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Voraussetzungen für einen guten Business Coach

Experten-Interview: Wann kann / darf / soll Ihrer Meinung nach jemand als Business Coach beruflich tätig werden? Wie sieht es bzgl. Ausbildungslevel, persönliche Voraussetzungen und rechtliche Rahmenbedingungen aus?



Wann kann / darf / soll Ihrer Meinung nach jemand als Business Coach beruflich tätig werden?

Mag. Dagmar Grafeneder (KICK OFF): Jeder Unternehmensberater kann jederzeit als Business Coach beruflich tätig werden. Ob dieser selbsternannte Business Coach jedoch Erfolg haben wird, ist eine andere Frage.
Einzig die Kunden – deren Zufriedenheit mit der Leistung des Coaches und deren Zufriedenheit mit der eigenen Zielerreichung entscheiden über den Erfolg des Coaches.
Dementsprechend gibt es meiner Meinung nach keine Kriterien, wann jemand in dieser Rolle tätig werden darf.
Natürlich gibt es Faktoren, die für die Leistung des Business Coaches sprechen, wie eine fundierte Coachingausbildung, eigene Erfahrungen als Führungskraft in einem Unternehmen, ein Mindestalter von etwas 30 Jahren, Zertifikate, etc. etc. Dennoch sind das alles keine Garantien, dass der Kunde mit diesem Coach sein Ziel erreichen wird.

Miglena Doneva-Doncheff (ITO): Wenn man ein akkreditiertes Training absolviert hat, mind. 100 Coaching-Stunden an Erfahrung gesammelt hat und  kontinuierlich an Qualifikationen und Erfahrung weiterarbeitet. Ein gutes Beispiel dafür sind ICF akkreditierte Coaches.

Ina Biechl (institut ina biechl): Jede zukünftige Business-Coach-Person sollte meiner Meinung nach langjährige berufliche Erfahrungen in möglichst unterschiedlichen Bereichen haben, um hilfreiche Fragen stellen zu können. Das Dürfen und Können obliegt der eigenen Einschätzung. In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass Führungskräfte mangels geeigneter Beratung lange auf der Suche nach einer guten Unterstützung sind.

Mag. Ina Lukl (IBG): Business Coaching erfordert zusätzlich zu einer professionellen Haltung als Coach ein breites Repertoire an Werkzeugen (Methoden) und Erfahrungen in Einzel- und Gruppensettings. Diese sollten einerseits im Rahmen der Ausbildung, andererseits bereits in Unternehmenskontexten gemacht worden sein, nicht unbedingt und ausschließlich als Coach, sondern vor allem um ein allgemeines Grundverständnis für (mögliche) unternehmerische Gegebenheiten zur Verfügung zu haben.

Mag. Renate Strommer (ASO & WiLAk): Folgende drei Fragen müssen positiv beantwortet werden können:

  • Können ist eine Frage der Kompetenzen (persönlicher, fachlicher und sozialer Kompetenzen), dern Erfahrungen (Feldkompetenzen und Vielfalt von Organisationserfahrungen) und der Kompetenzentwicklung als Coach, einen Entwicklungsprozess unabhängig vom spezifischen Thema leiten zu können. „Kann ich den Coachee wirksam begleiten?“
  • Dürfen ist eine Frage der Ethik und Wertehaltung, wie Allparteilichkeit, Unabhängigkeit, Macht. „Darf ich es?“
  • Sollen und Wollen ist eine Frage der persönlichen Grenzsetzung, Psychohygiene. „Will ich mich auf den Coachee und/oder auf sein Thema einlassen?“
Wie sieht die rechtliche Seite aus?

Peter Jelinek (Jelinek Akademie): Der Begriff Business Coach ist kein gesetzlich definierter Terminus. Die Frage des Dürfens ergibt sich aus der konkreten Tätigkeit, die unter diesem Titel ausgeübt wird. Geht es um Beratung bei Fragen der Erfüllung beruflicher Aufgaben in Unternehmen, um Beratung von Menschen bei der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen, so ist das im ersteren Fall das Gewerbe der Unternehmensberatung, im zweiten Fall das Gewerbe der Lebens- und Sozialberatung. Bei spezifischen Themen wie Burnout-Prophylaxe, Beratung für Mobbing-Opfer etc. ist neben der rechtlichen Frage des Dürfens auch die Qualitätsfrage des Könnens essentiell. Es ist zu überprüfen, ob in der absolvierten Coaching-Ausbildung diese spezielle Thematik ausreichend erörtert und trainiert wurde oder ob eine Zusatzaus- bzw. -weiterbildung nötig ist.

