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Unglaublich viel ließ sich in ungeahnt kurzer Zeit realisieren. Viele Mitarbeiter waren im Home Office tätig, weitreichende Eigenverantwortung, adaptierte Arbeitsprozesse, vieles war mühsamer, ungeahnte Ideen konnten realisiert werden.

Nicht immer läuft alles optimal, doch wir sind einen immensen Schritt gegangen in einer rasant kurzen Zeit. Viele Aspekte des breitflächigen Home Office werden sich als positiv herausstellen und langfristig Gültigkeit haben wollen. Welche Apsekte sind es ganz konkret?

Ein – wie es in die Zeit passt – sehr kurzfristig angesetztes, schnelles Experten-Interview. Thema: Home Office:

 

Fragen dieses Interviews: Welche positiven Aspekte der Home Office-Zeit können aktiv für das produktive Miteinander (auch in der Face-to-face-Arbeit im Büro) genutzt werden?

INTERVIEW-PARTNER

 



Welche positiven Aspekte der Home Office-Zeit können aktiv für das produktive Miteinander – in der Face-to-face-Arbeit im Büro – genutzt werden?

Mag. Paul Bischofberger (Team|Manufaktur):

Also zuallererst könnte nach meinem Gefühl die ganz grundlegende und erfrischende Erkenntnis stehen, WAS letztendlich alles möglich ist (und das meine ich ausdrücklich nicht im Sinne eines ehemaligen Bundespräsidentschaftskandidaten), und wie schnell scheinbar unmögliche Dinge möglich wurden! Hier wurden und werden möglicherweise ganz tief sitzende, bislang unumstößliche Annahmen über den Haufen geworfen: Wir bekommen keine funktionierende IT-Infrastruktur hin, wer weiß, was die Kollegen zu Hause tatsächlich treiben, ich schaffe es nicht, meine „verstreuten“ Teammitglieder zu koordinieren und und und. Ich weiß von einigen unserer Kunden, dass ganz viele Befürchtungen eben nicht eingetroffen sind. Und das ist doch ein wirklich erfreulicher Nebeneffekt dieser Krise!

Gleichzeitig dürfte aber auch für jene, die für eine ausschließlich virtuelle Zusammenarbeit plädieren, offensichtlich(er) geworden sein, dass eine gemeinsame Arbeit dann am besten vonstatten geht, wenn auch physischer Kontakt zu Kollegen zumindest hin und wieder gegeben ist. Der Mensch ist ja immer noch zuallererst ein soziales Wesen, die meisten von uns brauchen den Austausch, Nähe zu anderen (durch die dann auch erst wieder Abgrenzung möglich wird), Inspiration durch Gespräche, Sortieren der eigenen Gedanken durch das Feedback anderer etc. Manche brauchen diesen face to face-Austausch täglich, anderen reicht es, wenn sie die Kollegen nur alle paar Tage sehen.

In einer idealen Welt versuchen Organisationen in Zukunft noch mehr, die beiden Pole Homeoffice und Büroanwesenheit gut austariert in Einklang zu bringen. Jetzt, wo vielerorts klar geworden sein sollte, dass Produktivität nicht unbedingt an der Bürostuhl-Belegungsrate gemessen werden muss, könnten hier viele neue Spiel- und Freiräume entstehen.

Mag. (FH) Michaela Kreitmayer (Hernstein Institut):

Es hat sich eine gewisse Disziplin beim Miteinander Tun entwickelt, da jetzt alle „gemeinsam“ im Home-Office arbeiten. Beispielsweise die anderen aussprechen lassen, nicht alle auf einmal sprechen, sich auch mal zurücknehmen können. Andernfalls funktioniert praktisch keine Video- oder Telefonkonferenz.
Die aktuelle Situation hat in vielen Unternehmen Prozesse verändert und die Digitalisierung beschleunigt. Daraus können wir uns mitnehmen, dass wir in Zukunft über Prozesse nachdenken – nicht nur, weil wir dazu gezwungen werden, sondern weil es Sinn macht proaktiv nach vorne zusehen und strategische Handlungsfelder bereits frühzeitig aufzuspüren.

Vertrauen in die Mitmenschen zahlt sich aus. Durch Vertrauen arbeiten Teams reibungslos(er) zusammen. Das bedeutet, dass sich Investitionen ins Vertrauen vor der Krise jetzt besonders bezahlt gemacht haben. Teams, in denen eine gute Vertrauensbasis besteht, arbeiten analog und digital besser zusammen.
Viele Mitarbeitende standen im Home-Office vor der Herausforderung sich selbst neu zu organisieren und sich selbst zu führen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können sie sicher bei der Rückkehr mitnehmen und entlasten in gewissem Maße die Führungskräfte.

Paul Stanzenberger (teamazing):

Das ungewollte Homeoffice bringt auch viele Chancen mit sich, denn es zwingt uns dazu, neue Wege zu gehen. Die gewonnene Flexibilität wird aktiv genutzt. So ist es auf einmal möglich, die Arbeitszeit individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Frühmorgens für die einen und tagsüber mit Kinderbetreuung für die anderen. In vielen Unternehmen vorher undenkbar, wird dem individuellen Rhythmen Raum gegeben. Ein anderes Beispiel sind Entscheidungsbefugnisse – da die Entscheidungswege im Homeoffice länger dauern, werden diese eher delegiert. Gleitzeit, digitale Tools und vieles mehr. Die Chancen sollte man unbedingt nutzen!

Homeoffice verlangt und fördert die Selbstständigkeit der Mitarbeiter. Gleichzeitig sind klare Rahmen, Strukturen und Spielregeln maßgeblich. Damit das reibungslos funktioniert ist es wichtig, dass hier das Vertrauen offen und aktiv ausgesprochen wird. Führungskräfte müssen dafür sorgen, dass jeder alle Informationen hat, um selbstständig arbeiten und entscheiden zu können. Die Gewissheit, auch mit dem nötigen Vertrauen ausgestattet zu sein, macht das Homeoffice dann schlussendlich für alle Beteiligten zu einer gewinnbringenden Alternative.

Wäre da nicht das große Bedürfnis des Menschen nach etwas Nähe und echter sozialer Interaktionen.

 



Die Gesprächspartner

 


Paul Bischofberger
Geschäftsführer

TEAM|Manufaktur GmbH

www.team-manufaktur.at

Unternehmens-Profil


Mag. (FH) Michaela Kreitmayer
Leitung Hernstein Institut

Hernstein Institut für Management und Leadership

www.hernstein.at

Unternehmens-Profil


Paul Stanzenberger

teamazing GmbH


selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan



Ich danke den Interviewpartnern sowohl für ihre Geduld als auch ihre Expertise.

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