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Selbst wenn wir aktuell eher an Mitarbeiter-Mangel als an –Überschuss leiden, müssen wir dennoch zumal ein Kündigungsgespräch führen.

Um ein wenig in die Tiefe zu steigen, bitte ich eine Experten-Runde zum Interview und hinterfrage:

  • Wer fühlt sich verantwortlich, Kündigungsgespräche zu führen (die jeweilige Führungskraft oder die HR-Abteilung)?
  • Welche Trends zeichnen sich ab wenn man einen Blick auf Schulungen für Trennungsgespräche wirft?

Experten-Interview

Outplacementberatung, Kündigungsgespräch führen
Links der HR-Branche Outplacement | Trennung

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Schulungen für das Führen von einem Kündigungsgespräch – steigt sie oder ist sie eher rückläufig?

Erich Nepita (LHH|OTM): Die klassische Schulung von Trennungsgesprächen war in den letzten Jahren wenig gefragt. Die dialektisch und rechtlich saubere Durchführung von Kündigungsgesprächen ist längst erprobte Praxis von Führungskräften und HR-Verantwortlichen. Die augenblicklichen Herausforderungen zeigen ein stark steigendes Interesse an Begleitung von fairen Trennungsprozessen, die neben einer würdevollen Trennung, auch positive Effekte auf verbleibende Mitarbeitende bieten.

Oliver Heun-Lechner (Outplacement.house): Ganz allgemein nehmen die Nachfragen zu und erreichen uns meist über die HR-Endverantwortlichen. In fast allen Fällen sind die Anfragen von einem aktuellen Bedarf getrieben. In nur wenigen Fällen erhalten wir Anfragen im Zusammenhang mit (präventiven) Führungskräfte-Entwicklungsmaßnahmen. Die Hauptnachfragen stehen meist in Verbindung mit einem größeren Stellenabbau. Coachings für Einzelkündigungen werden von Geschäftsführern, Vorständen und Inhabern nachgefragt.

Was wird in Bezug auf die Schulung bzgl. des Kündigungsgesprächs ganz konkret nachgefragt?

Mag. Konrad Fankhauser (die Berater®): Die Hauptnachfrage gilt den individuellen Einzelgesprächen.
Zu den nachgefragten Schwerpunktthemen zählen unter anderem a) die gezielte Vorbereitung des Gesprächs vor dem Hintergrund der relevanten rechtlichen Grundlagen sowie allenfalls bestehender Ansprüche und möglicher Freistellungen, b) die Phasen des Trennungsgesprächs und der idealtypische Ablauf des Trennungsgesprächs vom Gesprächseinstieg bis hin zum Verbleib am Gesprächsende, c) die möglichen Reaktionsweisen der Betroffenen und der souveräne Umgang damit und d) die wichtigsten „Dos and Don’ts“ aus der Praxis.

Wer führt das Kündigungsgespräch in der Realität meist durch?

Mag. Peter Marsch (jobsbutler): Trennung ist eine sehr unangenehme Aktivität in einem betrieblichen Kontext, mit der sich niemand beschäftigen möchte, üblicherweise auch nicht die HR-Abteilungen. Aber einer muss den Job machen, daher ist es der Job der Personalabteilung, meisten begleitet durch den Betriebsrat. Selten sind auch Führungskräfte involviert.

Kerstin Tomancok, MSc (BDO Consulting GmbH): Angefragt wird die Schulung von Trennungsgesprächen meist über HR-Verantwortliche. Leider geht die Mehrheit der Führungskräfte nach wie vor davon aus, dass HR die Trennungsgespräche durchführt. Nur etwa ein Fünftel der Führungskräfte, die Trennungsgespräche führen müssen, lassen sich mithilfe von Trennungsworkshops darauf vorbereiten.

Weshalb sollte das Führen vom Kündigungsgespräch unbedingt Aufgabe der Führungskraft sein?

Mag. Konrad Fankhauser (die Berater®): Insbesondere Führungskräfte  – übrigens sowohl junge als auch altgediente – haben Bedarf und Interesse an Unterstützung beim diffizilen Thema Trennungsgespräche. Also wie und in welcher Form in diesem negativen Kontext dennoch ein wertschätzendes Gespräch geführt werden kann.
Die Trennungsgespräche gehören zu den schwierigsten Aufgaben der Führungskräfte in der Kommunikation mit den Mitarbeitenden. Sie sind ein entscheidendes Kriterium bei Umstrukturierungen und tragen wesentlich zur Umsetzung eines erfolgreichen Outplacement-prozesses bei.

