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Führungskräfte im internationalen Umfeld | Nachholbedarf bzgl. interkultureller Kompetenz & Fremdsprachen

Führungkräfteentwicklung & Führungskompetenz

Kürzlich erfuhr ich in einem Interview mit Expertinnen und Experten, wie groß die interkulturelle Kompetenz und Fremdsprachen-Fähigkeit unter Österreichs Führungskräften ausgeprägt ist. (⇒ Siehe auch HRweb-Interview „Internationaler Vergleich von Österreichs Führungskräften“)

En gros können wir recht zufrieden sein, doch es gibt Luft nach oben, daher frage ich im Interview nochmal nach: Worin zeigt sich der größte Nachholbedarf hinsichtlich interkultureller Kompetenz und Fremdsprachenkenntnisse?

INTERVIEW

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Experten-Interview

Worin zeigt sich für Österreichs Führungskräfte der größte Nachholbedarf hinsichtlich?

… mit Blick auf interkulturelle Kompetenz und Fremdsprachenkenntnisse.

Dr. Judith Girschik (Leadership Institute | LSS Leadership Services):

Viele der Führungskräfte, mit denen ich arbeite, sind sogenannte Expats. Es sind Führungskräfte aus dem Ausland, die ihr Arbeitgeber nach Österreich zur Wahrnehmung einer Managementposition geschickt hat. Hier stellt sich oft die Frage nach der Adaptierung internationaler Management-Gewohnheiten an österreichische Rahmenbedingungen. Beispielsweise hat sich gezeigt, dass ein strenges Top-Down Führungsverständnis von österreichischen Mitarbeitern deutlich weniger geschätzt wird als z.B. in asiatischen Ländern.

Mark Heather (MHC Business Language Training):

Bei der interkulturellen Kompetenz geht es darum zu verstehen, dass dein Weg nicht unbedingt DER Weg ist. Deshalb ist es ein wichtiger erster Schritt, um interkulturell kompetent zu sein, die Möglichkeit von kulturellen Unterschieden zu erkennen. Pauschale Etikettierungen gelen im Jahr 2022 zu Recht als unsensibel. Das Verständnis der kulturellen Unterschiede kann uns beim Handeln und Kommunizieren im Beruf auf jeden Fall weiter helfen.

Bei der Fremdsprachenausbildung sollten die Menschen ein breites Spektrum an Ressourcen berücksichtigen. Wenn man zum Beispiel lernt, wie Englisch in asiatischen, indischen und russischen Kulturen klingt, unterscheidet sich das sehr von der britischen oder amerikanischen Kultur. Die Menschen sollten sich so viele Akzenten und Klänge wie möglich aneignen. Das hilft, unterschiedliche kulturelle Standpunkte zu respektieren.

Bei MHC kümmern wir uns um „Managing Human Communication“, also um alles, was mit den verwendeten Wörtern, dem kulturellen Kontext, der Körpersprache, den Gesten und dem Inhalt zu tun hat – ein Bereich, der sich ständig so wie die Sprache weiterentwickelt.

Mag. Petra Koinig (ITO Individuum Team Organisation):

Im Bereich der interkulturellen Kompetenzen und der Sprachkenntnisse ist immer Raum für Weiterentwicklung. Mehr als diese fachlichen Skills brauchen Unternehmen im globalen Wettbewerb eine interne Kultur, die das Management ermutigt, Innovationen zu denken, Neues auszuprobieren und auch Risiken zu wagen.

Matthias Würth, MSc (ICUnet Austria):

Lassen Sie mich das anhand eines Bildes verdeutlichen: Create Closeness in Distance: Dieser Frage hat sich vermutlich jeder von uns in den vergangenen Monaten das eine oder andere Mal gestellt und überlegt, ob das gerade gut gelingt. Dieses Thema umfasst sowohl Sprache als auch persönliche und kulturelle Kompetenzen. Das Schaffen einer vertrauensvollen Umgebung, das Einhalten von Versprechungen und das Vermitteln von Sicherheit sind einige der tragenden Säulen.

Wie groß der Nachholbedarf oder positiv formuliert das Entwicklungspotential ist, muss jede Führungskraft bzw. jedes Unternehmen selbst evaluieren. Wie gut fanden wir mittlerweile neue Home-Office Regelungen? Hat sich unser Bild bzgl. der Anforderungen an die Führungskräfte geändert oder verwenden wir immer noch das Profil, das wir vor 5 Jahren schon im Einsatz haben? Ist Inclusive Leadership nur ein Claim oder gibt es spezifische Aktivitäten?

Das Thema interkultureller Kompetenzen geht heute nahtlos in die D&I Thematik ein bzw. über.

Mag. Eva Ayberk (Ayberk.co):

Aus meiner Sicht ist vor allem noch wenig Offenheit gegenüber asiatischen Kulturen da. Oft wird das etwas abgetan und das eigene Weltbild als Benchmark genommen. Dabei können wir so viel aus dem asiatischen Raum lernen. Nichtlineares Denken, kontinuierliche Selbstreflexion und auch Disziplin können in einem guten Ausmaß gerade in der heutigen Situation mit schneller Veränderung, hoher Komplexität und auch Unsicherheit sehr wertvoll sein – gerade für Führungskräfte.

Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How):

In Bezug auf interkulturelle Kompetenz könnte Nachholbedarf in der Förderung kulturell diverser Teams liegen, also Offenheit für kulturelle Diversität und deren Nutzen. Aber auch in kultureller Sensibilität in Bezug auf kulturelle Unterschiede in Arbeitsstilen, Sach- oder Beziehungsorientierung und Hierarchieverständnis. 

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Die Interview-Partner

Mark Heather

Mark Heather, MHC

Dr. Karin Schreiner

Karin Schreiner

Matthias Würth, MSc

Matthias Würth, ICUnet

Judith Girschik

Judith Girschik, LSS

Mag. Petra Koinig

Petra Koinig, ITO

Mag. Eva Ayberk

Eva-Maria Ayberk

Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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