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Kündigung | Sag beim Abschied sauber Servus

„Meistens hat, wenn sich zwei scheiden, einer etwas mehr zu leiden.“ Dieses Zitat von Wilhelm Busch veranschaulicht sehr gut, dass es immer schwierig ist, Beziehungen respektvoll und für beide Seiten annehmbar zu beenden. In einer  Arbeitsbeziehung mittels Kündigung einen sauberen Schlußstrich zu ziehen, daran scheitern oft Führungskräfte und Mitarbeiter.

Denn auch im Business wird meistens viel zu lange zugewartet und Störendes nicht angesprochen. Um danach ohne Vorwarnung entweder hoch emotional abzurechnen und/oder eiskalt die Konsequenzen zu ziehen. Und dieses Verhalten ist beidseitig zu beobachten – also sowohl bei Dienstnehmer- als auch bei Dienstgeberkündigungen.

Das ist bedauerlich. Denn wer es nicht schafft, einen sauberen Schlussstrich unter ein Dienstverhältnis zu ziehen, riskiert unangenehme Nebenwirkungen.

Kündigung – So machen es die Mitarbeiter

Wie unterschiedlich Mitarbeiter bei Eigenkündigungen vorgehen, haben kürzlich die amerikanischen Organisationsforscher Anthony Klotz und Mark Bolino in einer Studie untersucht. Durch eine Befragung von amerikanischen Mitarbeitern und Führungskräften haben Klotz und Bolin verschiedene Kündigungstypen identifiziert.

Laut dieser Studie pflegen rund 50 % der Mitarbeiter einen Abgang so zu gestalten, dass er als positiv erlebt wird. Mit dem Effekt, dass sich das mittelfristig vorteilhaft auf deren weiteren Berufsweg und die Netzwerkpflege auswirken dürfte. Diese Mitarbeiter sind dankbar für die gute Zeit im Unternehmen und/oder geben bereitwillig Auskunft über die Beweggründe für die Kündigung.

Rund ein Drittel der Mitarbeiter bleibt bei der Kündigung sachlich distanziert. Hier wird weder Schmutzwäsche gewaschen, noch sind diese Mitarbeiter an einem persönlichen Gespräch interessiert. Zielsetzung  ist es, den Abgang gut und  schnell über die Bühne zu bringen. Und das mit möglichst wenig Aufwand und Engagement. Diese Art wird als korrekt, aber oberflächlich erlebt.

Bleibt letztendlich die Gruppe jener 20 % , die durch die Art und Weise wie sie gehen, negativ in Erinnerung bleiben. Das betrifft vor allem jene, die eine Eigenkündigung zum großen Show-down machen. Dem Vorgesetzten wird dann in aller Deutlichkeit mitgeteilt, was man von ihm und/oder dem Unternehmen hält. In dieser Gruppe sind auch jene Mitarbeiter beinhaltet, die impulsiv kündigen. Meistens geschieht dies aus Wut und im Affekt. Wenig verwunderlich, dass so ein Abgang als unprofessionell in Erinnerung bleibt.

Kündigung – So agieren die Unternehmen

Wenn die Trennung vom Unternehmen ausgeht, ist es natürlich absurd darauf zu hoffen, dass dieser Schritt vom Mitarbeiter als positiv erlebt wird. Wohl kaum ein Betroffener wird sagen: „Sie haben die richtige Entscheidung getroffen“. Eine Kündigung wird im Ergebnis vom Mitarbeiter daher immer als negativ erlebt werden. Alles andere wäre ein Akt der Selbstverleugnung.

Sehr wohl gestaltbar ist aber die Art und Weise, wie der Trennungsprozess vom Mitarbeiter wahrgenommen wird. Und hier zeigt sich bei den Unternehmen  großer Handlungsbedarf. Das belegt eine brandaktuelle Management-Studie, die Kienbaum Deutschland im Herbst 2016 veröffentlicht hat. Diese zeigt deutlich, dass zwar immer mehr Unternehmen die Tragweite eines professionellen Trennungsmanagement bewusst ist. Aber gleichzeitig wird auch eingestanden, dass in diesem Feld wenig Aktivitäten gesetzt werden.

So geben 70 % der befragten Unternehmen an, dass es weder eine Trennungskultur in ihrer Organisation gibt, noch sind Prozesse oder Instrumente im Bereich Trennungsmanagement implementiert. Wenig verwunderlich, dass mehr als 2/3 der befragten Manager auch eingestehen, dass ihre Führungskräfte auf Trennungsprozesse und besonders auf die heiklen Trennungsgespräche nicht vorbereitet sind.

Führungskräfte, die ohne Unterstützung in Trennungssituationen agieren, bergen für die Unternehmen ein enormes Kostenrisiko. Vor allem in  Bezug auf daraus resultierende arbeitsgerichtliche Prozesse. Aber es kann noch  schlimmer kommen: Ein unprofessionelles Handeln der Führungskräfte im Trennungsprozess kann dazu führen, dass die verbleibenden Mitarbeiter dem Unternehmen die Loyalität aufkündigen.

Kündigung – Man sieht sich meistens zwei Mal im Leben

Dienstnehmer- und Dienstgeberkündigungen sind normal und unvermeidlich. Aber wie in privaten Beziehungen, gilt es auch bei beruflichen Trennungen immer zwei Aspekte zu betrachten – die Beendigung an sich und die Art und Weise, wie es passiert.

In unserer schnelllebigen Zeit wechseln Führungskräfte und Mitarbeiter immer öfter die Unternehmen. Und damit steigt beidseitig das Risiko, dass man sich bei einem zukünftigen Arbeitgeber wieder über den Weg läuft. Wenn dann unsaubere „Altlasten“ aus einer gemeinsamen Vergangenheit wieder hochkochen, kann das für beide Seiten unangenehm werden.

Für Unternehmen gilt: Wer es nicht schafft, ein professionelles Trennungsmanagement zu implementieren, läuft  in Zeiten von Social Media, Kununu & Co Gefahr, am Bewerbermarkt als „NO-GO-Area“ gebrandmarkt zu werden. Und das wäre der absolute Super-Gau für jedes Employer-Branding.

 

 „Es ist Unsinn, Türen zuzuschlagen, wenn man sie angelehnt lassen kann“
(James William Fullbright, amerikanischer Politiker)

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