HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Coaching-Ausbildungen packen in den Werkzeug-Koffer der Coaches die tollsten Coaching-Techniken ein

Genial: der Werkzeugkoffer eines guten Coaches ist gefüllt mir Techniken & Tools, aus dem er je nach Situation schöpfen kann. Welche Coaching-Techniken müssen unbedingt Teil einer guten Coaching-Ausbildung sein?

Kürzlich fragte ich Business-Coaches nach ihren Lieblings-Coaching-Techniken in ihrer täglichen Praxis ⇒ siehe HRweb-Interview „Business-Coaching | Die beliebtesten Coaching-Techniken“. Heute stelle ich eine sehr ähnliche Frage Vertretern von Coaching-Ausbildungen. Mal sehen, in wie fern sich die Antworten dieser beiden Gruppen decken.

 

Fragen dieses Interviews: Jeder Coach wendet ein Bündel an Coaching-Techniken an, je nach Situation. Welche dieser Techniken darf in keiner Coaching-Ausbildung fehlen? Weshalb gerade diese?

Wie wichtig ist es aus Ihrer Warte, dass sich Coaches mit solchen Themen wie Online- oder Telefoncoaching befassen?

INTERVIEW-PARTNER

 



Jeder Coach wendet ein Bündel an Coaching-Techniken an, je nach Situation. Welche dieser Techniken darf in keiner Coaching-Ausbildung fehlen? Weshalb gerade diese?

Mag. Dagmar Grafeneder (KICK OFF): Eines der wichtigsten Basis-Tools im Coaching ist natürlich die Frage. Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Fragen, die Königskunst dabei ist wahrscheinlich die zirkuläre Frage. Diese Fragetechnik birgt deswegen so viel Potenzial, da sie einen Perspektivenwechsel anstößt, erweitert den eigenen Blick auf das gesamte System. Beschränkte Wahrnehmungen können dadurch erweitert und Hypothesen generiert werden.
Für uns ist der Unterschied im Coaching jedoch die Anwendung aller hypnosystemischen Ansätze. Dazu gehört die Arbeit mit Symbolen, Geschichten, Metaphern, Aufstellungsarbeit etc. Diese Techniken ermöglichen das Arbeiten auf tiefen Ebenen und entscheiden darüber, ob wir im Coaching am Problem erster  Ordnung hängen bleiben oder zu einer wirklichen Problemlösung auf der Ebene zweiter Ordnung oder sogar dritter Ordnung schaffen.
Mit ausschließlich digitalen Methoden ist  niemals eine echte Musterunterbrechung zu erreichen. Hypnosystemische Tools sind für uns daher ein Muss für den fortgeschrittenen Coach, der nachhaltig arbeiten möchte.

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Als Grundlage für alle weiteren Übungen/Methoden darf in einer systemisch lösungsorientierten Ausbildung die Fragetechnik nicht fehlen. Fragen regen das Denken an, helfen Menschen, die Perspektive zu wechseln und manchmal können sie im positiven Sinn verstören.  Visualisierung ist ein weiterer wichtiger Aspekt im Coaching. Egal, ob am Flipchart oder mit Gegenständen am Tisch Zusammenhänge visualisiert werden, beides kann Klarheit in Situationen bringen und neue Lösungen ermöglichen.
Zudem bin ich eine „Freundin“ von paradoxen Interventionen, gerade wenn in einer Coaching-Situation scheinbar nichts mehr geht, und es darum geht, gewohnte Denk- und Verhaltensmuster zu durchbrechen. Zum Beispiel die Frage „Stellen Sie sich vor, Sie wären die Lampe an Ihrem Schreibtisch? Was würden Sie dann über sich sagen?“ Sie helfen dem Coachee oft die Perspektive zu wechseln und zu neuen Erkenntnissen.

Michaela Baumgartner (Group Austria): Es gibt unterschiedlichste Techniken und auch Ansätze im Bereich Coaching. Das ist Geschmackssache. Zudem liegen dem einen vielleicht bestimmte Techniken mehr als dem anderen. Der Klassiker von Techniken im Coaching sind natürlich die Fragetechniken. Denn Coaching versteht sich als Begleitung, um selbstbestimmt Entscheidungen oder Wahrnehmungen herstellen zu können. Aus der lösungsorientierte bzw. lösungsfokussierte Kurzzeittherapie entsprang hieraus die ‚Wunderfrage‘. Sie ermöglicht es den berühmten Tellerrand zu entfliehen.

