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Interkulturelles Management in Indien

Es mag jetzt gerade nicht die Zeit sein, Auslandsentsendungen zu planen. Dennoch geht das globale Business weiter und zahlreiche Kooperationen oder Investitionen in Übersee bestehen weiterhin. Daher ist es gerade jetzt an der Zeit, sich Management-Stile und Best-Practices in anderen Ländern näher anzusehen.

Unsere Augen richten sich auf Indien. Indien ist ein viel versprechender Markt für österreichische Unternehmen, vor allem im stark wachsenden Automobil-Bereich. Um als österreichische Geschäftstreibende in Indien erfolgreich zu sein, ist es wichtig, zumindest drei zentrale Themen zu beachten: Diversität der Gesellschaft, „Managing people“ – das Human Capital als Ressource, und schließlich effektive Kommunikation.

Vielfältiger Markt

Die komplexe Diversität in Indien ist eine Herausforderung: sozial, ethnisch, sprachlich, religiös, landschaftlich, klimatisch – auf allen Ebenen ist Vielfalt der dominierende Faktor. Den meisten Indern ist dies bewusst und dennoch sehen sie sich in einer „Einheit in der Vielfalt“ und stellen damit das Verbindende ins Zentrum.

Verbindende Faktoren sind vor allem die Zugehörigkeit zu einer Religion und Kaste sowie das Nationalbewusstsein aber auch Bilingualität – es werden über 300 Sprachen gesprochen.

Die Vielfalt der Menschen und die Komplexität der Sozialstruktur widerspiegeln sich in Unternehmen: auf Mitarbeiter-Ebene, in den Führungsetagen und im Umgang miteinander. Indische Führungskräfte beweisen daher ständig hohe Unsicherheitstoleranz und Improvisationsvermögen. „Management of Chaos“ ist eine beliebte Beschreibung aus der Außenperspektive. Wir können dies auch agile Führung in der VUKA Welt nennen.

Die soziale Komponente

“Die Qualität eines Jobs steht direkt proportional zur Qualität der persönlichen (Arbeits-) Beziehung.“ Diese Aussage eines indischen Managers charakterisiert den Kern der Management- und Führungsaufgaben in Indien. Viele Unternehmen, vor allem die großen, international tätigen, fühlen sich für ihre Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Von daher stehen Training&Development im Vordergrund, trotz hoher Fluktuation und einem stark wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt. Bildung, Weiterentwicklung, beruflicher Aufstieg sind die Antreiber am Arbeitsmarkt. Je besser die Bedingungen für Arbeitnehmer in einem Unternehmen, desto attraktiver ist es. Den Auftrag zu Bildung und Entwicklung nehmen daher zahlreiche indische Unternehmen sehr ernst.

Human Capital ist die Ressource Nummer eins, die direkt zum Erfolg eines Unternehmens führt. Über die Unternehmenskultur wird idealerweise die soziale Mission des Unternehmens kommuniziert: das Warum und Weshalb, der übergeordnete Sinn der wirtschaftlichen Tätigkeit. Wir können es auch Purpose Management nennen.

Klare Sprache

Eine gute Kommunikation ist zentral, denn Sprache ist eine Quelle für Missverständnisse auf der ganzen Welt. Die in Indien am meisten getätigte Aussage „Yes, no problem“ verursacht vielen Ausländern Kopfzerbrechen, denn sie ist nicht so gemeint. Probleme tauchen auf, aber, und das ist die dahinterliegende Haltung, „es wird sich schon lösen und zum Guten wenden“. Dieser unerschütterliche, wenn auch diffuse Glaube an eine Wendung zum Guten, und eine zutiefst positive Haltung sind in Indien omnipräsent. Dem gegenüber stehen klare und direkte Botschaften als Anweisungen, die auf der Hierarchieebene zu befolgen sind. Diese Spannbreite einer Kommunikation, die einerseits Vieles offen lässt, und andererseits glasklare eindeutige Aussagen möglichst ohne Interpretation ist eine große Herausforderung für Expatriates. Ständiges Switchen ist nötig, um im vielseitigen Berufsalltag adäquat zu kommunizieren und interagieren. Interkulturelle Kommunikationskompetenz nennen wir das.

Tipps für ein gelungenes Management in Indien:

  • Kommunikationskompetenz: Zuhören, Lösungen finden, gutes Hinhören auf subtil vermittelte wichtige Botschaften; immer ein offenes Ohr für die Mitarbeitenden; klare Aussagen und Präzisieren von Wichtigem
  • Talent-Management: empathische Führung und Fokus auf Training und Entwicklung der Mitarbeitenden; programmatisches Empowerment und Weiterentwicklung
  • Purpose-Management: Vermittlung des übergeordneten Ziels als gesellschaftlicher Beitrag (social mission) auf der Basis einer klaren Unternehmensstrategie und Positionierung der einzelnen Mitarbeiter im komplexen Ganzen
  • Agile Führung in einem unsicheren, sich verändernden, komplexen und uneindeutigen Umfeld
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