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Diversity Management – aber bitte ganzheitlich!

Spätestens seitdem Conchita Wurst Österreich den Ruf des toleranten Global Players beschert hat, wird viel über das „Anderssein“ und den Umgang damit gesprochen. Auch immer mehr Unternehmen beschäftigen sich damit, wie sie die Vielfältigkeit ihrer Belegschaft und Kunden nutzen können und diesen ein Umfeld bieten, in denen alle Mitarbeiter gerne arbeiten und sich neue Kundengruppen angesprochen fühlen. Aber wie steht es um das Diversity Management in Österreichs Betrieben?

 

Eine hohe Anzahl hat bereits erste Initiativen gesetzt. Vielfach wird aber auch die Beschäftigung mit einzelnen Themen des Diversity Managements gescheut. Ein neuer Beratungsprozess samt Auszeichnung soll hier nun Abhilfe schaffen.

Diversity Management ist mehr

Immer mehr Betriebe setzen auf Diversity Management: Aktuell (Stand 11juni2014) haben 129 Unternehmen die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet und damit sichtbar gemacht, dass ihnen die Vielfalt am Herzen liegt. Auch im Schatten der Corporate Social Responsibility (CSR) gewinnt Diversity Management an Bedeutung. 2012 etwa gaben mehr als drei Viertel der ATX Unternehmen an, ein CSR Konzept zu haben. Ein explizites Diversity Management Konzept hatten damals nur 38 %.

Auffallend ist aber damals wie heute, dass sich Diversity Management in den meisten Betrieben nicht ganzheitlich mit allen Bereichen gleichermaßen beschäftigt, sondern mit einigen wenigen. Während man sich international einig ist, dass Diversity Management vor allem die sogenannten sechs Kerndimensionen Geschlecht, Alter, Menschen mit Behinderung, Ethnische Herkunft & Hautfarbe, Religion & Weltanschauung sowie sexuelle Orientierungen umfasst, drehen sich die Maßnahmen und Aktivitäten oft nur um die Themen Geschlecht und Alter, meist im Sinne der Frauenförderung und der Arbeitsfähigkeit. Zum Glück gibt es auch Betriebe, die anderen Themen Raum geben, aber die Mehrzahl nützt nur einen Teil des Potenzials.

Diversity Management ist komplex

Der Grund für diese partielle Beschäftigung ist die hohe Komplexität, die Diversity Management mit sich bringt. Natürlich wird vielfach dort begonnen, wo der Schuh besonders stark drückt, also etwa beim Aufbau von Frauen in Führungspositionen, bei der Arbeitgeberattraktivität durch das Schaffen einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder aber bei der Frage, wie ältere Mitarbeiter fit und motiviert im Job bleiben können. Diversity Management folgt also hier dem Prinzip des raschen Nutzens bzw. Problemlösens. Ein legitimer Zugang und dennoch braucht es einen Wert im Unternehmen, der Vielfalt hochhält und vom kurzfristigen Opportunismus abhebt, wenn die volle Wirkung eines professionellen Vielfaltsmanagements erreicht werden soll.

Viele Unternehmen verabsäumen es, sich für das komplette Spektrum der Vielfalt zu öffnen. Zum einen, weil sie keinen Nutzen darin sehen, zum anderen, weil sie den Aufwand fürchten und zuletzt, weil sie nicht ermessen können, wie viele Berührungspunkte etwa die Herkunft oder sexuelle Orientierung von Mitarbeitern mit deren Arbeit und Arbeitsleitung haben.

Ein neues Instrument schafft Abhilfe – ZukunftVIELFALT ist da

Um diesem Umstand entgegenzutreten, gibt es seit juni2014 einen neuen, standardisierten Beratungsprozess für Diversity Management am Markt namens ZukunftVIELFALT. Bei diesem Prozess durchleuchtet das Unternehmen unter professioneller Anleitung alle oben genannten Kerndimensionen des Diversity Managements und darüber hinaus weitere für die Umsetzung relevanten Handlungsfelder wie Personalmanagement, Führungs- und Unternehmenskultur, Kommunikation & Information sowie Qualifizierung. Basierend auf dem Ist-Stand der Aktivitäten werden dann unter Einbeziehung von Mitarbeitern und Führungskräften passende weitere Maßnahmen und Initiativen entwickelt und in den folgenden 3 Jahren umgesetzt. Die Analyse erfolgt nicht „ins Blaue“, sondern unter Verwendung eines umfangreichen Kriterienkataloges, der in 1,5 Jahren mit zahlreichen Experten entwickelt wurde.

Im Vorfeld zum Prozess bereits werden für die Umsetzung wesentliche Elemente geklärt und abgefragt, darunter das Commitment der Leitung, die Machbarkeit der Umsetzung sowie die Einsetzung eines Diversity Beauftragten und einer entsprechenden Projektgruppe.

Ganzheitliches Diversity Management wird ausgezeichnet

Der Lohn für alle Mühen ist nicht nur ein Arbeitsumfeld, in dem sich alle Mitarbeitergruppen wohlfühlen, ihre Leistung bringen möchten und das auch nach außen attraktiv ist, sondern Unternehmen, die den ZukunftVIELFALT Prozess durchlaufen haben, können sich anschließend auch von einem externen Zertifizierungsinstitut gemäß der ÖNORM S2501 (Diversity Management – Leitfaden über Grundsätze, Systeme und Hilfsinstrumente) zertifizieren lassen. Alle zertifizierten Unternehmen erhalten darüber hinaus die Auszeichnung von ZukunftVIELFALT, um sich nach innen wie außen als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Um sicherzustellen, dass alle ausgezeichneten Unternehmen tatsächlich ganzheitliches Diversity Management leben, wurden Minimumkriterien definiert. Diese garantieren, dass auch in jenen Dimensionen, die nicht zu den aktuellen Schwerpunkten gehören, wesentliche Überlegungen zur Antidiskriminierung und Gleichbehandlung sowie die Erfüllung gesetzlicher Bestimmungen gegeben sind.

Alle drei Jahre kann die Zertifizierung über einen erneuten Prozess weitergeführt werden. Teilnehmen können alle privaten Unternehmen, Non-Profit-Organisationen und öffentlichen Einrichtungen, egal wie viele Mitarbeiter sie beschäftigen.

Noch 2014 sollen die ersten Unternehmen starten und so ihr Engagement rund um vielfältige Mitarbeiter und Kunden deutlich machen. Damit es nicht nur bei Conchita-getriebenen Toleranzbekundungen bleibt, sondern echte Akzeptanz die Unternehmen für die Zukunft stärkt.

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