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Leadership | Wahre Leader brauchen … Charisma

Charismatische Führungskräfte haben Ausstrahlung und eine Sog-Wirkung. Mit Charisma können aus Führungskräften wahre Leader werden. Wie entsteht Charisma? Und: was braucht ein Leader darüber hinaus?

Dieses Interview hatte ich bereits im Kopf als ich kürzlich folgende Frage in die Interview-Runde spielte: „Geben Sie mir eine Definition: Charisma – bei Führungskräften – ist:“. Nachzulesen im Experten-Interview“ Charisma Definition | Charismatische Führungskräfte sind …? Was zeichnet sie aus?“

 

Fragen dieses Interviews: Wahre Leader brauchen Charisma. Wie entsteht es, wie kann es gefördert werden?

Für wahre Leadership ist Charisma allein noch nicht ausreichend. Welche Eigenschaften muss ein Leader noch mitbringen?

 



Wahre Leader brauchen Charisma. Wie entsteht es, wie kann es gefördert werden?

Peter Dziergas, MBA MSc (Dale Carnegie Austria): Es entsteht durch den inspirierenden Umgang einer Führungskraft mit den Mitarbeitenden. Es kann beispielhaft durch das richtige Weiterentwickeln von Talenten oder durch erfolgreiches Steuern von Veränderungsprozessen gefördert werden.

Veronika Aumaier, MAS, MSc (AUMAIER & Partner Coaching): Als charismatisch bezeichnen wir jemanden, der durch seinen Auftritt und seine Ausstrahlung überzeugend wirkt und uns in seinen Bann zieht. Denn Souveränität und Selbstsicherheit ziehen uns an wie die Motten das Licht. Charisma basiert auf einer gesunden Ich-Bezogenheit und einer ansteckenden Begeisterungsfähigkeit für eine Idee oder Vision. Es kann durch wiederholte, gezielte Reflexionen zur eigenen Einstellung und zum eigenen Wertesystem sukzessive ausgebildet werden. Es ist eine lohnende Arbeit am eigenen Selbstbild, das die gesamten angelegten Potenziale zur Entfaltung bringt und gipfelt in einer gereiften, in sich ruhenden Persönlichkeit. Je besser man mit sich und der Welt im reinen ist, desto eher kann man Andere anstecken und begeistern.

Mag. Dagmar Grafeneder (KICK OFF): Im Grunde genommen ist echtes Charisma ein Gottesgeschenk. Nur  wenigen Menschen wird dieses jedoch zuteil. Die weitaus härtere Variante ist es, sich Charisma durch intensive Selbstreflexion anzueignen. Das bedeutet, sich selbst gut beobachten zu können, die eigenen Schattenseiten zu erkennen und zu integrieren. Man kann dies lernen, indem man entweder das Glück hat, es von den eigenen Eltern bzw. anderen wichtigen Vorbildern vorgelebt bekommen zu haben. Oder man ist irgendwann an einem gewissen Punkt des Lebens angekommen, an dem man durch sehr hohen Leidensdruck oder Sinn-Leere erkennt, dass man so nicht weitermachen kann und sich nun etwas ändern muss. Das bedeutet, das eigene Scheitern zu erkennen, Selbstverantwortung für das Leben zu übernehmen und alle Beschwerden an das Umfeld einzustellen. Manchen gelingt dies, andere schaffen diesen Schritt jedoch nie. Diese führen dann ein unzufriedenes Leben, erleben in den unterschiedlichsten Kontexten immer wieder die gleichen Muster und können dennoch keine Erkenntnisse daraus ziehen. Diejenigen, die jedoch den Mut, die Kraft und auch die Geduld haben, diesen schweren Weg der Selbsterkenntnis zu gehen, werden mit wahrhaftem Charisma belohnt werden.

Mag. Stephan Witzel (UNI for LIFE): Wer Charisma hat, ist mutig. Wer Mut hat, ist charismatisch. Wer sich weiterentwickeln will, braucht Mut. Mut, um sich selbst zu überprüfen, eigene Überzeugungen zu hinterfragen und Gedankenmuster zu durchbrechen. Mut, um ein authentischer Leader zu sein. Fordernde Zeiten bedingen ohnehin mutige Menschen, die für frische Ideen brennen, Veränderungen umarmen und Weiterbildungsetappen in ihrer Biografie feiern.

