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Teambuilding – was passiert danach?

Teambuilding-Events haben meist eine sehr witzige, unterhaltsame Komponente. Im Moment des Teambuildings ist es relativ einfach, die Einheit der Menschen rund um sich zu erkennen. Wie aber muss ein Teambuilding angelegt sein, um von „witzigem Event“ zu „langfristig erfolgreich“ zu mutieren – wie lange sollte der Event an sich dauern und was folgt danach? 

 

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Mit meinen heutige Fragen wende ich mich an eine handverlesene Gruppe von Teambuilding-Anbietern:

Wie lange dauern Teambuilding-Events üblicher Weise?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Bei careercenter nimmt ein Team Training üblicherweise zwischen ein und vier Tagen in Anspruch, je nach Wunsch unserer Kunden. Wir empfehlen jedoch nach Möglichkeit immer eine Übernachtung einzuplanen, da sich gerade am Abend mit einem entsprechenden Programm die Teammitglieder auf einer persönlicheren Ebene kennenlernen können und so der gesamte Teamtrainings-Effekt intensiviert wird. Jedoch können auch durch ein-tägige Teamtrainings und –events entscheidende Impulse für die Weiterentwicklung gesetzt werden.

Gunhard Keil (5p Consulting): Um eine Wirkung zu erzeugen, sollten Team-stärkende Workshops oder Events – diese Bezeichnung kommt dem, was wir machen näher – zumindestens über 2 Nächte gehen. Da wir häufig mit Mitgliedern des oberen Managements arbeiten, kann das bedeuten, dass es am späten Nachmittag beginnt, 1 voller Tag und dann noch ½ dritter Tag, was gefühlt einem 3-tägigen Workshop nahe kommt, jedoch nur 1 ganzen Tag Absenz vom Unternehmen bedeutet.

Mag. Alfred Lackner (Lackner & Kabas): Ein Team Training startet mit einer Standortbestimmung (Stärken und Schwächen) der „Teamarbeit“. Im Vorfeld des Trainings bearbeitet jedes Teammitglied die Wiener Teamanalyse© (Onlinefragebogen – Dauer 15 Minuten). Die Ergebnisse beschreiben anhand von 24 Faktoren wie gut die Aufgabenbearbeitung im Team funktioniert (u.a. Funktionsklarheit, Zielklarheit) wie konstruktiv/kooperativ die Beziehungen im Team sind (u.a. Gegenseitige Wertschätzung, Konfliktkultur) bzw. wie gut die Anbindung an andere Organisationseinheiten klappt (u.a. Anerkennung von Außen, Informationsversorgung von Außen). Die Ergebnisse werden im Vorfeld des Team Trainings mit der Führungskraft/HR besprochen und für die Präzisierung der Zielsetzung genutzt. Beim Team Training werden am ersten halben Tag die Ergebnisse der Wiener Teamanalyse© vorgestellt und diskutiert und darauf aufbauend die relevanten Entwicklungsthemen des Teams benannt. Danach werden die einzelnen Themen schrittweise abgearbeitet. Ein Team Training dauert üblicherweise 2 Tage.

Finden von Ihrer Seite weiterführende Aktionen für das Team statt – nach dem initialen Teambuilding-Event?

Mag. Alfred Lackner (Lackner & Kabas): Standardmäßig wird nach einem ½ Jahr ein Follow-up Workshop durchgeführt. Dieser dient der Evaluierung der vereinbarten Maßnahmen. Häufig findet eine kontinuierliche Begleitung des Vorgesetzten oder des gesamten Teams  (z.B. Arbeit an der Kommunikations- oder Konfliktkultur, Supervision, usw.) während des vereinbarten Entwicklungsprozesses statt. Nach einem Jahr wird erneut die Wiener Teamanalyse© durchgeführt. Der Vergleich mit der ersten Messung zeigt, ob angestrebte Entwicklungen passiert sind. Die Entwicklungsbegleitung bei der Arbeit mit Teams wird generell für ein Jahr definiert. Erst dann ist die nachhaltige Wirkung des Team Trainings erkennbar.

Günther Mathé, MBA (careercenter): Wir bieten auf alle Fälle eine Nachbesprechung mit dem Trainer an, die viele der Teamleiter und Führungskräfte auch gerne nutzen. Hier werden die gesammelten Eindrücke noch einmal gemeinsam reflektiert und Prozesse in die Wege geleitet. Ergeben sich während eines Teamtrainings größere Herausforderungen für einzelne Teammitglieder oder auch den Teamleiter, bietet careercenter auf Wunsch auch einen Coach aus einem eigenen Coachingpool an.
Für die Teilnehmer selbst erstellen wir nach dem Seminar beispielsweise inhaltliche Protokolle, Handouts, Seminarunterlagen und/oder emotionale Fotodokumentationen. Mit unserem blended learning System unterstützen wir das Team, theoretisch erworbenes Wissen nicht aus den Augen zu verlieren und regelmäßig in Erinnerung zu rufen – denn Wissen ist nicht gleich Können 🙂 – zudem unterstützen Fotos die Teilnehmer dabei die positiven Erlebnisse des Teamtrainings wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Viele unserer Kunden entscheiden sich für regelmäßige (beispielsweise einmal jährlich) Teamtrainings, die ein Trainer bzw. -team begleitet. Laufende Vor- bzw. Nachbesprechungen mit den Führungskräften stellen eine zusätzliche Unterstützung für das Team dar und gewährleisten, dass die einzelnen Teamtrainings auf die derzeitigen Bedürfnisse der Teilnehmer bzw. des Teams abgestimmt sind.

