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Fern von Team Spirit | Nicht jedes Teammitglied kann der große Teamspieler sein

Experten-Interview: Teammitglied ohne Team Spirit. Wirklich gute Teams vereinen unterschiedliche Charaktere – sagt man. Was wenn sie diese Unterschiedlichekeit darin manifestiert, dass einer der Anti-Teamplayer ist?

Oder konstruktiver gefragt: In wie fern kann ein Teammitglied, das keinen Team Spirit an den Tag legt, dennoch ein wertvolles Teammitglied sein (bzw mehrere Mitarbeiter eines Teams)?



Veronika Aumaier MAS, MSc (Aumaier Consulting Training): Nicht jeder Mitarbeiter ist im selben Ausmaß outgoing und kontaktfreudig. Und das wird vielfach unter teamfähig verstanden. Teamfähig im beruflichen Umfeld ist jedoch auch, wer bspw verlässlich, fleißig, zielstrebig und leistungsorientiert ist. Da ist man ganz bestimmt nicht am intensiven Austausch interessiert, aber man trägt sehr pflichtbewusst seinen Beitrag zum erforderlichen Ergebnis bei. Wer bewertet nun, was Team Spirit bedeutet: Extrovertiertheit oder Verlässlichkeit? Kontaktfreude oder Ergebnisorientierung? Ist das überhaupt ein Widerspruch? Mixed Team haben gelernt, die Unterschiedlichkeit ihrer Teammitglieder effektiv zu nutzen. Wer letztendlich einen wertvollen Beitrag im Team liefert oder nicht entscheidet die Bewertung der Führungskraft. Und je toleranter, offener, flexibler die Führungskraft, um so vielfältiger die Charaktere der Teammitglieder. Weil diese Führungskraft die Unterschiedlichkeit zur gewünschten Zielerreichung für alle nutzbringend steuern und einsetzen kann.

Mag. Regina Nicham (IBG): Wichtig ist, dass es ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsames Wofür gibt. In weiterer Folge geht es darum, ob sich die einzelnen Teammitglieder zieldienlich verhalten. Dieses gemeinsame Wofür muss allen bewusst und bekannt sein, die einzelnen Mitarbeiter werden im besten Fall so eingesetzt, dass ihre persönlichen Stärken zieldienlich sind und noch verstärkt werden.
Außerdem lässt es ein Team aufblühen und stark werden, wenn die Mitarbeiter den jeweiligen Zweck ihrer Tätigkeit erkennen und welchen Beitrag sie damit zum Gesamterfolg leisten. Teams sind dann erfolgreich, wenn die Stärken der Teammitglieder unterschiedlich sind, sich ergänzen und natürlich gezielt eingesetzt werden.
Auch braucht es Teilerfolge auf dem Weg zum übergeordneten Ziel und wichtig ist, dass sich die Mitarbeiter einzeln und auch als Team für die Leistung, den Erfolg oder auch Misserfolg verantwortlich fühlen.
Die Haltung im Unternehmen und bei den Mitarbeitern selbst, dass Unterschiede zwischen den Teammitgliedern eine willkommene Lernchance sind und, dass Beiträge von Mitarbeitern Äußerungen von Bedürfnissen und Anliegen sind, kann ein Team zu einem guten Team machen.

Dr. Andrea Cerny, MAS (next level consulting): Jeder Mensch findet seinen Platz in einem Team, wenn er nur eine seinen Fähigkeiten entsprechendes Aufgabengebiet überhat, in dem es nicht notwendig ist, sich viel abzustimmen oder zu kommunizieren.

Mag. Petra Koinig (ITO): Auf den ersten Blick erscheint es leichter, ein Team zu führen, dessen Teamspieler über ähnliche Persönlichkeitsmerkmale und Motivationslagen verfügen. Aber innovativer sind gemischte Teams, in denen alle voneinander lernen können und müssen. Ob ein Teammitglied „Team Spirit“ an den Tag legt, hängt sehr stark von den ihm zugeordneten Aufgaben und Rollen ab und ob es gelingt, ihn in seiner spezifischen Motivationslage zu erreichen. Es gilt zu erkennen, was den einzelnen antreibt und ihn dort abzuholen. Dies erfordert ein sehr reifes Team, da die Motive der anderen akzeptiert werden müssen. Durch eine bewusste Wahrnehmung und den fairen Umgang mit Unterschieden, Gemeinsamkeiten und individuellen Erwartungen an die Zusammenarbeit entwickeln sich Teams weiter.

Paul Bischofberger (TEAM|Manufaktur): Ganz grundsätzlich spielt das Thema Symmetrie in Teams eine enorm große Rolle. Teams achten – unbewusst – sehr auf ihre innere Balance. Es werden laufend Soll- und Haben-Rechnungen geführt (wie übrigens auch in jeder „normalen“ Paarbeziehung): was bringt jemand ins Team ein und was holt er sich heraus. Dieses Einbringen und Herausholen kann auf unterschiedlichste Weise „abgewickelt“ werden. Tut der eine beispielsweise ganz allgemein viel für eine gute Stimmung im Team, wird es ihm auch nachgesehen, wenn er auf der Seite der Arbeitsleistung etwas schlechter abschneidet. Der „Einzelgänger“ hingegen kann durchaus durch höhere Arbeitsleistung sein Konto ausgleichen. Erst wenn das Team diese sehr feine und schwer beschreibbare Balance nicht mehr herstellen kann, beginnt es zu rumoren.
Um also die Eingangsfrage noch einmal kurz zu beantworten: Ja, auch Menschen, die keinen offensichtlichen Team Spirit an den Tag legen, können gut ins Team integriert sein – solange sie die teaminterne Soll-Haben-Rechnung in irgendeiner Weise ausgleichen können.

 



Die Gesprächspartner:

Team Spirit, Teammitglied

 


Veronika Aumaier MAS, MSc
Geschäftsführerin

AUMAIER Consulting/Training GmbH

www.aumaier-academy.com

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Mag. Petra Koinig
Trainerin, Consultant, Coach

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

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Dr. Andrea Cerny, MAS
Senior Consultant

next level consulting Österreich GmbH

www.nextlevelconsulting.com

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Paul Bischofberger
Geschäftsführer

TEAM|Manufaktur GmbH

www.team-manufaktur.at

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selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


Ich danke den Interviewpartnern sowohl für ihre Geduld als auch ihre Expertise.

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