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HRweb vor Ort bei der PEp – Personalentwicklung pur | Alles für den VUCA?

Event-Bericht: Jahresforum PEp – Personalentwicklung pur, 19+20okt2017, Business Circle

 

Busfahren ohne Fahrer, vier Rabbiner & ein Engel, Onboarding als „Lost World“ Spiel, Pinguine im „Anywhere“ und das alles im nebelig-stimmungsvollen Schlosspark Mauerbach. Wir befinden uns beim 4. Business Circle Jahresforum „PEp – Personalentwicklung pur“. Diese Metaphern und Angebote tragen durch eineinhalb spannende Tage, wo Innovation, Digitalisierung, Jungunternehmertum und die junge Generation am Fahrplan steht. Networking, Herzlichkeit und Spaß begleiten auf der Fahrt und an den Haltestellen.

Lernen von Jungunternehmen

Die Konferenz unter der Moderation von Bernd Allmer (Helvetia) startet mit Sandra Bichls „Career Angels“, die in einem internationalen Team von 15 Personen zeigt, dass auch in einem Jungunternehmen Personalentwicklungsthemen großgeschrieben und kreativ gelöst werden. Was können klassische Unternehmen davon lernen?

  • Eine transparente Feedbackkultur: „interessante“ Fehler werden sofort veröffentlicht und von der betreffenden Person selbst gleich in einem E-Mail an alle Kollegen geschickt.
  • Success Diary: „catch people doing good things“ als Reporting-Tool, zusätzlich zu KPIs.
  • Kein jährliches Mitarbeitergespräch, sondern 1 x pro Monat 10-20 Minuten via Skype. Es gibt bei den Career Angels übrigens kein Telefon, nur Skype und eMail, nur Homeoffice und ein persönliches Treffen nur ein Mal pro Jahr. Die Themen des Mini-Mitarbeitergesprächs: Was ist gelungen? Was noch nicht? Was hast du gelernt? Worauf fokussierst du dich nächstes Monat?

Alles für den Vuca oder ein veja du?

VUCA fast schon als Running Gag: kaum eine Präsentation kommt ohne aus. Wir sehen vielfache Visualisierungen für die vier Buchstaben, die ja auch nicht mehr ganz jung sind; sie sind nach dem Ende des kalten Krieges vom US-Militär geprägt worden, um die zunehmend herausfordernden Situationen der Welt zu beschreiben. VUCA steht für volatility, uncertainty, complexity and ambiguity . Agilität folgt in meiner Wahrnehmung als zweitbeliebtestes Konzept des ersten Tages. Rainer Salcher von A1 Telekom beschreibt spannend, authentisch und originell in einer der vielen Parallel-Sessions der Konferenz, wie A1 Agilität umsetzt. Durchwursteln mit Methode? Busfahren ohne Fahrer? Fahren auf Sicht im Nebel und das Ziel kennen wir nicht genau? Eine Teilnehmerin ruft aus: „Das hält ja keiner aus!“ Tja, müssen wir wohl in der VUCA-Welt…

Es erfordert auf jeden Fall ein Umdenken. Weg von perfekt durchgeplanten Projekten hin zu kurzen Sprints mit Prototypen, die nicht perfekt sein dürfen. „Wenn ein Launch nicht peinlich ist, weil er so unperfekt ist, dann hab ich zu spät gelauncht“, lacht Rainer Salcher. „Ungestörter Verkauf trotz Umbau“, so könnte eine Metapher für ein agiles Projekt lauten, wie z.B. die Entwicklung und Umsetzung eines Kompetenzmodells.

Wer kommt rein in so ein agiles Projekt? Am besten einige der „Störenfriede“, die Christoph Bader von der Wertefabrik, ins Spiel bringt. Sein Credo: Originalität in Unternehmen bitte fördern oder zumindest nicht durch Konformität völlig zerstören! Der Non-Konforme, der der immer die Regeln hinterfragt und es anders machen will, ist – so unbequem es erscheint – der, der die Innovation bringt durch die „kreative Zerstörung“. Statt „deja-vu“ (das Altbekannte), also ein „veja du“…

Als weitere Quelle für Innovation und als VUCA-Heilmittel propagiert Barbara Guwak von Promitto das Erzählen von Geschichten in Unternehmen die das „Unfassbare“ fassbar machen und die Energie in die Zukunft lenken. Und zwar nicht von oben verordnetes Nacherzählen einer z.B. mit einer Werbeagentur entwickelten Geschichte, sondern echte, persönliche Geschichten von Führungskräften nach einer bestimmten Struktur, z.B. der Heldenreise.