Ina Biechl (Institut ina biechl): Charisma ist eine positive Einstellung, einerseits zu sich selbst, andererseits zu den Mitarbeitenden als auch zur inhaltlichen Arbeit. Voraussetzung dafür ist persönliche Selbstsicherheit, die durch eigene reflektierte Lernerfahrungen entstanden ist. Das bedeutet, gut zuhören zu können und für andere Sichtweisen und Blickwinkel offen zu sein, statt gleich zu bewerten oder zu beurteilen. Eine wohlwollende und wertschätzende Grundhaltung zu entwickeln kann geübt und dadurch gefördert werden.

Für wahre Leadership ist Charisma allein noch nicht ausreichend. Welche Eigenschaften muss ein Leader noch mitbringen?

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Eine charismatische Führungskraft muss natürlich das Führungshandwerk verstehen – also den Mix aus Soft Facts und Hard Facts beherrschen. Wissen über systemische Zusammenhänge ist enorm wichtig, ebenso die Fähigkeit zur Selbstreflexionsfähigkeit und eine regelmäßige Anwendung.

Eva Ayberk (Ayberk.co): Der Fokus auf Eigenschaften greift aus meiner Sicht im beruflichen Kontext zu kurz.
Effektiver ist ein Blick auf funktionsorientierte Potenziale. Konkret aus meiner Praxis in der Führungskräfteentwicklung sind das: Rollenverständnis, erfolgskritische Grundhaltungen, soziale und organisatorische Kompetenzen, Wahrnehmungsperspektiven, Entscheidungsverhalten und Gewinnstrategien.

Petra Schulte (USP-D Consulting): Persönliche Integrität, Identifikation mit den Werten und Zielsetzungen eines Unternehmens, Ergebnis- wie auch Personenorientierung, Fähigkeit zur fachlichen Auseinandersetzung wie auch zur Selbstreflexion, Lern- und Entwicklungsstreben, Konfliktfähigkeit und -bereitschaft wie auch Kollaborationsstreben und Vernetzungsfähigkeit und Mut zur Positionierung auch bei Gegenwind unter Berücksichtigung von Konsens und Lösungsorientierung sind wichtige Leadership-Facetten, die in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden sein oder erworben werden sollten.

Helga Pattart-Drexler, MA (WU Executive Academy): Wir an der WU Executive Academy haben uns vor allem mit Führungsqualitäten beschäftigt und dabei 6 wichtige identifiziert, von denen wir denken, dass sie ein Leader im 21. Jhdt. braucht. Die sogenannten Pioneers-Qualities:
Mut, Fokus, Offenheit, Selbstverankerung, Wertschätzung (sich und anderen gegenüber) und Tatendrang. Darüber hinaus würde ich gerne die Ambiguitätskompetenz ergänzen, also die Fähigkeit Widersprüche auszuhalten, und die Begeisterung, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Andernfalls wird es schwierigJ
Und zu guter Letzt müssen wir uns von der alten Managementdenke verabschieden, dass Vertrauen gut, aber Kontrolle besser ist. Darauf hat niemand mehr Lust.

 



Die Gesprächspartner:


Helga Pattart-Drexler, MA
Head of Executive Education

WU Executive Academy

www.executiveacademy.at

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Veronika Aumaier, MAS, MSc
Geschäftsführerin

AUMAIER CONSULTING/TRAINING GmbH

www.aumaier-academy.com

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Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführung

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

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Mag. Dagmar Grafeneder
Managing Partnerin

KICK OFF Management Consulting GmbH

www.kick-off.com

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Petra Schulte
Founder & Owner

USP-D Consulting GmbH

www.usp-leadership.com

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Peter Dziergas, MBA MSc
Geschäftsführer

Dale Carnegie Austria

www.dale-carnegie.at

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Mag. Eva Ayberk
Eigentümerin, Geschäftsführerin

Ayberk.co

www.ayberk.co

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Ina Biechl
Leiterin

institut ina biechl

www.ina-biechl.at

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Mag. Stephan Witzel
Geschäftsführer

UNI for LIFE Weiterbildungs GmbH

www.uniforlife.at


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

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Autoren-Profil | Eva Selan


Ich danke sowohl für Ihre Expertise als auch für Ihre Geduld!
Mein persönlicher Luxus ist es, mitunter auch kontroverse Aussagen im Interview präsentieren zu können. Über den Tellerrand sehen und letztendlich dadurch den Mehrwert generieren. Besonderen Spaß macht es mir, darüber hinaus freche, unerwartete, provokante Blickwinkel dabei zu haben.
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