Miglena Doneva-Doncheff (ITO): Ein sehr wichtiger Teil im Coaching-Beruf ist die Wissenschaft und dazu gehören für mich auch die Techniken, die jeder Coach in seiner/ihrer Ausbildung zusammen mit Theorien und Hintergrundinformationen lernt. Damit all das vom Coach effektiv genutzt werden kann, muss er/sie vor allem lernen, wie er/sie eine starke Coach-Präsenz aufbauen kann. Das heißt a) dem Klienten vorurteilsfrei zu begegnen, b) eine Atmosphäre zu schaffen, in der der Klient sich seiner Ressourcen bewusst wird und c) dem Klienten zu folgen, dorthin, wo er/sie gehen will. Der Coach muss auf globaler Ebene zuhören und den Klienten ganzheitlich wahrnehmen können. Damit beginnt die Arbeit des Coachings. Damit der Klient erfolgreich an seinem Projekt/Vorhaben arbeiten kann, muss der Coach ihn/sie dabei unterstützen, die Intention zu setzen und ein klares Ziel zu formulieren, die Quelle der Motivation und das Commitment für dieses Ziel zu finden und wie er/sie zu konkreten Ergebnissen kommen kann.

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Da gibt es mehrere:

  • Sämtliche systemischen Fragen – weil diese in dieser komplexen Welt am hilfreichsten Lösungen produzieren
  • Kenntnisse in systemischer Aufstellungsarbeit
  • Analoge Techniken – wie z.B. Arbeit mit Bildern oder malen, weil dadurch Unbewusstes zu Tage kommt.
  • Methoden zur Anliegen- / Zielfindung, zur Entscheidungsfindung (z.B. das Tetralemma)
  • Methoden zur Musterunterbrechung wie z.B. den Teufelskreis

Veronika Aumaier, MSc (Aumaier & Partner Coaching): Das Tetralemma darf in keiner Coaching-Ausbildung fehlen. Diese Technik stellt einen Klassiker zur Unterstützung bei Entscheidungsfindungen dar und ist auch für Neulinge leicht zu handhaben. Das Tetralemma hilft aus dem Dilemma, weil es neben A und B auch die Perspektive von „Beides“ (sowohl A als auch B) und „Keines“ (weder  A noch B) in den Blick nimmt. Angereichert können diese 4 Lösungen noch durch eine 5 Perspektive werden, die sich „all dies nicht und auch das nicht“ benennt und raus aus dem Dilemma auf die Metaebene führt. Der Coach kann durch das Tetralemma verbal führen oder die 5 Positionen mit Bodenankern vorgeben, sodass der Coachee eine Position nach der anderen mit Begleitung des Coaches durchwandern kann. Das Ergebnis ist eindrucksvoll, da es eine Vielfalt an Lösungen kreiiert und aus der Patt-Situation „entweder/oder“ heraus führt.
Doch es sollte nicht vergessen werden, dass vor allem die Haltung einen guten Coach ausmacht, nicht die Methode!

Wie wichtig ist es aus Ihrer Warte, dass sich Coaches mit solchen Themen wie Online- oder Telefoncoaching befassen?

Mag. Sabine Prohaska (seminar consult): Extrem wichtig – zumindest für alle Business-Coaches, die noch ein, zwei Jahrzehnte ihren Lebensunterhalt mit Coachen verdienen möchten. Im Trainingsbereich sind sogenannte Blended-Learning-Konzepte, die das Präsenz- und Online-Lernen miteinander verknüpfen, schon lange üblich. Ähnliche Konzepte werden sich auch im Coaching-Bereich immer mehr durchsetzen – auch weil die Entscheider in den Unternehmen zunehmend Digital Natives sind, die ein anderes Verhältnis zur Digitaltechnik als ihre Vorgänger haben.

 



Die Gesprächspartner

 


Michaela Baumgartner
Geschäftsführung

GROUP AUSTRIA – besser leben mit Bildung

www.group-austria.at

Unternehmens-Profil


Miglena Doneva-Doncheff
Coach, Programmleiterin Coaching

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

Unternehmens-Profil


Mag. Dagmar Grafeneder
Gesellschafterin, Beraterin

KICK OFF Management Consulting GmbH

www.kick-off.com

Unternehmens-Profil


Veronika Aumaier, MAS, MSc
Geschäftsführerin

AUMAIER & Partner Coaching GmbH

www.aumaier-coaching.com

Unternehmens-Profil


Mag. Sabine Prohaska
Eigentümerin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at

Unternehmens-Profil


Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführung

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

Unternehmens-Profil


selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.