Kerstin Tomancok, MSc (BDO Consulting GmbH): Die Führungskraft spricht z.B. eine Beförderung aus; es liegt jedoch genauso in der Verantwortung der Führungskraft (gerne gemeinsam mit HR) ein Trennungsgespräch zu führen. Wenn Schulungen für Trennungsgespräche angefragt werden, geschieht dies meist im Zuge eines größeren Personalabbaus. Aber immer öfter wird das Schulen von Trennungsgesprächen auch z.B. im Rahmen von Entwicklungsprogrammen für Führungskräfte angeboten. Das Erlernen eines für beide Seiten gewinnbringenden Trennungsgesprächs ist genauso wichtig wie das Erlernen eines professionell geführten Interviews.

Unterscheiden sich Trennungsgespräche heute von jenen vor 5 Jahren? Ja – nein – worin?

Mag. Konrad Fankhauser (die Berater®): Nein

Kerstin Tomancok, MSc (BDO Consulting GmbH): Für ein erfolgreiches Unternehmen ist Employer Branding nicht mehr wegzudenken. Dazu gehört auch die ganze Thematik Employee Experience; ein wertschätzendes Trennungsgespräch ist ein wichtiger Bestandteil. Alleine aufgrund dessen und aufgrund des hohen Fachkräftemangels hat ein gut vorbereitetes, wertschätzendes Trennungsgespräch einen anderen Stellenwert bekommen als vor fünf Jahren.
Im Zuge des Kündigungsprozesses ziehen die Betroffenen vermehrt Erkundigungen ein, was ihnen zusteht. Es gilt nicht nur mehr „Take it or leave it“, sondern Gekündigte fordern aktiv Optionen ein.

Oliver Heun-Lechner (Outplacement.house): Die grundlegenden theoretischen Inhalte und die Chronologie von Trennungsgesprächen sind unseres Erachtens nach vergleichbar. Einzig in der Trennungsbegründung sehen wir einen Bedarf nachzuschärfen. Galt bei Begründungen in der Vergangenheit „weniger ist mehr“, wird heute von Betroffenen selbstbewusst mehr Information bzw. Erklärung eingefordert. Trennungsbegründungen und deren Formulierungen thematisieren wir in unseren Schulungen heute deutlich stärker.                     
Allgemein nehmen wir einen sensibleren Umgang mit diesem anspruchsvollen Mitarbeitergespräch wahr. Rückblickend sehen wir die positive Entwicklung, dass sich heute Trennungsgespräche stärker an den theoretischen Vorgaben orientieren.

Mag. Peter Marsch (jobsbutler): Nein, die Trennungsgespräche haben sich in den letzten 5 Jahren nicht verändert, ich habe nur den Eindruck, dass diese Gespräche immer seltener stattfinden. Der neue Trend ist „Mitarbeiter-Storage“, d.h. Mitarbeitende werden um jeden Preis gehalten.

Erich Nepita (LHH|OTM): Am klassischen Trennungsgespräch selbst hat sich nichts geändert. Die Bedeutung einer integrativen Prozessgestaltung ist durch den Wertemangel vom Arbeitgeber zum Arbeitgebermarkt drastisch gestiegen. Imageschäden durch unklare Kommunikation und fehlende Unterstützung, sowohl für Scheidende als auch für bleibende Mitarbeitende führen heute rascher als in der Vergangenheit zu einem Verlust der Reputation als zukünftiger Arbeitgeber.
Oft werden offene Positionen später oder schlecht besetzt und es entsteht ein unternehmerischer Schaden.

Die Interview-Partner

Kündigungsgespräch führen – auch das will unbedingt gelernt sein!

Erich Nepita

Erich Nepita, LHH

Oliver Heun-Lechner, MBA

Oliver Heun-Lechnner, Outplacement House

Mag. Konrad Fankhauser

Konrad Fankhauser, die Berater

Kerstin Tomancok, MSc

Kerstin Tomancok

Mag. Peter Marsch

Peter Marsch, Jobsbutler
Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte sie komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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