Corinna Ladinig, MBA (CTC): Hier gibt es keine persönliche Meinung, sondern rechtliche Gegebenheiten: Coachen darf jemand mit Gewerbeschein Unternehmensberater (Firmenkontext) und/oder Lebensberater (persönlicher Kontext) – das gilt auch für Business Coaching. Die Wirtschaftskammer geht sehr strikt mit Verfehlungen um.

Braucht Business Coaching eine besondere Persönlichkeit?

Veronika Aumaier, MAS, MSc (AUMAIER CONSULTING/TRAINING): Erfolgreiche Business Coaches brauchen grundsätzlich eine reife Persönlichkeit mit professionellem Auftritt, um unterschiedlichste Persönlichkeiten unterstützen zu können. Es ist ein Mythos, dass mit aufwendigen Kennenlernterminen der passende Coach gesucht werden muss. Im Gegenteil, es ist davon auszugehen, dass professionelle Coaches eine Arbeitsbeziehung ab dem 1. Termin herstellen können. Und wenn der Business Coach als nicht passend erlebt wird – dann wechselt man ihn ganz einfach. Auch das spricht dafür, dass man im Business Coaching Netzwerke bucht und Rahmenkontingente vereinbart. Und, wenn zu lange mit ein und demselben Coach gearbeitet wird, laufen die Coachees Gefahr, dass sich mit dem Coach ein Kommunikationsmuster einspielt, dass zu wenig Veränderungen adressiert. Ausnahmecoaches bestätigen die Regel!

Inwieweit muss ein „fertiger“ Coach noch lern- und veränderungsbereit sein?

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Aus meiner Warte ist dies eine Grundanforderung an jeden Coach. Denn schließlich ist es ein zentrales Ziel  seiner Arbeit, Veränderungsprozesse bei anderen Menschen auszulösen und zu stimulieren. Also muss er auch selbst regelmäßig seine Einstellungen und sein Verhalten reflektieren, um hieraus zu lernen. Ohne diese Grundhaltung ist kein Coach auf Dauer ein guter Coach. Ohne die Bereitschaft zu lernen und sich zu verändern, ist er irgendwann, so meine Überzeugung, maximal noch ein routinierter Coach, der sein Programm abspult.

Wie sieht die Zukunft des Coachings aus?

Mag. Claudia Müller (BFI Steiermark):In der öffentlichen Wahrnehmung war Coaching lange Zeit etwas, das hauptsächlich Führungskräften vorbehalten war. Das wird sich mit Sicherheit ändern. In Zukunft wird sich Coaching als essentieller Bestandteil auf allen Ebenen des Unternehmens etablieren und zu einer zukunftsfähigen Kern-Kompetenz für eigenverantwortliche Mitarbeiter werden. Egal ob in agilen, virtuellen oder traditionellen Teams wird uns Coaching dazu befähigen, die Herausforderungen der Arbeitswelt von Morgen besser zu meistern. Und darauf sollten wir uns alle freuen!

 



Die Gesprächspartner

 


Miglena Doneva-Doncheff
Coach, Programmleiterin Coaching

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

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Mag. Dagmar Grafeneder
Gesellschafterin, Beraterin

KICK OFF Management Consulting GmbH

www.kick-off.at

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Veronika Aumaier, MAS, MSc
Geschäftsführerin

AUMAIER CONSULTING/TRAINING GMBH

www.aumaier-academy.com

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Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

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Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin & Inhaberin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

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Mag. Ina Lukl
Leitung Generationenbalance und Betriebliche Gesundheitsförderung

IBG Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement GmbH

www.ibg.at

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Ina Biechl
Geschäftsführerin

institut ina biechl

www.ina-biechl.at

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Mag. Renate Strommer
Geschäftsführerin

ASO & WiLAk GmbH

www.aso.at


Mag. Claudia Müller
Lehrgangsleiterin Diplomausbildung Systemisches Coaching

BFI Steiermark

www.bfi-stmk.at


Peter Jelinek

Jelinek Akademie e.U.


selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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