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Tipps für spannendere Online-Meetings & -Seminare (Teil 3)

„Schweigen im (finsteren) Walde?“ Ihre Teilnehmenden können sich in Online- Veranstaltungen viel besser „verstecken“ als live. Wie können Sie Feedback und Reflexion in diesem Setting fördern? Wie holen Sie die Teilnehmenden aus der (angenehmen) Reserve?

Anders als im Präsenzseminar kann man als Moderatorin oder Trainerin nicht so einfach Blickkontakt aufnehmen und damit zu einer Rückmeldung ermutigen. Und obwohl letztlich ein aktives Mitarbeiten auch für Teilnehmende befriedigender ist, verführt doch das Setting zur Zurückhaltung und nur einige wenige Extrovertierte sprechen, wenn überhaupt. Als Trainer brauchen Sie eine Rückmeldung, wo die Teilnehmenden stehen, damit sie für alle gewinnbringend weitermachen können. Aber noch viel mehr brauchen die Teilnehmenden Klarheit, wo sie selbst stehen und was sie bereits mitgenommen und gelernt haben!

Zeit, für ein paar spannende kleine Methoden zum Einfangen von Learnings. Hier finden Sie Tipps, wie Sie die Teilnehmenden zu Reflexion und Feedback anregen.

 

 

Tipps für Feedback

Brillenträger-Votum

  • „Bei dieser Frage interessiert mich vor allem, was die Brillentragenden dazu denken! Welcher Mensch mit Brille beginnt?“
  • Sie stellen eine inhaltliche Frage und überlegen sich Attribute um eine kleine Teilgruppe auszuwählen. Sie sprechen dadurch weniger Teilnehmende an und die Wahrscheinlichkeit einer Antwort steigt dadurch.
  • Beispiele für Attribute, außer Brillen:
    • alle, die schon mehr als drei Jahre Erfahrung mit dem Thema haben,
    • alle, für die das völlig neu ist,
    • alle, die außerhalb von Wien wohnen,
    • alle, die ein Haustier haben,
    • alle, die heute schon mal gelächelt haben… (wenn Sie das selbst mit einem echten warmen Lächeln sagen, müssen dann alle anderen ebenso lächeln, das ändert die Neurotransmitterlage im Gehirn und die Kooperation und der Mut steigt…)
    • bitte nicht: Männer/Frauen und andere Diversity-Fettnäpfchen

Lage der Nation

  • „Auf einer Skala von 0 bis 5 – und Null ist echt mies und fünf ist super – wie geht es Ihnen gerade mit diesem Thema? Bitte schreiben Sie die Zahl in den Chat!“
  • Ein Stimmungsbild zwischendurch ist wichtig für den Trainierenden um passend fortzufahren. Neben der schnellen Skalenfrage können Sie auch auf einem Whiteboard Adjektive präsentieren, z.B. „zufrieden“, „neugierig“, „genervt“, „erschöpft“… Die Teilnehmenden wählen 1-3 Worte aus, die sie gerade beschreiben und markieren sie bzw. schreiben sie in den Chat.
  • Vorteil: falls es Frustrationen gibt, können Sie diese so schnell identifizieren und auffangen. Falls alle super zufrieden sind, dann ist das Ergebnis bestärkend für alle und es geht noch motivierter weiter.

Sicherheitscheck

  • „Lassen Sie uns zwischendurch einen Sicherheitscheck machen! Auf einer Skala von 0 bis 10, wie sicher fühlen Sie sich jetzt zu diesem Thema? Null bedeutet sehr unsicher und zehn sehr sicher. Bitte markieren Sie ihre Position hier am Whiteboard/PowerPoint-Folie.“
  • Nach diesem raschen Stimmungsbild zum Thema stellen Sie eine weitere, lösungsfokussierte Frage: „Was brauchen Sie, damit Sie ein Stück weiter in Richtung 10 kommen?“ Einzelne Teilnehmende schalten sich frei und antworten oder Sie bitten um eine Antwort von allen im Chat.

Tipps für inhaltliche Zwischenfazits

Feedback in drei Worten

  • „Was war für Sie in dieser Lerneinheit besonders wichtig und wertvoll? Überlegen Sie bitte, was sie mitnehmen, umsetzen oder noch weiter bedenken wollen. Finden Sie dafür genau drei Wörter, die das beschreiben!“
  • Sie geben den Teilnehmenden eine Minute Zeit zu reflektieren und ihre Erkenntnisse auf drei Wörter zu reduzieren. In der Sammlung des Feedbacks haben Sie technisch drei Möglichkeiten. Insgesamt dauert dieses Feedback nur bis zu fünf Minuten und bietet jedem einzelnen (inklusive Ihnen) einen großen Mehrwert.
  • Durchführung: die drei Begriffe in den Chat schreiben lassen, oder auf das Whiteboard, oder die Teilnehmenden freischalten und um mündliche Nennung bitten.

Zwischenbilanz

  • „Was haben Sie heute bereits gelernt? Und: was werden Sie damit tun?“
  • Geben Sie den Teilnehmenden eine Minute Zeit zum Reflektieren und bitten Sie sie sich Notizen zu machen. Sie können es auch dabei belassen und weitermachen oder Sie machen die Zwischenbilanz sichtbar.
  • Sichtbarmachen: im Chat, am Whiteboard, einzelne schalten sich frei und teilen oder sie organisieren digitale Gruppenräume und geben den Teilnehmenden Zeit, sich darüber auszutauschen. Letzteres ist die lernintensivste Methode, weil wir durch das Gespräch und den Vergleich mit anderen unsere Sichtweise relativieren oder bestärken können.

Tippsuche

  • „So, was machen wir jetzt damit? Oder viel wichtiger, was machen Sie jetzt damit? Welchen Praxistipp können Sie daraus ableiten?“
  • Es geht um den Transfer von Wissen in den Alltag. Das Training/Workshop wird so lebendiger, praxisnah und wirksamer.
  • Für die Durchführung stehen fünf Wege offen. Es ist abhängig von Ihren Lernzielen und der technischen Versiertheit Ihrer Teilnehmenden, für welche Variante Sie sich entscheiden.
    • Jeder findet für sich selbst einen Tipp und notiert ihn.
    • Die Teilnehmenden schreiben ihren Tipp in den Chat.
    • Die Tipps werden im Plenum geteilt, indem sich Teilnehmende freischalten.
    • Austausch in digitalen Kleingruppenräumen (3-4 Personen) und anschließende Präsentation eines Tipps pro Gruppe im Plenum.
    • Die Teilnehmenden gestalten zu Ihrem Tipp eine Folie und nutzen dazu kostenlose Bilddatenbanken wie pixabay. Das ergibt eine interessante Sammlung, braucht aber etwas mehr Zeit.

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Tipp

Kartenset „Munterrichtsmethoden digital“ von Harald Groß

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