut Morgenstern: „was nicht geschützt ist, gilt als veröffentlicht, als ob es auf dem Marktplatz laut hinausgeschrien wäre.“

 

Guidelines – Regeln für die Kommunikation via Social Media

Selan: „Social-Media-Guidelines müssen immer zur Unternehmenskultur passen. Ist es zB eine junge, innovative Kultur, wird es kaum passend sein, den Zugang zu Social Media generell zu sperren. Auch Sprache, etc. muss zur Kultur passen. Weiters muss klar sein, wer was wann wie posten kann, was keinesfalls gepostet werden darf – das ist siche rauch eine rechtliche Sache – und wer was wie kontrolliert. Ohne Kontrolle wird es schwer funktionieren, doch erhält man nach jedem Post den erhobenen Zeigefinger, wird die Mitwirkung von Mitarbeiterseite schnell verebben.“

Morgenstern: „Ich kann es unterschreiben, man kann verbieten, doch die Frage ist wie sinnvoll es ist. Weiters geht es um Urheberrecht – wem gehört die Aussage des Mitarbeiters über den Arbeitgeber.“

Bilina: „Die US-Army hat 16 Seiten Guidelines. Wir haben das um einiges schlanker gehalten. Unser Social Media-Code sagt, dass die Mitarbeiter achtsam sein sollen, da die Aussagen weite Kreise ziehen können. Den Mitarbeitern ist das klar und sie waren schon in Social Media, lang bevor der Code da war.“

Pavelka-Denk: „Das Essential ist die Unternehmensstrategie und die Unternehmenskultur. Es muss authentisch sein. Und es ist auch nicht für jedes Unternehmen notwendig, unbedingt in Social Media vertreten zu sein.“

Steinkellner: „BMW und auch die Allianz zeigt, dass man es besser ganz oder gar nicht macht. Wenn man in Social Media unterwegs ist, muss man auch dahinter sein und schnell reagieren auf Posts, etc. Und wenn zB. die Employer Brand angekratzt ist, wird man es allein mit Social Media nicht ausbügeln können. Man wird seine Hausaufgaben schon vorher machen müssen.“

 

Schlussrunde: wie sieht die Zukunft aus?

Pavelka-Denk: „Ich glaube, dass Social Media derzeit ein Schlagwort, ein Hype ist und dass es normal werden wird. Genau wie Email, SMS und dergleichen normal wurde. Das wird schneller gehen als man glaubt.“

Steinkellner: „Ich bin heilfroh, nicht Zukunftsforscher zu sein und diese Dinge nicht vorhersagen zu müssen. Social Media wird eine Ergänzung der Personalarbeit werden, aber klassische Medien nicht ersetzen.“

Selan: „Die Digital Immigrants werden von den Digital Natives lernen und umgekehrt. Bis eine gemeinsame und für beide Seiten passende Sprache entsteht.“

Bilina: „Ich wünsche mir, dass von Seiten der Unternehmer es ein Weggehen von der Hochglanzbroschüre und des One-Way-Monologs gibt und den Weg zur Kommunikation, wie es in Social Media ja der Grundgedanke ist.“

Morgenstern: „Ich lass mich überraschen“

Ostermann: „Danke für das Gespräch!“

 

Ein Dank an die FH Wiener Neustadt für die spannende Diskussion!

Facebook-Seiten

 

Lesen Sie einen Bericht über diese Podiumsdiskussion diesen Samstag auch in DerStandard!

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2 Kommentrare

  1. CT am

    War wirklich eine gelungene Veranstaltung. Habe bereits Gruppen im fb angelegt!

  2. Eva Selan am

    Ja, das war ein guter Hinweis: die Freunde wissen, wie die Gruppen heißen, in denen sie abgespeichert werden – daher Achtung, wie ihr die Gruppen benennt!
    Lg, Eva Selan

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