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Mitarbeitergespräch: Tipps, um nicht ins Schleudern zu kommen

In den meisten Unternehmen bewirkt das Wort „Mitarbeitergespräch“ einen nicht unbeträchtlichen Anstieg des Blutdrucks beim betreffenden Mitarbeiter. Man muss sich rechtfertigen, die gesetzten Vorgaben werden kontrolliert und eingefordert, der Job steht vielleicht gar auf dem Spiel.

Die Chancen eines Mitarbeitergespräches sind nicht zu unterschätzen. Die Erfahrung der Mitarbeiter kann dem Unternehmen helfen, näher an den Kunden zu kommen, ein offener Meinungsaustausch in einem partnerschaftlichen Klima kann das Vertrauen innerhalb der Firma steigern und konstruktive Verbesserungsvorschläge können zum Wohle aller entstehen.

Das Gespräch selbst ist bereits negativ behaftet, selbst wenn man sich eigentlich als Mitarbeiter keiner Versäumnisse bewusst ist. Vielleicht gib es ja seitens des Vorgesetzten schlechte Nachrichten, die lieber im Zweiergespräch vermittelt werden.

Dabei ist das Mitarbeitergespräch ein immens wertvolles Instrument für die Motivation der Belegschaft. Mobbing und dadurch ausgelöstes Burn-out sind meistens auf eine nicht mitarbeiteroptimierte Betriebskultur zurückzuführen (siehe HRweb-Artikel „Mobbing und Burnout“). Davon ausgehend stellt das regelmäßige Feedback der Mitarbeiter das Instrument schlechthin dar, um laufend Adjustierungen durchzuführen. Ein richtig eingesetzter Mitarbeiter wird sich an seinem Arbeitsplatz bestmöglich entfalten, wird seine Energie in konstruktive Synergien mit seinen Kollegen stecken, um die ihm gestellte Herausforderung bestmöglich zu bewältigen.

Wenn die Kaffeepause die Attraktion des Tages ist

Wirkt ein Mitarbeiter hingegen desinteressiert und faul, meidet er die Aufgabenverteilungen und sucht den Krankenstand und die Kaffeepause eher als die berufliche Herausforderung, so besteht Veränderungsbedarf. Nicht primär hinsichtlich der baldigen Beendigung des Dienstverhältnisses des Mitarbeiters, sondern hinsichtlich dessen Motivation. Das liegt schon alleine im wirtschaftlichen Interesse des Unternehmens.

Gibt es Wünsche des Angestellten, welche seine Qualifikationen besser in den Vordergrund treten lassen könnten? Wer seiner Personalauswahl und der damit verbundenen Menschenkenntnis vertraut, sollte sich bestmöglich mit dem Mitarbeiterstamm auseinander setzen. Mitarbeiter wollen gefordert, aber eben auch gefördert werden. Hat man also im Rahmen eines Gespräches den Grund für die augenscheinliche Frustration des Mitarbeiters entdeckt, so kann man ihm helfen, diese zu beseitigen. Besteht der Grund im Privaten, so kann man Kontakte zu Beratern ermöglichen und stellt den Mitarbeiter für diese Zeit frei. Liegt die Ursache in der beruflichen Tätigkeit, kann angedacht werden, die Fähigkeiten des Mitarbeiters anderwertig im Unternehmen einzusetzen.

Ein gutes Mitarbeitergespräch motiviert

Schon alleine die Bestrebungen des Vorgesetzten, den Mitarbeiter im Betrieb zu halten, werden in der Regel von diesem als Vertrauensvorschuss empfunden und mit vermehrtem Einsatz vergolten. Fördern und fordern, diese Grundpfeiler der Motivation bestimmen ein positives Mitarbeitergespräch. Der Vorgesetzte sollte bestrebt sein, allfälligen Sand aus dem Getriebe der Mitarbeiter zu entfernen. Nicht indem er durch Druck seine Position im Unternehmen betont, sondern indem er dem einzelnen Mitarbeiter hilft, sich voll und ganz  auf die gestellte Aufgabe zu konzentrieren.

Wichtige Aspekte eines gelungenen Mitarbeitergespräches:

  • Neutrale Atmosphäre
  • gleichrangige Gesprächsebenen
  • Ausdrückliche Aufforderung, offen zu sprechen
  • Möglichkeit, auch anonym Verbesserungsvorschläge abzugeben
  • Gegebenenfalls auch beiziehen eines externen Experten

 

Oft kann auch ein externer Experte helfen, nachdem die Mitarbeiter möglicherweise davor zurückscheuen, mit dem Chef über ihre Probleme zu reden. Ein außenstehender Gesprächspartner (sei es ein Mediator oder ein Berater) hilft dabei, die Themen besser anzusprechen und für jeden Mitarbeiter eine passende Lösung zu erarbeiten. Ein entsprechend offenes Betriebsklima fördert die Mitarbeiterzufriedenheit, die interne Stimmung überträgt sich auf die Dienstleistungen des Unternehmens und gelangt auf diesem Wege auch an den Kunden.

Somit bietet ein positives Mitarbeitergespräch nicht nur eine bewährte Mobbingprophylaxe, sondern darüber hinaus auch noch ein Plus an Dienstleistungsqualität und Kundenzufriedenheit. Wesentliche Voraussetzung ist dabei aber ein motivierendes Betriebsklima, welches dem Mitarbeiter ermöglicht, angstfrei im Rahmen eines offen geführten Gespräches seine Anliegen zu artikulieren.


Gastautor: Mag. Ulrich Wanderer ist Jurist und selbständiger Mediator. Im Rahmen seiner Tätigkeit in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und Kärnten hat er sich auf die Thematiken Familien-, Nachbarschafts-und Arbeitsplatzkonflikte spezialisiert. Mag. Wanderer arbeitet als Jurist der Ehe-Familien- und Lebensberatung in Wien und Purkersdorf sowie als Herausgeber des Handbuch Mediation, Autor und Vortragender. www.mediation-wanderer.at, www.mediation-wolfsberg.at, uw@mediation-wanderer.at


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Ein Kommentar

  1. SHG Mobbing Graz am

    Wenn ein Betriebsklima vorhanden ist, dass solche Gespräche führen lässt, kann man sich als gesegnet erachten – als Mitarbeiter. Aber auch als Chef, denn er wird sicherlich sehr davon profitieren, Menschen zu beschäftigen, die aufgrund seiner Wahrnehmung vertrauen haben KÖNNEN. Sehr viele unserer Mobbingbetroffenen leiden massiv darunter, dass Sie von Vorgesetzten nicht angehört werden, nicht einmal auf Wunsch einen Termin bekommen, dieser wird hinausgeschoben oder die Bitte diesbezüglich schlichtweg „vergessen“. Es ist eines der frustrierendsten Erkenntnisse von Mobbingbetroffenen, dass die Führung keine Gesprächsbasis anbietet bzw. schlichtweg „haben will.“ Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Personalverantwortliche diese Zeilen lesen und erkennen, was für ein großes Potenzial SIE SELBST in der Hand haben/hätten, beste Arbeitsleistungen zu bekommen! Danke für diese Zeilen!
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at

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