Was passiert im Anschluss an das Teambuilding-Event im Team – theoretisch & praktisch?

Gunhard Keil (5p Consulting): Da haben wir mehrere Methoden, die wir erfolgreich einsetzen und die die auf Team- und Unternehmensziele ausgerichtete Teambildung stärken. Das können repetitive kurze Stimmungsbarometer zu Teamerfolgsfaktoren sein, Soziale Events (meist After-Work) mit inhaltlicher „Aufladung“ etc. Jedenfalls unterstützen wir die Teams dabei, gemeinsam sinnvoll Spass zu haben, das ist das beste, was Mitglieder eines Teams für sich und den Zusammenhalt mit den anderen Teammitgliedern tun können.

Günther Mathé, MBA (careercenter): Meiner Meinung nach soll ein Teamtraining als Impuls gesehen werden, um etwas im Team in Bewegung zu bringen. Es soll langfristig zu einer deutlichen Verbesserung im Arbeitsumfeld, in der gemeinsamen Kommunikation und auch in der Teamleistung kommen. Natürlich kann es beispielsweise nach einem Teamtraining kurzfristig auch zu größeren Herausforderungen kommen, wenn schwelende Konflikte offengelegt werden oder sich herausstellt, dass das „Problem“ im Team die Führungskraft ist – solche Themen lassen sich nicht in zwei Tagen Teamtraining lösen. Gerade hier ist eine professionelle Nachbetreuung durch den Trainer besonders wichtig. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass eine gute Vor- und Nachbetreuung bei einem Teamtraining essentiell sind, um wirklich mit Schwung in die praktische Umsetzung zu kommen. Denn frei nach Goethe: „Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!“

ROI (Return on Investment) ist auch in der PE ein wichtiger Faktor – Kosten & Evaluierung sind für  Entscheidungsträger in Unternehmen ein wesentliche Argumente, dass die Effekte der Interventionen auch nachgewiesen werden können. Das gilt immer mehr auch für die Softfacts wie Teamarbeit und Teambuilding. Ist der Erfolg von Teamtrainings nachweisbar?

Mag. Alfred Lackner (Lackner & Kabas): Ganz generell kann man Teams drei Kategorien zuordnen: (1) gut funktionierende Teams (2) brauchbar funktionierende Teams (3) kaum funktionierende Teams.
Wir haben die Wiener Teamanalyse© weiterentwickelt und davon Kennzahlen der Zusammenarbeit abgeleitet. Der „Zustand“ jedes Teams kann somit vor dem geplanten Teamtraining „objektiv“ festgestellt werden – dadurch sind die geeigneten Interventionen/der geeignete Rahmen besser planbar. Bei gut funktionierenden Teams ist das Team Training eine Hygienemaßnahme und kann zeitlich knapp gehalten werden. Am meisten profitieren Teams aus der Kategorie 2 „brauchbar funktionierende Teams“ vom Team Training. Für diese Teams lohnt sich die Investition am meisten. Gute Team Trainings befördern diese Teams in die Kategorie 1 „gut funktionierende Teams“. Wird der Zeitpunkt für die Notwendigkeit von Veränderungsbedarf übersehen, landen Teams in der Kategorie 3 „kaum funktionierende Teams“. Hier sind die grundlegenden Rahmenbedingungen zu hinterfragen, oftmals ist die dysfunktionale Teamarbeit durch die schlechte Führungsperformance des Vorgesetzten begründet. Ein Team Training ist dann nicht immer die beste Maßnahme. Die Durchführung der Standortbestimmung vor dem Team Training hat dazu geführt, dass wir jetzt in ca. einem Drittel aller Fälle, statt der beauftragten Team Trainings andere Maßnahmen (vor allem Coaching der Führungskraft) für die Lösung des Anliegens durchführen.
Durch die Vorher/Nachher-Messung mit der Wiener Teamanalyse© und dem Einsatz der Kennzahlen der Zusammenarbeit sind gezielte Interventionen möglich und die Effekte von Team Trainings nachweisbar.

Welches Thema möchten Sie noch dringend ansprechen?

Gunhard Keil (5p Consulting): Ich würde gerne mit dem Begriff Teamfähigkeit „aufräumen“. Oft wird Menschen Teamfähigkeit abgesprochen, weil sie unbequem sind oder Schwierigkeiten haben, sich in einer bestimmten Kultur einzufinden. Nach meiner Erfahrung verfügen nur Menschen die an Autismus leiden nicht über ausreichende Teamfähigkeiten.
Es geht also nicht um Teamfähigkeit sondern um TeamWILLIGKEIT. Die entscheidenden Frage, die jeder im Team für sich beantworten muss ist: WILL ich zu diesen ZIELEN mit diesen MENSCHEN in dieser ROLLE auf diese ART in diesem UMFELD erfolgreich sein… und diese Frage lässt sich häufig nicht in einem Teamworkshop beantworten, da braucht es eben mehr.


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Die Gesprächspartner


mathe_günther_careercenter100Günther Mathè, MBA
Geschäftsführer

careercenter e.U.

www.careercenter.at

Unternehmens-Profil


lackner_alfredMag. Alfred Lackner
Geschäftsführer

LACKNER & KABAS
Management . Assessments . Psychologie

www.lackner.kabas.at


keil_gunhard_5pGunhard Keil

5p Consulting


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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