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HRweb vor Ort | HR Inside Summit 2018 [Tag 2]: Algorithmen oder Emotionen?

HR Inside Summit, 10+11okt2018, Wiener Hofburg, Veranstalter: ÜBERALL scene

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Good Morning, Hofburg! Mit Chatbot und Tesla.

 

Der Morgen des zweiten Tages startet mit dem Niederländer Tom Haak, der uns Anwendungen von Artifical Intelligence (AI) in der Unternehmenspraxis zeigt, die teilweise auch direkt für HR verwendet werden können. Zum Beispiel Microlearning im Krankenhaus: Der Chirurg am Weg zur Gallenblasen-OP wird von seinem Smartphone gebeten zehn Fragen über eine Gallenblasen-OP zu beantworten. Sollten einige Fragen nicht richtig beantwortet sein, so schlägt das System vor, einen kurzen Film über die wichtigsten Schritte bei dieser OP anzusehen. Just in time, bevor sich der Arzt die Hände wäscht und loslegt. Die Bedenken, die er sieht sind, dass unsere Erwartungen in AI zu hoch sind, dass Menschen anderen Menschen Fehler leichter nachsehen als einer Maschine. Er ist überzeugt, dass jetzt schon ganz viel Nutzen da ist, der aus der Analyse von Mustern in Unmengen von Daten stammt und erfolgsrelevante, unvoreingenommene Handlungsvorschläge ableitet. Allerdings ist das Ergebnis der AI auch nur so gut wie die Daten, die genutzt werden. Sind es die relevanten Daten, ist hier eine ganz zentrale Frage, wie sich bei einem Recruiting-Tool gezeigt hat, dass für Trainees zuerst überwiegende männliche Personen ausgesucht hat.

 

Beth Loeb Davies (ehemalige HR-Leiterin bei Tesla) aus den USA lässt uns die Dynamik bei dem schnell wachsenden Autohersteller spüren. In den sechs Jahren, die sie bei Tesla gewirkt hat, hat sich die Mitarbeiterzahl von 800 auf 33.000 gesteigert – das ist mehr als das 40fache. In diesem Wachstumskontext hatte sie zwei ganz klare Prioritäten, um die HR Challenge erfolgreich zu bewältigen:

1 – Hire for Mindset: Talent und Fähigkeiten sind zweitrangig. Jeder Bewerbende bekommt zwei Fragen gestellt, die gleichzeitig die wichtigsten sind: Warum Tesla? D.h. teilt die Person die Mission? Und: Erzähl mir über dein wichtigstes Erfolgserlebnis! D.h. hat die Person Durchhaltevermögen?

2 – Focus on Culture for the newly hired people: Die Vision teilen, Geschichten erzählen, wie das gelebt in der Praxis aussieht, eine Firmentour, einen Tesla fahren und mit jedem (!) die aktuellen Ziele und Herausforderungen teilen: „We are in this together! We succeed together or fail together.“

Die Freude der Wahl…

Nach den zwei Key-Notes gibt es wieder jede Menge parallel laufender Workshop und Sessions, wie z.B. „Die Mythen der Selbstorganisation“ mit Julia Culen oder „Clear Partnership“ von Liselotte Zvacek für das Hernstein Institut,  erfrischend analog mit einer physischen Abstraktionleiter. Im Foyer die Aussteller und Sponsoren des Summits, die größtenteils Leistungsangebote zur Digitalisierung von HR machen. Hier stehen digitale Tools im Vordergrund, die die Arbeit von HR erleichtern und auf den Kopf stellen, sodass Platz für die wirklich wichtigen Themen ist.

Die Lunchpause ist sehr simpel für Standardticket-Inhaber wie mich. Die Verköstigung wird nämlich überwiegend auf die verschiedenen Sponsoren und damit Stände verteilt. So gibt einen Bagel hier, Lachsbrötchen dort, Kekse im Raum dahinter und Äpfel mittendrin. Und mit ein bisschen Glück am Glücksrad gewinnt die Glückspsychologin (ich) ein Glas Sekt. Yes!

Key-Notes-Finale!

Es folgt die zweite Runde Key-Notes für diesen Tag, die einige dann schon als Abschluss nehmen. Hier warten noch zwei spannende Themen und Personen auf uns. Herzerfrischend und authentisch An Coppens, eine belgische Beraterin und Autorin. Sie wollte bereits mit zwölf Spieleentwicklerin werden, was ihr Vater (Lehrer) als utopisch abgetan hatte. Hier ist sie nun und erzählt uns, welche Elemente von „Gaming“ auf HR übertragen werden können. Interessant auch, wer der durchschnittliche „Gamer“ ist? Was schätzen Sie? 35 Jahre alt und weiblich. Das haben Sie eh gerade gedacht, so wie ich?  Ans Frage an uns: „Warum sollte HR nicht ebenso wie Spieleentwickler sich darauf ausrichten intensive emotionale Erfahrungen zu ermöglichen?“ Zum Beispiel in dem man laufend relevantes Feedback gibt und vor allem verstärkt, was noch mehr sein soll (anstatt was noch fehlt). Oder indem man wo immer es geht „Co-Creation & Co-Experience“ ermöglicht. Indem man Mitarbeitern/v.a. Frauen zeigt, was es braucht um zu gewinnen bzw. erfolgreich zu sein und damit „in den nächsten Level aufzusteigen“. Arbeit funktioniert auch wie ein Spiel und Spielen ist Spaß und entwickelt Kompetenzen – also: work = fun?

Franz Kühmayer vom Zukunftsinstitut nennt seinen Beitrag: „Herzblut“. Digitalisierung – jo, eh! Und das sollte uns näher zur Menschlichkeit bringen und nicht näher zu den Computern. Es macht keinen Sinn, wenn wir wie bisher vor allem Hals-aufwärts arbeiten und führen – also rein kognitiv. Denn das kann AI besser. Also sollten wir uns lieber halsabwärts mit dem Herzen und dem Bauch beschäftigen. Das ermöglicht uns, uns fernab von Esoterik in unserer ganzen Menschlichkeit und Reflexionsfähigkeit im Business zu zeigen.

Da rundet sich das Bild ja wunderbar ab – mit dem Einstieg gestern über Humor in der Führung sowie „Herz und Verstand“ und dazwischen die vielen Tools & Service-Angebote. Als HR ausmisten, loslassen, Prozesse vereinfachen mit spannenden digitalen Tools. Gleichzeitig einen neuen Fokus legen auf Visionen, Kultur, Emotionen, Kreativität und Innovation. Auf das, was den Menschen in Unternehmen antreibt und begeistert. Und wahrscheinlich auch überwiegend Spaß macht 😉

 

Beides ist Zukunft: Algorithmen & Emotionen. Und Zukunft beginnt jetzt, mit uns.

 

Ein großer Dank auch an das Team von ÜBERALL scene (Foto rechts) für die Organisation dieses Events!

 

 


Save the date

HR Inside Summit 2019
9+10okt2019
HRsummit.at

Fotos © Benedikt Weiss

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