Digital, nicht final

In Anlehnung an Melvin Kranzenbergs Zitat „Technik ist weder gut noch böse, noch ist sie neutral“ tönt Keynote-Speaker Jöran Muuß-Merholz (Foto rechts): „Technik macht Lernen weder besser noch schlechter, noch bleibt alles gleich.“ Der deutsche Diplompädagoge schafft es nach einem langen Tag mit seinem Humor und seiner Originalität die Teilnehmer wieder munter und frisch zu zaubern und zeigt, dass ihm das Lernen im Blut liegt – Fotos, Beobachtungen und Zitate vom Tag spiegelt er uns spielerisch und komprimiert zurück.

Pinguine. So fängt er an. An Land und im Wasser. Und eine Definition von Medium, als Umfeld in dem wir bzw. Pinguine wirksam werden können. Und das digitale Medium, das macht uns Menschen einfach viel schneller,  wie das Wasser den Pinguin.

E-learning, game-based-learning, kompetitive Quizes , stimmungsvolle Online-„Coffeetable-Books“ als Ergänzung zur „unsexy Lernplattform“ usw. Viele Erscheinungsformen digital unterstütztem Lernen können auf der PEp betrachtet und diskutiert werden. Interessante Ergänzungen zum herkömmlichen Lernen, die Lösung ist e-Learning aber nicht, ist der Tenor.

Lernen „anytime & anywhere“, das ist die Möglichkeit. Aber wo ist der physische Raum „Anywhere“ und wann ist am Arbeitstag  Zeit für „Anytime“? Lernen ist im Konflikt zwischen dringend und wichtig. Letzeres ja, ersteres meistens nicht. Muuß-Merholz plädiert daher eindeutig dafür, konkrete LernZeiten und LernRäume zu schaffen, denn sonst klappt es nicht.

21st Century Lernen und die Jungen

Warum e-Learning nicht die Lösung ist, zeigt Muuß-Merholz gleich auf: In dem Buch der OECD über 21st Century Lernen für Schüler stellen die Autoren vier Dimensionen dar, von denen e-Learning höchstens eine abbilden kann, nämlich das Wissen. Es braucht aber ebenso die Skills, womit die Nutzung des Wissens gemeint ist (z.B. Kreativität, Kritisches Denken), Charakter, d.h. wie wir uns in der Welt verhalten und handeln und Meta-Lernen, unsere Reflexion und Anpassung.

„Die jungen Menschen der Generation Y, spinnen die?!“ fragt sich Steffi Burkhart (Autorin), die selber eine davon ist, augenzwinkernd. Die neuen Spielregeln dieser digitalen Zeit haben die Jungen einfach besser drauf, denn sie sind bereits so aufgewachsen. Gleichzeitig brauchen sie mehr soziale Kompetenz (v.a. nonverbale Kommunikation, Respekt, Serviceorientierung) und Frustrationstoleranz (häufiges Feedback, Umgang mit Feedback) und im Training dieser Kompetenzen Rücksicht auf die verringerte Aufmerksamkeitsspanne (Microlearning).

Unternehmen, die den Jungen entweder viel Freiheiten und Flexibilität (z.B. freie Projektarbeit oder Teilzeit und parallel ein Start-up aufbauen) oder besondere Zusatzleistungen (Wäscheservice, Mitfinanzierung einer Weltreise nach 5 Jahren Zugehörigkeit) bieten werden besonders gefragt sein. Auch ein „Reverse Mentoring“ ist ein vielversprechendes Konzept, wo die Jungen den Älteren den Umgang mit digitalen Medien lernen und die Älteren zeigen, wie man mit Rückschlägen, negativem Feedback, Kunden umgeht und ihnen ihr Netzwerk zur Verfügung stellen. Ein kooperatives Mindset ist der Schlüssel zur Zukunft, schlussfolgert Steffi Burkhart.

Finale…

Mein persönliches Fazit ist definitiv auch für „den VUCA“!

V Vertrauen! Kontrolle loslassen und Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen.

U – Unterwegs sein. Zukunft als „Road Movie“. Anfangen ist besser als lange zu planen. Fail fast, learn fast.

C – Cooperation & Crafting von Jobs auf Basis von individuellen Stärken.

A – Außergewöhnlich sein statt still konform den Handlauf zu verwenden. Kreative Zerstörung als Quelle von Innovation.

Bei all dem wünsche ich Ihnen viel Erfolg und PEp! Ihre Silena S. Piotrowski

Fotos © Thomas Magyar

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